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Meinungen zur Richtlinienänderung für die geförderte Energieberatung

Mit zwei neuen Richtlinien, die zum 1. Dezember 2017 in Kraft treten, wird der Kreis der antragsberechtigten Energieberater in den Beratungsfeldern Wohngebäude und mittelständische Unternehmen erweitert. Eine Energieberatung innerhalb dieser Förderprogramme kann dann jeder ausführen, der die geforderte Qualifikation als Energieberater vorweist, eine objektive und neutrale Energieberatung durchführt und dafür die Haftung übernimmt. Bisher war die personenbezogene unabhängige Energieberatung erforderlich.

Im Beitrag „Mehr qualifizierte Beratung“, der im GEB 11/12-2017 erscheint, lesen Sie mehr zu den Hintergründen und welche weiteren Änderungen die neuen Richtlinien mit sich bringen, außerdem ein Interview mit Thorsten Herdan, Abteilungsleiter Energiepolitik - Wärme und Effizienz im BMWi. Der Beitrag wird Ihnen hier zur Verfügung gestellt:

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Wie ist Ihre Meinung zu den Änderungen? Diskutieren Sie hier mit.

Datum: 07.11.2017 06:27:11

Das wars !

Mit der Aufweichung der Neutralität wurde soeben das Ende der qualitativ hochwertigen und neutralen Energieberatung beschlossen. Mit dem Wegfall der Neutralität übernimmt die umsatzgetriebene "Zweckberatung" mit dem Ziel einen Folgeauftrag (natürlich des eigenen Gewerkes) an Land zu ziehen. Und wenn Energieversorger auch noch "beraten" dürfen ist der Ofen ganz aus, da Energieversorger überhaupt kein Interesse an sparsamen Gebäuden haben, Sie müssen Energieträger verkaufen und die Marge ist eh schon zu gering.
Die Forderung nach "mehr qualifizierter Beratung" wird durch diese Herangehensweise nicht erfüllt werden. Die Energieberatung wird nur noch als schnödes Aquieseinstrument zum Produktverkauf, Danke, das wars, ich werd' dann wohl in Zukunft mehr als Bausachverständiger arbeiten....
Datum: 07.11.2017 08:59:43

Zusammenhang Ölpreis...

....hat mal irgendjemand im BmWi den Zusammenhang zwischen Energieberatungsantragszahlen und Ölpreis beachtet ? 2009 stand der Ölpreis bei fast 1 EUR/Liter, die Notwendigkeit zum sparen war aufgrund des äußeren Drucks gegeben und fand gemessen nach Energieberatungsantragszahlen auch statt. Dann kam die Krise, die Ölpreise verfielen und schlagartig brauch auch der Wille zum sparen wieder ein. Die Generation die momentan in den zu sanierenden Wohngebäuden wohnt hat überhaupt kein Interesse am Thema Nachhaltigkeit und Effizienz, schliesslich betrifft es Sie nicht (mehr) und demnach findet keine Sanierung statt...
Datum: 07.11.2017 09:36:20

Re: Zusammenhang Ölpreis...

Volle Zustimmung! Auche meine Erfahrung aus 20 Jahren Beratungspraxis!
Datum: 07.11.2017 09:38:57

Menschenschutz

Wir müssen endlich begreifen, dass es hier nicht mehr "nur" um Klima- oder Umweltschutz geht, sondern inzwischen um Menschenschutz. Der Natur ist es gleich ob hier eine Pflanze und dort ein Tier ausstirbt. In einer Million Jahren hat sich sowieso wieder alles irgendwie ausgeglichen. Da ist es zwar nett, dass der WWF um jeden einzelnen Tiger kämpft aber darum geht es schon lange nicht mehr. Es geht die Lebensgrundlage für den Menschen verloren.

Und diese Situation hat ein Großteil der Bevölkerung noch nicht begriffen oder will es einfach nicht. Noch sind ja die Auswirkungen des Klimas nicht deutlich genug, bei uns hier zumindest. In den Alpen sieht das bestimmt schon der ein oder andere anders, wenn sein Haus von einer Gerölllawine begraben wird.

Leider hält sich die Politik zurück umzusteuern. Es werden langfristige Ziele gesteckt (2050 ist noch weit weg). Dadurch ist auch im Moment weniger Handlungsbedarf. Und was passiert? Wir sehen es gerade am Ziel 2020. Kann nicht eingehalten werden. Naja...

