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Diskussion zur Entlüftung von Badezimmern

Zu einem Beitrag im Septemberheft erreichte uns folgende E-Mail von Prof. Dipl.-Ing. Jasper Herrmann, Architekt, hochschule 21, Buxtehude:

"Guten Tag Frau Grossmann,

in Ihrer Septemberausgabe wird im Beitrag "Luftleitung ins Badezimmer" über die rechtlichen Hintergründe - bauaufsichtliche Einführung von Normen usw. geschrieben. Der Verfasser der Zeilen beruft sich auf die Muster-Liste der technischen Baubestimmungen und die Liste der Technischen Baubestimmungen der Länder.

Diese gibt es allerdings seit ca. 2 Jahren nicht mehr. Derzeit gültig ist die Muster-Verwaltungsvorschrift Technische Baubestimmungen Ausgabe 2017/1 - http://www.dibt.de/de/geschaeftsfelder/data/MVV_TB.pdf#pagemode=bookmarks

Dazu ergänzend der "Stand der Umsetzung der Muster-Liste der Technischen Baubestimmungen (MLTB) und der Muster-Verwaltungsvorschrift Technische Baubestimmungen (MVV TB) in den Ländern (Stand 14.09.2018)"
http://www.dibt.de/de/dibt/data/UebersichtUmsetzung_MVVTB_Laender.pdf

Und noch zu beachten - die Prioritätenliste:

"Prioritätenliste - Ausgewählte verwendungsspezifische Leistungsanforderungen zur Erfüllung der Bauwerksanforderungen Hinweisliste sortiert nach harmonisierten Bauproduktnormen der EU-BauPVO" Stand: 12. Dezember 2017

​Sie sehen, was wird nicht einfacher."

Datum: 26.09.2018 14:24:10

Re: Diskussion zur Entlüftung von Badezimmern

Der Autor des Beitrags, Dipl.-Ing. Norbert Nadler vom Ingenieurbüro CSE Nadler, Oranienburg, antwortete folgendes:

"Sehr geehrter Herr Professor Herrmann,

vielen Dank für die Informationen und für Ihr Interesse an meinem Beitrag.

Mir war schon bekannt, dass sich in Deutschland etwas am Baurecht ändern wird. Jedoch war zum Zeitpunkt der Niederschrift des Beitrages die Änderung noch nicht in allen Bundesländern in Landesrecht umgesetzt worden und ist es wohl auch heute noch nicht (vgl. Update 17.09.2018 in http://www.derbrandschützer.de/2018/01/18/aktueller-stand-neue-bauordnung-und-mvv-tb/).

Auch in der MVV TB oder MBO findet sich kein Hinweis auf die DIN 18017-3. Trotzdem wird von einem Hersteller und sogar vom Normenausschuss "Lüftung von Wohnungen" immer noch behauptet, dass die DIN 18017-3 eine baurechtlich eingeführte Norm ist. M.E. kann sie auch gar nicht baurechtlich eingeführt werden, weil sie mit ihrer Nachströmung über ÜLD dem §41 Abs. (3) MBO nicht gerecht wird. Dort heißt es: "Lüftungsanlagen sind so herzustellen, dass sie Gerüche und Staub nicht in andere Räume übertragen." Demnach wäre die vorgeschlagene Zuluftleitung zum fensterlosen Bad/WC die einzig regelkonforme Möglichkeit der Nachströmung von Außenluft, was aber in der Norm nicht vorgesehen ist."

Datum: 26.09.2018 14:33:32

Re: Diskussion zur Entlüftung von Badezimmern

Darauf die Rückmeldung von Herrn Herrmann:

"Sehr geehrter Herr Nadler,

danke für ihre Antwort. Ich habe ihren Beitrag gelesen und fand den sehr aufschlussreich, er hat mir eine Menge an sehr guter Argumentation geboten. Vielen Dank für diesen wirklich sehr guten Artikel.

Bei dem für uns alle ziemlich undurchsichtigem "Rechtswirrwarr" ist es schwierig, den Überblick zu behalten. Und ich erkenne an vielen Fachvorträgen, dass in diesem Bereich zur Aktualität der Rechtslage eine große Unsicherheit besteht. Ich bin natürlich auch kein "Rechtsgelehrter", versuche nur, mit der Aktualität Schritt zu halten und achte deshalb vielleicht besonders auf diese Feinheiten. Letztlich sind diese es, nachdem die Gerichte unsere Arbeit bzw. die a.a.R.d.T. beurteilen. [...]

