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Zusammenhänge zwischen Schimmelpilz, Raumluftfeuchte und Krankheit

Bewohner schimmelbefallener Häuser sind einem erhöhten Risiko für Asthma, Allergien und Atemwegs-Erkrankungen ausgesetzt. Dr. med. Walter Hugentobler begründet im GEB 09-2017, warum einige der Strategien, die zur Schimmelvorbeugung eingesetzt werden, im Hinblick auf die Gesundheit nicht zu empfehlen sind. Er setzt sich für eine Schimmel-Prävention ein, die die Gesundheitsansprüche der Gebäudenutzer respektiert und in erster Linie auf eine optimale Dämmung der Gebäudehülle setzt. Wie sind Ihre Erfahrungen? Welcher Haltung zum Dämmen begegnen Sie bei Ihren Kunden? Wie überzeugen Sie sie, dass eine fachgerecht ausgeführte Dämmung nicht nur zur Energieeinsparung beiträgt und den Komfort verbessert, sondern auch Feuchteschäden vorbeugt?

Datum: 28.08.2017 10:47:22

Re: Zusammenhänge zwischen Schimmelpilz, Raumluftfeuchte und Krankheit

Die Problemlage Schimmel mit Dämmung zu bekämpfen ist der Versuch, alle Probleme als Nagel zu betrachten, weil ich nur einen Hammer als Werkzeug zur Verfügung habe.
Leider ist der Schimmel cleverer- er lebt ja auch schon länger als wir.
Lösung bietet nur das Dreieck: Material-Lüftung-Bauteiltemperatur.
Da gibt es Lösungen, die über Jahre halten und auch das Verhalten der Bewohner (bis zu einem bestimmten Grad) kompensieren können. Nach der Feststellung "Sie haben Schimmel hinter der Küche auf der Ostseite des Hauses", dann die Lösung zu vertreten "Nun tackern wir erstmal 16 cm Styropor um die Hütte- und hoffen dann, dass die Oberflächentemperatur von ca 16°C hinter der Küchenzeile nicht unterschritten wird" - ist eine Lösung, die nur für bestimmte Gewerke-Anbieter eine lukrative ist. Leider sind die "Wohnsysteme" so sensibel geworden, dass schon die Umstellung auf LED-Beleuchtung als Auslöser ausreichen kann.
Datum: 05.09.2017 12:38:56

Re: Zusammenhänge zwischen Schimmelpilz, Raumluftfeuchte und Krankheit

Grundsätzlich stimme ich zu. Nur durch eine genaue Betrachtung (wärmebrückenberechnung, WUFI-Simulation incl Feuchteeinträge aus Infiltration, Lüftungsbewertung, Materialeigenschaften bez. Nährboden etc etc.....) kann man eine wirksame Lösung finden. Oft das größte Problem ist aber, dem Nutzer verständlich zu machen, wie das System hinsichtlich Heizung und Lüftung reagiert - oft erinnert diese Arbeit an die Bemühungen Don Quixotes bei den Windmühlen......
Im Zweifel immer DaU-gerecht planen ;-)
Datum: 06.09.2017 11:18:06

Re: Zusammenhänge zwischen Schimmelpilz, Raumluftfeuchte und Krankheit

Ich denke, dass das Ganze einfach zu kompliziert wird. Klar ist, dass ich ca. 16°C hinter dem Kleiderschrank auf der Nordseite benötige (beim sommerlichen Kondensatausfall auch mehr). Wenn ich das weiss, dann kann ich das auch sicherstellen und dort gezielt temperieren. Assistenz durch Technik.
Dann bin aus dem Bereich Glaube-Hoffnung-Liebe raus und bin sicher, dass der Taupunkt nicht unterschritten wird. Und- es beginnt ein Trocknungsprozess der Bausubstanz mit den entsprechenden positiven Effekten. Wenn das Kind im Brunnen ist, muss es erst wieder befreit werden- sprich: Qualifizierte Schimmelsanierung und das magische Dreieck umsetzen: Material-Lüftung-Temperieren oberhalb vom Taupunkt und möglichst unterhalb vom DAU ;). Wobei es für den Verbraucher immer schwieriger wird das Richtige zu tun: Vinyltapeten, Styropor Tapete, U-Boot geeignete Fenster etc.
Datum: 07.09.2017 09:53:11

Re: Zusammenhänge zwischen Schimmelpilz, Raumluftfeuchte und Krankheit

GEB-Leser Jörg Klaus hat Herrn Dr. Hugentobler um eine Erläuterung zur Voraussetzung für Schimmelwachstum gebeten:

"Sehr geehrter Herr Dr. Hugentobler,

mit großem Interesse habe ich Ihren Artikel "Schimmel braucht Wasser, keine Luftfeuchtigkeit" im Gebäudeenergieberater 09 2017 gelesen. Dabei wurde mein Hochgefühl, "Ja, jetzt habe ich es verstanden", jäh wieder vom Gegenteil abgelöst. Vielleicht können Sie mein Dilemma mit einer kurzen Erklärung auflösen.