Ich befürchte, dass keine Partei mutig genug ist, grundlegend etwas zu ändern. Bei der Flüchtlingspolitik ist es ähnlich. An die Ursachen will hier auch keiner ran. Erst die Länder ausbluten und sich dann wundern, wenn die armen Menschen von dort zu uns kommen.

Neben der ganzen Umweltvergiftung ist das Hauptthema klar die CO2-Problematik. Hier muss der Ausstoß drastisch reduziert werden. Wind, Sonne, Wasser, Geothermie sind hier die wichtigsten Energiequellen und nicht Holz (Pellets). Diese erzeugen noch mehr CO2 als Heizöl! Uns hilft keine Holzkreislaufwirtschaft, die erst aufgebaut werden muss. Wir brauchen die Bäume jetzt im Wald, damit sie das CO2 binden.

Und wo soll dann die große Menge an Energie herkommen, die wir brauchen, zum Heizen, für Verkehr und Industrie. Lässt sich dies alles regenerativ erzeugen? Seien wir ehrlich. Dies ist nicht möglich. Nicht bei den Energiemengen, die wir zur Zeit verbrauchen. Deshalb geistert auch immer häufiger der Begriff "Suffizienz" durch die Fachwelt. Wir müssen uns wieder einschränken.

Bei meinen Beratungen treffe ich diesbezüglich häufig auf Erstaunen. Ich lasse nämlich diesen Aspekt immer wieder einfließen. Es gibt doch noch Hausbesitzer, die eine Sanierung durchführen wollen, da ihnen die Energiekosten zu hoch sind. Wenn sie dann über eine Fassadendämmung für 20.000 € nachdenken und dann "nur" 20% einsparen zeige ich gerne die Alternative auf, wie sie ohne Investitionskosten Energie sparen, z.B. einfach einen Raum weniger heizen. Oder auf eine Flugreise verzichten. Und schnell entsteht das Bewusstsein, dass unsere Probleme mit Energie und Klima nur aufgrund unseres ungezügelten Verhaltens entstehen.

Wir Deutsche neigen dazu, Probleme technisch anzugehen, sprich durch "Effizienz". Ich bin aber davon überzeugt, dass wir endlich von unserem hohen Konsumross herunter müssen.

(sorry, hat nichts mit dem ursprünglichen Energieberater-Thema zu tun, wollte es aber nur mal sagen.)

Datum: 08.11.2017 09:18:03

Re: Meinungen zur Richtlinienänderung für die geförderte Energieberatung

die Einschränkung, dass nur noch Energieberater die in der DENA-Liste aufgenommen sind Förderanträge erstellen können ist eines der größten Hemnisse, dass man sich für die ENERGIEEFFIZIENZ engagiert.

Der zweite große Stolperstein ist die aufgeblähte Förderstruktur der KfW, BAFA, .....und evtl. Länder-Förderungen.....

Warum geht man nicht den einfachen Weg für die Kunden und löst den Knoten durch steuerliche Angebote?

§7b oder 10 e haben nachgewiesenermaßen langfristig und nachhaltig gewirkt.
Datum: 07.11.2017 10:53:17

"Die Schlacht am kalten Buffet" - und Generalwissen

Es tut gut, zu wissen, dass unsere Energieversorger mit unseren Energiekosten uns auch noch unsere Aufträge in der Energieberatung schmälern.
Und es tut gut, zu wissen, dass man nun auch mit einem "Generalwissen" seine handwerkliche Auftragslage "falls die Auftragsbücher nicht eh schon voll sind" verbessern kann.
Wichtig ist, dass sowohl der Eine als auch der Andere nicht unbedingt davon existieren muß und dass da "ALLES" neutral abläuft.
Ich denke es steigen dadurch nicht die Beratungstermine in die Höhe, sondern es fallen eher die Beratungshonorare in die Tiefe.
Wozu war nochmals die Neutralität in den BAFA-Richtlinien so wichtig? Und wozu der Aufwand der Qualitätskontrolle beim BAFA-Bericht?
Datum: 07.11.2017 13:11:24

nun ist es soweit

Wer glaubt, die Energieberatungsquote mit mehr Energieberatern aus Handwerk und Energieversorgung in einem begrenzten Markt in dem für den zahlenden Akteur kein zwingender akuter Handlungsbedarf besteht erhöhen zu können, glaubt auch, dass mit noch mehr Autos auf der Straße und noch mehr Flugzeugen in der Luft der Umwelt und den dazwischen lebenden Menschen einen Gefallen getan wird.