Ich habe Ihren Hinweis recherchiert. Richtig ist, dass die DIN 18017-3:2009-09 -Lüftung von Bädern und Toilettenräumen ohne Außenfenster - Teil 3: Lüftung mit Ventilatoren nicht in der MVV TBB aufgeführt ist. Sie finden aber auf S. 327 der MVV eine andere Bezugsquelle: Bauaufsichtliche Richtlinie über die Lüftung fensterloser Küchen, Bäder und Toilettenräume in Wohnungen, Stand April 2009, zuletzt geändert durch Beschluss der Fachkommission Bauaufsicht vom 1. Juli 2010. [...] Und in dieser Richtlinie wiederum finden Sie den Hinweis (2.3), dass Lüftungsanlagen nach DIN 18017-3:2009-09 für fensterlose Bäder und Toilettenräume in Wohnungen die lüftungstechnischen Anforderungen nach den Abschnitten 2 bis 2.2 erfüllen, wenn die Wohnungen keine fensterlosen Küchen und Kochnischen aufweisen.​

Inwieweit das jetzt berechtigt zu der Annahme, dass die DIN 18017 Teil 3:2009-09 als a.a.R.d.T- gilt sei dahingestellt und müssen die Gerichte entscheiden. Aber es gibt, wie ich finde, eine "Krücke". Andererseits mögen Sie Recht haben mit Ihrer Argumentation aus ihrer Mail.

Insgesamt rechtlich nicht vollständig klärbar wahrscheinlich."

Datum: 26.09.2018 15:26:41

Re: Diskussion zur Entlüftung von Badezimmern

Der normale Planer müsste in die MVV TB oder MBO (natürlich des betreffenden Landes) schauen und stellt fest, dass die DIN 18017-3 dort nicht erwähnt wird. Damit ist sie bauaufsichtlich nicht eingeführt und hat nur Empfehlungscharakter. Nun kann er Abweichungen von der DIN mit dem Bauherrn vereinbaren. Die Bauaufsichtliche Richtlinie muss dabei natürlich eingehalten werden. Der Hinweis unter 2.3 auf die DIN 18017-3, dass die Anforderungen 2 bis 2.2 erfüllt werden, bedeutet nicht, dass es auch andere Möglichkeiten der Entlüftung gibt. Danach wäre z.B. die Zuluftleitung zulässig. Für fensterlose Küchen wird sie sogar vorgeschrieben.

Ich sehe diesen Hinweis in 2.3 als nicht zutreffend, da in Abschnitt 2 steht, dass durch die Lüftungsanlage keine Gerüche in andere Räume übertragen werden dürfen, was in Übereinstimmung mit dem §41 Abs. (3) der MBO steht. Der Abs. (5) schließt jedoch  Wohnungen dabei aus, was ein Widerspruch darstellt. Durch die Überströmung über die ÜLD ist die Übertragung aber möglich, da in jedem Raum Gerüche (und Staub) produziert werden könnten oder durch die ALD angesaugt werden. Aktuelles Beispiel ist der Moorbrand in Meppen, dessen Rauchgase sich über weite Strecken ausgedehnt haben.

Grundsätzlich empfehle ich für den Planervertrag, dass man „…in Anlehnung an DIN xxx“ vereinbart und nicht nur die DIN xxx selbst. Das ist nicht nur rechtlich notwendig, sondern ergibt sich auch aus unzureichenden Planungsempfehlungen in DIN-Normen, die ohnehin einer individuellen Entscheidung bedürfen. Wenn der Einfluss industrieller Interessen auf die Normgestaltung immer größer wird, müssen wir weg von der Vermutungsannahme, dass eine Norm eine a.R.d.T. ist. Zukünftig sind mehr ingenieurmäßige Entscheidungen notwendig, als das bloße Abarbeiten der Normvorgaben.

Datum: 26.09.2018 17:42:56

Re: Diskussion zur Entlüftung von Badezimmern

Sehr geehrte Diskussionsteilnehmer,

m.E. ist der Verweis in der MVVTB ausreichend. So heißt es dort unter A3 Hygiene, Gesundheit und Umweltschutz, A 3.2 Technische Anforderungen hinsichtlich Planung, Bemessung und Ausführung an bestimmte bauliche Anlagen und ihre Teile gem. § 85a Abs. 2 MBO:
"A 3.2.6 Lüftung fensterloser Küchen, Bäder
und Toilettenräume in Wohnungen: Bauaufsichtliche Richtlinie über die Lüftung fensterloser Küchen, Bäder und Toilettenräume in Wohnungen,
Ausgabe April 2009".
Damit ist klar, wenn fensterlose Bäder, Toiletten oder Küchen gegeben sind, sind diese nach den Vorgaben dieser Richtlinie zu belüften.

