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Hat das Geschäftsmodell unabhängiger Energieberater überhaupt noch eine Chance?

Nach nun erfolgreich abgelegter Fortbildung und Schaffung der Voraussetzung zur Eintragung in die EEE-Liste für Beratung + Energieeffizient Bauen und Sanieren – Wohngebäude, stehe ich nun eigentlich unmittelbar vor dem Schritt in die Selbständigkeit.

Vor Beginn der Fortbildung war ich ehrlich gesagt noch sehr optimistisch im Hinblick auf eine Vollzeit-Selbständigkeit, mittlerweile ist meine Einstellung mehr und mehr getrübt.

Neben dem Energieausweis-Dumping im Internet habe ich gerade den "Gebäude-Check" als Beratungsangebot der Verbraucherzentralen entdeckt. Diesen für einen Kostenanteil von gerade einmal 20,-€ für den Kunden. Gibt es diese massiv vom BMWi geförderte Koorperation mit der Verbraucherzentrale schon lange? Obendrauf stoße ich während meiner Standortanalyse dann auch noch auf sogenannte Klimawerkstätten, die diese Billig-Energieberatung nicht nur massiv bewerben, sondern auch noch den eigentlichen Kostenanteil übernehmen.

Ohne nähere Kenntnis über den Ergebnisgehalt dieser Energieberatung stellt sich mir die Frage, wieviel Zukunft das Produkt Vor-Ort-Beratung mit einem Energieeffizienz-Experten bzw. der individuelle Sanierungsfahrplan hat? Mal abgesehen von der ohnehin schon aus meiner Sicht bedenklichen Tatsache der kürzlich Erweiterung des Beratermarkt. Hat sich dieses mittlerweile bei den hauptberuflichen Energieberatern bemerkbar gemacht?

Folglich stellt sich mein eigentliches Vorhaben, die Selbständigkeit als unabhängiger Energieberater, mehr und mehr in Frage. Was sind hier noch die Potentiale? Mittlerweile befürchte ich vergeblich tausende Euro in die Fortbildung investieren zu haben und bekomme jetzt kalte Füße, noch mehr tausende Euros in Software, Wärmebildkamera usw. zu investieren, um am Ende vielleicht ein unterdurchschnittliches Sachbearbeiter-Einkommen zu erwirtschaften.

Weder beim GIH noch DEN konnte ich betriebswirtschaftliche Daten zu Energieberaterunternehmen erhalten. Aus anderen Branchen kenne ich z.B. Betriebsvergleiche. Gibt es noch andere Verbände, auf die ich bisher nicht gekommen bin?

Auf welcher Grundlage soll ich eine realistische Rentabilitätsvorschau berechnen? Auch wenn mich nach wie vor das Thema begeistert, möchte ich und muss mit meiner verbleibenden Arbeitskraft auch noch einigermaßen anständig Verdienen und für den Ruhestand vorsorgen. Ist das als hauptberuflicher Energieberater möglich? Wer kann mir Rat geben? Woher erhalte ich belastbare Informationen? Was sind bei einer Existenzgründung heute die Potentiale?
Datum: 08.03.2018 00:09:32

Re: Hat das Geschäftsmodell unabhängiger Energieberater überhaupt noch eine Chance?

Sehr geehrter optirama,

Wie Sie schon selbst herausgefunden haben, gibt es verschiedene Märkte und Betätigungsfelder für Energieberater.

Nun müssen Sie also herausfinden, welcher Markt gesättigt ist und welcher nicht.

Und selbst wenn ein Markt anscheinend gesättigt ist, muss man sich doch fragen: wie kann ich selbst in einem gesättigten Markt mein Alleinstellungsmerkmal finden?

Finden Sie doch einmal heraus, wie Sie sich evtl. unterscheiden können von Verbraucherzentralen, Klimawerkstätten oder Billig-Energieberatung.

Vor allem müssen Sie herausfinden: Was will der Kunde ! Will dieser überhaupt eine Energieberatung? Oder will dieser evtl. "nur" billige Kredite für eine Sanierung?

Meine Erfahrung zeigt (also meine subjektive aber realistische Meinung): Energieberatung mit irgendwelchen mehrseitigen Analysen bringt überhaupt nichts. Konkrete Umsetzung von Sanierungen und Beantragung von Fördergeldern bringt sehr viel. Neubauten zu Effizienzhäusern bringt extrem viel Geld.