Der Energieberatungsmarkt wird begrenzt durch das zur Verfügung stehende Kapital der Bauherrschaft sowie deren Willigkeit überhaupt in die Gebäude zu investieren und Beratung anzunehmen. In Mietobjekte gebietet die Wirtschaftlickeit, dass nie mehr Geld als nötig investiert wird. Energetische Sanierungen erfolgen hier dann, wenn die Vermietbarkeit gefährdet oder eine Mietpreissteigerung nach Sanierung möglich erscheint. Bei Wohneigentum spielt zudem die weitere angedachte Nutzung des Objekts eine wesentliche Rolle. Die Bauherren haben zumeist keine zeitliche Not, solange es nicht rein regnet und das menschgemachte milde Winterwetter und niedrige Energiepreise die Kosten im Zaum halten.
Bei vielen älteren Objekten ist zudem die Nutzung aufgrund einer ungünstigen Raumaufteilung oder einer schlechten Bausubstanz mitunter nicht ohne einen erheblichen baulichen und finanziellen Aufwand auf ein zeitgemäßes Niveau möglich. Ein Ersatzgebäude wäre dann meist günstiger, aber gerade ältere Eigentümer hängen emotional doch sehr an ihrem Haus, haben nur kleine Renten oder die Nachfolge ist nicht gesichert, weshalb eine Sanierung/ein Neubau dann meist aufgeschoben wird. Für Nachfolger spielen auch die lokale Arbeitsmarktsituation, die regional begrenzten Einkommensmöglichkeiten und ein zunehmend fehlender familiärer Zusammenhalt eine große Rolle.

Förderprogramme nutzen daher nur den Bauherren, die sowieso von Haus aus die Möglichkeiten und das Geld für eine Sanierung/einen Neubau haben. Der Energieberatungsbereich ist somit im Wesentlichen auf Besserverdiener begrenzt. Diese hypen ihr Leben jedoch nicht im Einfamilienhaus mit Garten auf dem Land sondern meist in Eigentumswohnungen in der Stadt. Der ländliche Bereich mit seinem hohem Sanierungsrückstau verfällt so mehr und mehr und in den Städten herrscht Wohnungsnot.

Der unabhängige kleinteilige und mühsehlige Energieberatungsmarkt der im Sinne der Bauschadensfreiheit, Wirtschaftlichkeit und des Umweltschutzes für die Bauherrschaft tätig ist, ist da für entsprechende Interessensgruppen schon lange ein ehr störendes Element. Für Verkäufer, Makler, Banken, aber auch für ausführende Unternehmen ist eine neutrale Energieberatung bei der man in wichtigen Entscheidungsprozessen oft "den Finger in die Wunde legt" ein lästiges, gar hemmendes Instrument. Sprich: Energieberater werden dort nur dann gerne von vorne gesehen, wenn es um Förderanträge geht, in allen anderen Fällen stören sie nur.

Die Öffnung des Energieberatungsmarktes kommt somit zur COP23 nicht von ungefähr. Man braucht schließlich auf dem internationalen Parkett etwas zum Vorzeigen. Etwas, was später problemlos beseitigt werden kann. Etwas, was nicht allzuweh tut, wenn nichts draus wird; situationsbezogener Aktionismus statt maßvollem, überlegtem Handeln und das noch auf Kosten von selbstständigen Bundesbürgern die bislang zu hohen Steuereinnahmen beigetragen hatten! Ein (fast) perfekter Plan ohne Spuren für die damit angestoßene Marktbereinigung zu hinterlassen.