Die Richtlinie beschreibt ebenfalls, wie eine Nachströmung der Außenluft zu erfolgen hat. Unter 2.1.1 Zuluft über Lüftungsanlagen und –einrichtungen heißt es:
"Die Zuluft kann außerhalb der fensterlosen Räume an zentraler Stelle der Wohnung oder durch Öffnungen in den Außenwänden der Wohnung unmittelbar zugeführt werden, wenn zu den fensterlosen Räumen eine Verbindung durch Nachstromöffnungen oder –spalte besteht."
Es muss also ein Raumluftverbund in der Wohnung bestehen.

Die direkte Zuluftführung ist für die Stoßlüftung von Küchen vorgeschrieben, für Bäder und Toiletten nicht. Das steht auch im Einklang mit der MBO, denn dort heißt es zwar unter unter § 41, Absatz 3:
"Lüftungsanlagen sind so herzustellen, dass sie Gerüche und Staub nicht in andere Räume übertragen.".
In Absatz 5 desselben Paragraphen wird das jedoch für bestimmte Gebäude und Nutzungseinheiten wieder aufgehoben:
"Die Absätze 2 und 3 gelten nicht
1. für Gebäude der Gebäudeklassen 1 und 2,
2. innerhalb von Wohnungen,
3. innerhalb derselben Nutzungseinheit mit nicht mehr als 400 m² in nicht mehr als zwei Geschossen."
Weshalb sollte auch eine Geruchsübertragung in Wohnungen verboten werden, wo sie bei über manuelles Fensteröffnen gelüftete Bädern und Küchen auch nicht immer ausgeschlossen werden kann.

DIN 18017-3 ist entstanden, um eine Vergleichbarkeit der Entlüftungssysteme für Ausschreibungs- und Vergabeprozesse einfacher zu machen. So kann eine Einzelraumventilator Typ A ausgeschrieben werden, der Einzelraumventilator Typ B jedoch vom Installateur verbaut werden. Dafür sind in der DIN 18017-3 prüfbare Anforderungen an die Steilheit der Kennlinie vorgegeben, wie sie auch in der Richtlinie unter 2.1.2 gefordert wird:
"Die Entlüftungsanlagen müssen Ventilatoren mit steiler Kennlinie haben."

Die Verbindung zwischen Richtlinie und DIN 18017-3 ist über 2.3 Lüftungsanlagen nach DIN 18017 gegeben:
"Lüftungsanlagen nach DIN 18017-3:1990-08 für fensterlose Bäder und Toilettenräume in Wohnungen erfüllen die lüftungstechnischen Anforderungen nach den Abschnitten 2 bis 2.2, wenn die Wohnungen keine fensterlosen Küchen und Kochnischen aufweisen."
Ein Hauptunterschied der DIN 18017-3:1990-08 von der DIN 18017:2009-09 liegt in der Anrechnung von Undichtheiten in der Gebäudehülle. Da jedoch die Richlinie fordert
"Außenluftöffnungen, Leitungen vom Freien und Lüftungsanlagen mit Ventilator sind so zu bemessen, dass sich für den planmäßigen Zuluftvolumenstrom rechnerisch kein größerer Unterdruck in der Wohnung als 8 Pa gegenüber dem Freien ergibt.",
kann dem Planer nur empfohlen werden, die Dimensionierung der Außenluftdurchlässe mit realistischen Annahmen zu machen.

Zur Diskussion von Brandfällen würde ich mich freuen, wenn eine realistische Abwägung der Risiken Einzug halten würde. Gerade Entlüftungssysteme nach DIN 18017-3 sind sehr gut geeignet, für einen steten minimalen Luftaustausch zu sorgen, um auch in Wohnungen, die durch die Nutzer nicht im notwendigen Maß gelüftet werden, den Bautenschutz zu gewährleisten. Natürlich sollten dieses Systeme über eine Notabschaltung verfügen. Ob jedoch ALD über eine Verschließfunktion verfügen sollen, sollte mit dem Bauherrn diskutiert werden. In erster Linie soll über das System gelüftet werden. Eine Verschließfuntion bedeutet jedoch, dass der Nutzer die ALD auch verschließen darf, was der Lüftungsfunktion entgegen wirkt!
Wird im Brandfall das Entlüftungssystem abgeschaltet, sollte ein modernes dichtes Gebäude mit unverschlossenen ALD immer noch einen deutlich geringeren Leckagestrom aufweisen, als ein unmodernisiertes Bestandsgebäude mit alten undichten Holzfenstern.