Hierzu muss man natürlich mal an die Kunden kommen.
Daher:
1. Gute Internet Seite
2. Gelbe Seiten und Telefonbucheinträge sind Geldverschwendung
3. Netzwerke bauen zu allen Gewerken !!!! (Heizungsinstallateure und Fensterbauer sind extrem wichtig, evtl. Maler und Dachdecher und Trockenbauer)
4. Bei allen Bauunternehmen vorsprechen und die Möglichkeit aufzeigen, KfW Effizienzhäuser zu bauen
5. Banken ansprechen, damit diese Sie als Energieberater empfehlen.
6. Bei Architekten vorsprechen

Dieses Vorgehen hat bei mir in den letzten 8 Jahren hervorragend funktioniert, so dass ich bestens davon leben kann und oft Aufträge ablehen muss, da ich zu 200% voll ausgelastet bin.

Und: Halten Sie Ihre Investitionen klein ! Kaufen Sie sich keine teuren Messgeräte wie Wärmebildkamera oder womöglich eine Blower Door Ausrüstung oder sonst was. Fürs erste tuts auch ein Temperatur- und Feuchtemessgerät.

Spezialdienstleistungen kaufen Sie besser ein (z.B. suchen Sie sich einen Spezialisten für Blower Door Messungen)

Software muss auch nicht sooo teuer sein. Machen Sie sich eine Tabelle mit allen Anbietern und vergleichen Sie Invest- und Wartungskosten (die "Pflegeverträge sind oft das teure an der Software!!!)

Bis das Geld fließt kann es natürlich ein wenig dauern.
Daher sollten Sie schon ein Polster haben. Insgesamt sollte man (auch meine persönliche Meinung) mind. 20k€ als Reserve auf dem Konto haben.

Schöne Grüße,
Sony Ony
Datum: 08.03.2018 08:10:50

Re: Hat das Geschäftsmodell unabhängiger Energieberater überhaupt noch eine Chance?

Hallo Sony Ony,

vielen herzlichen Dank für Ihre schnelle und ausführliche Antwort. Das unterstützt meine Marktanalyse und muntert wieder etwas auf.

Natürlich wäre ich noch an weiteren Meinungen, Erfahrungen und eventuellen Tipps brennend interessiert. Ich würde mich daher auf weitere Beiträge von anderen Forenteilnehmer sehr freuen.

Als zusätzliche Frage im Bezug auf den Auftragsüberschuss von Sony Ony:

Gibt es hierfür gut funktionierende Netzwerke bzw. Koordinierungsstellen, in der abgelehnte Aufträge vermittelt werden?
Vielleicht im Rahmen der Mitgliedschaften im GIH und oder DEN?

Viele Grüße
Optirama
Datum: 08.03.2018 09:58:28

Re: Hat das Geschäftsmodell unabhängiger Energieberater überhaupt noch eine Chance?

Hallo,

ich kann der Erfahrung nur zustimmen.
Der Kunde möchte keine vielseitige Analyse, sondern nur schnell einen KfW-Kredit.
Aus diesem Grund konnte ich in den letzten Jahre auch keine Vor-Ort Beratung gem. BAFA durchführen, was dazu geführt hat, nicht mehr in der BAFA-Liste zu sein.

Ich plane eher EnergieEffizienzhäuser und das ganze drumeherum mit der KfW.
Die erforderlichen Nachweise für den Energieeffizienzplaner sind da kein Problem, weil ich die für mich mache, bin da nicht auf den Kunden direkt angewiesen wie beim Beratungsbericht.
Vielen Kollegen geht es ähnlich, sodass sich die Zahl der Vor-Ort Berater stark reduziert hat.
Datum: 13.03.2018 11:48:34

Re: Hat das Geschäftsmodell unabhängiger Energieberater überhaupt noch eine Chance?

Sehr geehrter optirama,

Sony hat eigentlich schon die wesentlichen Krterien genannt. Es gibt nicht"den" Energieberater. Man muß sich erst einmal entscheiden, was man eigentlich will- Kühlschranklableableser, oder KMU Berater, um mal beide Extreme zu nennen. Dementsprechend muß man seine Kräfte auch ausrichten. Es werden immer Anfragen kommen, die man eigentlich nicht machen will, oder nicht machen kann. Somit ist Netzwerken wichtig und man kommt sicher für weiter gegebene Aufträge, oder Unteraufträge wieder mal einen zurück.