Es ist daher verständlich, dass unsere fremdgesteuerte Politik in diesem Land nicht im Sinne der Bürger sondern nur im Sinne von international agierenden Banken und Konzernen handelt und kein Ausweg aus dem Sanierungsdilemma finden will und darf.
Die etablierte Politik hat erkennbar wenig Interesse an dem Ast auf dem sie sitzt zu sägen. Energie ist eine der wesentlichen Säulen der Macht und Steuereinnahmen daraus erbringen Jahr für Jahr einen Großteil der bundesdeutschen Haushaltseinkünfte. Eine Verringerung fossiler Energiemengen bedeute eine Verringerung von Steuereinnahmen. Die verfügbaren Ersatztechnologien sind dagegen bei voller Potentialausschöpfung zu Energieeffizient und würden bei einem zu raschen Wechsel die Steuereinnahmen drastisch einbrechen lassen. Am besten bleibt daher alles beim Alten... "ist halt alternativlos".
Eine zu schnelle Reduzierung des Energieverbrauchs würde einer politischen Kehrtwende in laufenden politischen und gesellschaftlichen Transformationsprozessen bedeuten, ja würde gar einer Entmachtung gleichkommen und den Geldabfluss zu Konzernen und Banken empfindlich stören.

Eine Anhebung von Subventionen wie auch der Energieberaterzahl zum erreichen der Klimaziele ist daher Augenwischerei und soll lediglich den Markt ruhig halten. Wer will und das nötige Geld hat, kann jederzeit sanieren und tut es oft auch.

Nach meiner Einschätzung (ich bin seit 2004 in diesem Bereich tätig), lässt sich die Sanierungsquote ausschließlich dann nachhaltig verbessern, wenn sich für Bauherren eine wirtschaftliche und gesetzliche Notwendigkeit ergibt und mehr Geld durch eine moderate Steuer- und Beschäftigungspolitik bei den Bürgern bleibt. Ein wesentlicher Trigger für mehr Sanierungsanstrengungen sind auch die gefühlten Energiekosten. Steigende Spritpreise bei zeitgleich auskömmlichen Gehältern haben in der Vergangenheit oft als Anreiz zu deutlich erhöhten Sanierungsbemühungen geführt. Die Menschen sahen ein, dass Energie endlich ist und hatten zeitgleich Geld um Maßnahmen anzugehen.
Subventionen hingegen waren nur sehr selten Auslöser für mehr Quote. Mehr noch: Es gibt viele Bauherren, die bis zum Sankt Nimmerleinstag darauf warten, dass die Fördermittel "noch besser" werden und dann den Zug verpassen oder nie aufspringen. Geiz ist halt Geil!
Auch gibt es nicht wenige Bauherren, die nicht verstehen, dass neutrale Beratung für sie einen Vorteil darstellt, viel Arbeit damit verbunden ist und diese Arbeit auskömmlich bezahlt werden muss.

Ich gratuliere dazu, dass man genau diese beratungsresistenten Personengruppen nun mit der Öffnung des Energieberatungsmarktes erschlossen hat.

Wirklich wirksame Instrumente wären:
- Umsetzung bestehender Gesetze und Verordnungen
- kurzfristiges Verbot fossiler Energieformen für Neubauten und bei Sanierung
- Pflicht zur Abwärmenutzung
- Steuervergünstigungen für Investitionen in Eigentum statt Umverteilung in Form von Subventionen an Investoren
- Stärkung und Freigabe des Berufsbilds "unabhängiger Energieberater"
- Generalüberholung des Themas "Energieausweis" als zukünftiges Instrument zur Identifizierung des Sanierungsstaus von Objekten
- Bildungsanstrengungen zu einem nachhaltigen Umgang mit der Umwelt (insbesondere Mensch und Tier)
- Pflicht zur Nachrüstung von Abgasreinigungstechnik von Holzfeuerstätten
- Besteuerung von Energieformen wie Flugkraftstoffen
- Verbot von umweltzerstörenden, regenerativen Energieformen (z.B. Palmöl, Holz aus Wäldern ohne Wiederaufforstung, etc.)

Für kleine Energieberatungsbüros ist die Öffnung des Marktes der Dolchstoß ihres Geschäftsmodells. Nach meiner Einschätzung wird die Marktöffnung nun kurzfristig zu einer deutlichen Verringerung der Energieberaterzahl führen. War die Auftragslage bislang eher mäßig und nicht von Kontinuität geprägt, wird sie nun unkalkulierbar und existenzzerstörend. Kein Wunder also, dass mehr und mehr Energieberater in den letzten Monaten den Betrieb eingestellt haben und sich dieser Trend nun beschleunigen wird.