Oliver Solcher
Fachverband Luftdichtheit im Bauwesen e.V.
Datum: 23.10.2018 11:40:42

Re: Diskussion zur Entlüftung von Badezimmern

Sehr geehrte Diskussionsteilnehmer,

das die Vorgaben der „Bauaufsichtliche Richtlinie über die Lüftung fensterloser Küchen, Bäder und Toilettenräume in Wohnungen“ (BauRL) einzuhalten sind, habe ich nicht bestritten. Es ging nur darum, ob auch die DIN 18017-3 angewendet werden muss oder ob sie nur Empfehlungscharakter hat.

Der zitierte Satz in der BauRL unter 2.1.1 lässt zu, dass die Zuluft an zentraler Stelle der Wohnung entnommen werden kann, wenn eine strömungstechnische Verbindung zum fensterlosen Bad/WC besteht. Genau das ist mit der „Zuluftleitung“ im Aufsatz gemeint. Die DIN 18017-3:2009-09 hat jedoch diese Möglichkeit nicht vorgesehen. Im neuen Entwurf DIN 18017-3:2019-03 wird jetzt die Zuluftleitung im Anwendungsbereich zwar erwähnt, aber im Abschnitt 5.2.1 praktisch wieder ausgeschlossen.

Im genannten Satz steht ODER für die Zuluftzufuhr über Öffnungen in den Außenwänden (ALD). D.h., ein Raumluftverbund muss in der Wohnung nicht bestehen. Über die Nachteile von ALD/ÜLD wurde im Aufsatz ausführlich informiert. Das Geruchsübertragungen in andere Räume der Nutzungseinheit vermieden werden sollten, steht auch in der DIN 1946-6, in der DIN 18017-3:2009-09 Abschnitt 4.5 und im Entwurf zur DIN 18017-3:2019-03 Abschnitt 5.5 „Werden außer Bädern und Toilettenräumen andere Räume an eine Entlüftungslage angeschlossen, so ist diese so herzustellen und zu betreiben, dass in die anderen Räume Gerüche und Staub nicht übertragen werden können.“. Andere Räume, die an der Entlüftungsanlage angeschlossen werden, sind m.E. die Zulufträume. Wenn der Ventilator nicht in Betrieb ist, ist entsprechend den Winddruckverhältnissen eine Übertragung wie bei der freien Lüftung nach DIN 1946-6 möglich.

Bezüglich der Verschließbarkeit von ALD ist anzumerken, dass nicht nur der Brandfall von Bedeutung ist. Durch die Unverschließbarkeit können auch unangenehme Gerüche von außen in die Wohnung gelangen. Z.B. wenn in der Umgebung gegrillt wird oder Autoabgase an stark befahrenen Straßen, Pollen, wenn der Winddruck Schornsteinabgase in die ALD befördert. Es kommt manchmal vor, dass ich Nachts nicht bei geöffnetem Fenster schlafen kann, weil Rauchgase aus unersichtlichen Orten eindringen würden. Wenn man dann die Außenluftzufuhr nicht unterbinden kann, ist das nicht zumutbar. Selbst bei Abschalten der Lüftungsanlage darf nicht vergessen werden, dass dann immer noch die freie Lüftung wirkt, welche größer sein kann, als die Undichtigkeiten in unsanierten Gebäuden. Ansonsten würde die freie Lüftung nach DIN 1946-6 nicht funktionieren.

Ein Normenausschuss (NA) darf sich nicht anmaßen, über das Selbstbestimmungsrecht der Bewohner hinwegzusetzen. Wenn die Lüftungsfunktion durch das Verschließen der ALD ausgesetzt wird, liegt das im Verantwortungsbereich des Bewohners. M.E. hat der NA der Industrie mit dieser Norm eine falschen Weg gewiesen. Wenn die Hersteller nun davon nicht abrücken wollen, ist das verständlich. Der Lüftungsplaner muss sich aber gut überlegen, ob er das Risiko von Beschwerden eingehen will.

Grundsätzlich sind auch planungsrechtliche Sachverhalte zu beachten. Wenn durch manuelle Fensterlüftung die Gerüche in der Wohnung verteilt werden, so liegt das nicht im Verantwortungsbereich des Planers, denn er hat hierfür keine Leistung geliefert. Wird aber z.B. ein ALD geplant und eingebaut, so steht er in der Haftung für eine ordnungsgemäße und sichere Funktion.

Datum: 05.03.2019 14:59:40

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