Es gibt schon verschiedene Untersuchungen, auch vom GEB, wieviel Prozent seines Einkommens ein Energieberater über diese Schiene verdient. Die wenigsten (<20%) haben ein Einkommen daraus zu 100%.

Fakt ist, Spezialisierung lohnt sich, und z.B. eine ordentliche Baubegleitung spricht sich nicht nur rum, sondern garantiert auch das Salär für die nächsten 2 Monate!

Damit sind wir schon beim wichtigsten Punkt! Was wollen Sie verdienen? Die letzte GEB Umfrage sagt, daß der Durchschnitt bei 60 bis 80€ liegt. Das ist natürlich abhängig von dem Gebiet wo man tätig ist und der Spezialisierung. Wir haben ausgehend von einem Nettogehalt von 1800€ durchgerechnet, daß dann mind. 60€ zu nehmen sind zzgl. Mwst. Nur so können sie auch eine geringe Altersabsicherung durchführen. Sie sollten aber ehr Richtung 70 bis 80€ tendieren und immer daran denken 2 Aufträge a 1000€ sind mind. doppelt so viel Streß wie für einen identischen Auftrag 2000€ kassieren, aber man hat die andere Hälfte der Zeit um sich um die Familie zu kümmern, oder Gedanken für neue Projekte zu machen.

Und wenn Sie dann noch Zeit haben, würden wir uns im GIH sehr freuen, wenn Sie aktiv mitarbeiten würden. So lernt man schneller, findet intensivere Kontakte und bekommt günstig Weiterbildungpunkte! Um nur wenige Vorteile zu nennen.

Konrad Nickel
Sprecher des Aufsichtsrates des GIH Bundesverbandes
Datum: 13.03.2018 15:06:00

Re: Hat das Geschäftsmodell unabhängiger Energieberater überhaupt noch eine Chance?

Sehr geehrter Herr Nickel, geehrte Forenteilnehmer,

erneut danke ich für die Teilnahme an meinem Thema. Toll würde ich es natürlich finden, wenn noch weitere ihre Erfahrungen dazu beitragen würden. Bisher lese ich heraus, dass das größte Potential eher in der KFW-Baubegleitung steckt.

Am Preisdumping ist mir überhaupt nicht gelegen, 60€-70€ die Stunde zzgl. MwSt. ist nach meiner persönlichen Meinung nach, angesichts der Anforderung an die Qualifizierung, eigentlich zu niedrig. Dieses hängt aber natürlich individuell an mehreren Faktoren wie Standort, betriebliche Fixkosten und dem gewünschten Unternehmerlohn nebst sozialer Absicherung inkl. der meiner Meinung nach sehr wichtigen Altersvorsorge ab.

Aufgrund persönlicher Umstände bin ich in der Standortwahl etwas flexibel. Für mich kommen das östliche Schleswig-Holstein, nördliche Niedersachsen sowie Rheinland und Ruhrgebiet in Frage. Obwohl ich mittelfristig eher meinen Lebensmittelpunkt im Norden sehe.

Vielleicht kann ich noch Forenteilnehmer aus diesen Regionen zum Beitrag motivieren, alle anderen sind natürlich weiterhin herzlich willkommen. Gerne konkretisiere ich nochmal meine weiterhin offenen Fragen:
- Inwiefern ist der Gebäude-Check der Verbraucherzentrale mit einer Bafa Vor-Ort-Beratung bzw. iSFP vergleichbar und wo sind die quantitativen und qualitativen Unterschiede?

- Einerseits soll auf „biegen und brechen“ die Anzahl des Förderprodukt Vor-Ort-Beratung/iSFP, sogar mit der umstrittenen Erweiterung des Beraterkreises, erhöht werden. Andererseits wird mit einen weiteren Förderprogramm eine Gebäude-Energieberatung nahezu zum Nulltarif geboten. Für die Beratungsempfänger ist hier doch eigentlich kein Unterschied zwischen den Beratungsangeboten erkenntlich. Aus meiner Sicht konkurrieren die Beratungsangebote mit jedoch einen gewaltigen preislichen Ungleichgewicht zum Nachteil des Bafa-Energieberater. Was sind die Hintergründe, welche Absicht wird mit dieser Förderpolitik verfolgt? Kann hierzu jemand etwas zur Aufklärung beitragen?

@ Herr Nickel,
gerne nehme ich Ihr Angebot an und freue mich, einen aktiven Beitrag zur Verbandstätigkeit in Zukunft zu leisten. Nach meinem ersten Eindruck, kann die Lobby der Energieberater Unterstützung gebrauchen.