Insgesamt sehe ich hier im Zusammenhang mit dem noch ausstehenden Freihandelsabkommen für Dienstleistungen die Weiterentwicklung zur internationalen Ausschöpfung des deutschen Standorts. Unter Berücksichtigung der bis 2025 prognostizierten Einwohnerzahlen ergeben sich hier noch ganz andere Denkansätze.
Datum: 07.11.2017 15:02:22

Statt mehr BeraterINNEn, höhere Förderung

Na dann Prost Mahlzeit! Tolle Entscheidung!
Ich habe ein Produkt und genügend Verkäufer im Land, die nicht unter Auftragsflut ersticken und auch nicht gerade reich wurden durch mein Produkt.

Die Nachfrage ist gesunken. Was tue ich?
Ich rekrutiere doppelt so viele Verkäufer, die mich ja kein Geld kosten, dann wollen bestimmt mehr Kunden mein Produkt.
Suuuper Management!!!

Einfache Lösung für mehr Aufträge: Mehr und gute Werbung und runter mit dem Preis.

Heißt: Förderung bei Wohngebäuden gleich wie bei NWG, 80 %.
Dann bewegt sich auch wieder was.
Datum: 09.11.2017 15:08:55

Re: Meinungen zur Richtlinienänderung für die geförderte Energieberatung

Nach meinem Wissen erhalten die meisten Handwerker Ihren Grundrabatt beim Lieferanten über die Menge. Das wird in der Regel pro Jahr neu bewertet. Damit liegt meiner Meinung nach eine Provisionierung vor. Der Beratungsempfänger kann nur der Verlierer sein, so wie auch wir unabhängigen Energieberater. Gewinner sind eindeutig die Handwerkslobby und die Energieversorger.
Die Überlegung kann jetzt sein, mich von einem Energieversorger anheuern zu lassen........................

Datum: 21.11.2017 11:59:13

Re: Meinungen zur Richtlinienänderung für die geförderte Energieberatung

Ziel der Erweiterung ist die Beratungszahlen zu steigern nach dem Motto "Masse statt Klasse". Neben der Fähigkeit ein Beratungsergebnis zu erzeugen gilt es auch dies vermitteln zu können. Um die Schwelle zu senken wird der Versuch unternommen über mehr Berater und einen so genannten "Individuellen Sanierungsfahrplan" ein Beratungs-Instrument zu installieren und es "in den Markt zu drücken". Es soll einerseits dem Berater, (der auch zum Kästchen-Ausfüller degenerieren kann) ein einheitliches Tool sein, andererseits (vermute ich) soll es dazu dienen, die finalen Ergebnisse einer Sanierung, die vielleicht erst in 14 abgeschlossen sein wird (wenn überhaupt) schon heute hochzurechnen und als Erreichen der Klimaschutzziele zu betrachten. Zu einer qualifizierten Bertung gehört meiner Meinung nach eher die Gegenüberstellung verschiedener Formen der Energienutzung (auch vordem Hintergrund der Förderfähigkeit) als der unsinnige Versuch "geldwerten Vorteil" über 14 Jahre hochzurechnen. Das gibt der Sanierungsfahrplan auch nicht her wenn er verbreitet wird. Mit der Steigerung der Beraterzahlen wird ein mögliches Accquiseinstrument für Interessenvertreter gefördert, bei dem die Qualität auf der Strecke zu bleiben droht. Wieso muß ich immer an "DES KAISERS NEUE KLEIDER" denken? Wir wissen heute garnicht nicht wie "wertvoll" die eingesparte Energie ist. Nie war sie so wertvoll wie Morgen.....

Mit freundlichen Grüßen an alle Kollegen, die es ernst meinen!
Datum: 21.11.2017 18:04:54

Re: Meinungen zur Richtlinienänderung für die geförderte Energieberatung

Liebe Kolleginnen und Kollegen, 

ab 01.12.2017 soll der Beraterkreis ohne Not deutlich erweitert werden. Das führt aus meiner Sicht vor allem wegen der Zulassung von Energieversorgern und Herstellern zu einer spürbaren Einschränkung der Beratungsneutralität und zur Fehlleitung von Steuergeldern bei gleichzeitiger Einschränkung des Verbraucherschutzes. Aus diesen Gründen habe ich nachfolgendes Schreiben an den „Bund der Steuerzahler“ (r.holznagel@steuerzahler.de) und den "Bundesrechnungsho" (poststelle@brh.bund.de) geschickt, sicherlich gibt es noch mehr gute Adressen an die das Schreiben gerichtet werden kann. Über eine weitere Verteilung wird vielleicht etwas Bewegung in die Sache kommen, deshalb fände ich es toll, wenn Sie diesen oder einen ähnlichen Text an Stellen wie z.B. info@energieverbraucher.de , buergerreferat@bmf.bund.de Abgeordnete usw. senden würden.