Sie schreiben: "Pilze können kein Wasser aus der Luft aufnehmen. Sie sind vom verfügbaren Wasser in ihrem Nährsubstrat abhängig."

Alles klar, denke ich mir, der Pilz kann die in der Luft enthaltene Feuchte erst dann für sich nutzen, wenn sie kondensiert ist.

Doch ein paar Zeilen weiter heißt es: "Für Schimmelpilzwachstum ist Kondensation gar nicht erforderlich. Bereits bei einer relativen Feuchte von über 80 % in der Grenzschicht der Luft zur Gebäudehülle ist dort genug Wasser verfügbar."

Diese beiden Aussagen passen für mich nicht zusammen. Vor allem scheint mir die zweite sogar die Überschrift des Artikels zu konterkarieren. Es wäre nett, wenn Sie mir einen Hinweis geben könnten, wo mein Denkfehler liegt.

Mit freundlichen Grüßen

Jörg Klaus"

Datum: 20.09.2017 11:30:48

Re: Zusammenhänge zwischen Schimmelpilz, Raumluftfeuchte und Krankheit

Die Antwort von Herrn Dr. Hugentobler:

"Sehr geehrter Herr Klaus,

Ihre Frage ist sehr wohl angebracht und ich begreife, dass Sie sogar einen Widerspruch zwischen der Titel-Aussage und der Aussage zur Wasser-Kondensation vermuten konnten.

Die Antwort auf Ihre Frage ist aus der Abbildung 2 (Seite 29) ersichtlich. Ich bin aber an dieser Stelle nicht weiter auf den nicht ganz einfachen physikalischen Hintergrund eingegangen. Wasser in und auf Materialien ist komplizierter und schwieriger zu verstehen, als wir auf Anhieb annehmen.

Kondensation, das heißt sichtbares Wasser auf einer Materialoberfläche, z.B. einer Glasscheibe, setzt 100 % Luftfeuchtigkeit voraus. Diese 100 % sind dann gegeben, wenn die Oberflächentemperatur der Glasscheibe die Taupunkttemperatur erreicht oder unterschreitet. Dabei kann die Raumluftfeuchte eine deutlich tiefere Feuchtigkeit aufweisen. Da das Glas aber nicht porös ist und auch kein Nährstoffangebot aufweist, kann der Pilz hier nicht wachsen, obwohl flüssiges und verfügbares Wasser vorhanden ist.

Die Wasseraufnahme (Sorption) in porösen Materialien (Holz, Tapeten, Textilien, Backstein, Mörtel etc.) geschieht kontinuierlich ansteigend bei fallender Materialtemperatur oder steigender Luftfeuchtigkeit und entspricht weitgehend der Gleichgewichtsfeuchte die sich bei einer bestimmten relativen Feuchte über dem Material einstellt. Das in den Poren/Kapillaren des Materials gespeicherte, ungebundene Wasser wird als Wasseraktivität aw bezeichnet und entspricht bei 80 % relativer Feuchte dem Wert aw 0,8. Wenn die Wasseraktivität 0,8 oder größer ist, kann Pilzwachstum einsetzen, auch wenn die Taupunkttemperatur auf der Materialoberfläche noch nicht erreicht ist und damit auch noch keine Kondensation möglich ist.

Ein Teil des in porösem Material vorhandenen Wassers ist für den Pilz nicht nutzbar, da es gebunden ist. Dies macht die Situation noch komplizierter. Wir viel Wasser als „aktives Wasser = Wasseraktivität“ für den Pilz verfügbar ist, hängt von diversen Materialeigenschaften ab, so auch von der Porengröße, der Geometrie der Kapillaren und dem Salzgehalt. In der letzten Grafik habe ich diese Zusammenhänge versucht darzustellen.

Wir können die Wasseraktivität bis heute in harten Materialien (z.B. Baumaterialen) nicht direkt messen. In der Nahrungsmittelherstellung hingegen spielt die Wasseraktivität eine große Rolle für die Haltbarkeit und kann hier auch mit Sonden direkt  gemessen werden.

Auf einen kurzen Nenner gebracht besteht die Antwort auf ihre Nachfrage darin, dass in porösen Materialen, die als Nährsubstrat für den Pilz in Frage kommen, freies Wasser vorhanden ist, auch wenn noch keine Kondensation möglich ist.

Ich hoffe, dass die untenstehenden Grafiken Ihnen weiter beim Verständnis helfen.

Mit freundlichen Grüßen
Walter Hugentobler"

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Datum: 20.09.2017 11:50:39

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