Viele Grüße
optirama
Datum: 14.03.2018 13:44:11

Re: Hat das Geschäftsmodell unabhängiger Energieberater überhaupt noch eine Chance?

Ich bin Vorstandsmitglied im GIH Rhein-Ruhr (NRW). Gern können Sie einen Mitgliedsantrag bei uns stellen, wenn es Sie hierher zieht ;-) Aber das ist nicht der Grund meiner Antwort auf Ihren Beitrag, den ich eben erst im GEB gelesen habe.
Nach nun 13 Jahren mache ich zusammen mit einem Kollegen eigentlich alles an geförderten Beratungen in diesem Sektor - ein weiter Weg. Anfangs waren es vorwiegend VOBs, heute keine mehr. Hauptbetätigung sind KfW Baubegleitung und EBM sowie den sich daraus ergebenden Zusatzaufträgen für Unternehmen und Gebäude. Seit dem 3. Jahr kann ich gut davon leben. Heute liegt unser Stundensatz zwischen 100 und 125 € netto und wir haben so gut wie alles an Zulassungen, die aufvdem Gebiet relevant sind inkl. saSV SWS etc. Auch arbeite ich bei den Verbraucherzentralen BV und NRW mit und weiß, was sich hinter dem Gebäude-Check des BV verbirgt. Das ist mit einer VOB Bafa nicht vergleichbar. Sie sind 90 min beim Kunden und schreiben anschließend einen standardisierten Bericht in Formblätter. Das war's. Aber solche niederschwelligen Beratung sind gut um Potenziale des Kunden zu finden und ihm dann eine höherwertige nahezulegen. Wir haben auch eigene derartige Einstiegsprodukte entwickelt.
Haben Sie einfach keine Angst und entwickeln Sie Ihr Produktportfolio, Ihren Kundenstamm und Ihr Netzwerk. Gute Leute werden i. d. R. leicht von schlechten unterschieden. Die Kunden kommen über genannte Schienen, Empfehlungen, Netzwerke (!) und die einschlägigen Listen.
Viele Grüße
Michael Hesse

Datum: 08.04.2018 09:19:38

Re: Hat das Geschäftsmodell unabhängiger Energieberater überhaupt noch eine Chance?

@optirama

Das Problem ist, dass der Endkunde zwischen Billigberater und Trittbrettfahrer mit Verkaufsabsicht seines Handwerksproduktes und "echtem" BAFA-Berater nicht unterscheiden kann. Somit bleibt als Entscheidungsmerkmal nur der Preis des Angebotes und dabei wäre es genau falsch auf den Dumpingzug aufzuspringen. Wenn bei mir ein Kunde rumquakt ich sei zu teuer dann sage ich Ihme : Kein Problem, nehmen sie die Billigvariante, ich saniere dann in 3 Jahren Ihren Bauschaden, viel Erfolg. Für die Selbstdarstellung habe ich das Portal "Energieberater-Suche" unter http://www.energieberater-suche.de programmiert, darin können sich Kollegen mit detaillierter Darstellung von Zertifizierung, Zulassung und Tätigkeitsschwerpunkt darstellen.
Für eine Auskömmlichkeit einer Beratungstätigkeit geht nur Qualität vor Masse.
Viel Erfolg !
Datum: 12.06.2018 11:30:05

Re: Hat das Geschäftsmodell unabhängiger Energieberater überhaupt noch eine Chance?

@C.Heidrich: Also bitte, hier ist keine Werbeplattform für Ihre eigene Webseite !
Datum: 13.06.2018 07:43:22

@SonyOny

...mein Portal http://www.energieberater-suche.de ist nicht "meine" Webseite, sondern eine Webseite zur Darstellung von Qualifikation, Zertifizierung und Art der Zulassung für Energieberatungskollegen. Leider sind viele Energieberater nicht ordentlich vernetzt und haben Schwierigkeiten Ihre Aussendarstellung endkundentauglich darzustellen.
Datum: 26.06.2018 09:24:27

Re: Hat das Geschäftsmodell unabhängiger Energieberater überhaupt noch eine Chance?

Selbstverständlich, allerdings sollte man sich hierbei von der rein formularausfüllenden Masse deutlich abheben können/wollen.
Als fachlich inkompetenter Verkäufer/Formularausfüller sind die Erfolge stets nur kurzfristig, nicht dauerhaft und nachhaltig.

 

Datum: 18.09.2018 15:01:44

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