Eine schönes Wochenende und eine besinnliche Vorweihnachtszeit wünscht
Marc Fliesenberg

 

Sehr geehrte Damen und Herren, 

wie im Bundesanzeiger am 07.11.2017 hier bekanntgegeben, wird es zum 01. Dezember 2017 zu einer wesentlichen Änderung bei den mit 60 bis 80% bezuschussten Energieeffizienz-Beratungsprogrammen des Bundes kommen.

Bis dato wurde die Energieberatung von Wohngebäudeeigentümern und kleinen bis mittleren Unternehmen (KMU) durch Zuschüsse auf das Beraterhonorar von 60 bis 80% über das BAFA (Behörde des BMWi) über die Programme VOB und EBM gefördert. Diese Förderung von Beratungen, die zurzeit noch ausschließlich von neutralen und unabhängigen Beratern durchgeführt wird, ist angebracht um Anreize zur Potenzialermittlung hinsichtlich möglicher Effizienzsteigerungen zu geben.

Die bislang zugelassenen Berater sind ausschließlich freie und eigenständige Experten, die in Bezug auf Energieträger- oder Produkt-Verkauf als völlig unabhängige und neutrale Berater am freien Markt tätig sind. Vor dem Hintergrund, dass das Beratungshonorar für gut geschulte Ingenieure bei ca. 80 bis 130 €/h liegt ist die Beratungsförderung aufgrund des hohen und sehr individuellen Beratungsbedarfs hilfreich und notwendig um bei Privatleuten und KMU die Kostenschwelle als Hemmnis abzusenken.

Eine sinnvolle Beratung muss hochwertig, produktneutral, unabhängig von Folgeaufträgen und provisionsfrei sein. Dadurch wird sie entsprechend teuer; denn sie soll die Effizienzpotenziale möglichst umfassend aufdecken. Darum ist eine Bezuschussung nur von völlig unabhängigen Beratungsleistungen wichtig. Dies zeigen auch einige Studien der letzten Jahre, z. B. vom BfEE , Fraunhofer ISI , Wüstenrot Stiftung oder Evaluation EBM u.v.m. Wichtiges Kriterium war dabei sowohl aus Sicht der Beratungsempfänger als auch aus Sicht der Zuschussgeber immer die Neutralität der Berater.

Weshalb nun Energieversorger, also Verkäufer von Energieträgern, und Hersteller, also Verkäufer von Produkten, staatlich subventionierte Beratungen durchführen sollen ist vor diesem Hintergrund nicht nachvollziehbar und aus meiner Sicht eine vollkommene Fehlleitung von Steuergeldern und damit Verschwendung unseres Gemeinschaftseigentums. Warum sollte ein Beratungsempfänger eine mit seinen eigenen Steuergeldern subventionierte Beratung eines Energieversorgers oder Herstellers beanspruchen dürfen, für den das letztendlich Vertriebskosten sind? Akquise kann und darf nicht förderbar sein!

Dass ein Energieversorger, also ein Unternehmen, das Energieträger gewinnbringend verkauft, Energieeffizienzberatungen durchführen soll, die zum Ziel haben weniger von ebendiesen Energieträgern zu verbrauchen, ist absurd. Es konterkariert die Klimaschutzziele zudem und kann nicht zielführend im Sinne der Gemeinschaft sein.

Dass dies nun auch noch aus Steuergeldern mit 60 bis 80% bezuschusst wird, macht den gemeinen Steuerzahler und Energieverbraucher fassungslos. Hinzu kommt eine Kürzung der Zuschüsse bei der Energieberatung Mittelstand. Für mich ist es völlig unplausibel, dass, beziehungsweise wie, auf diese Weise mehr hochwertige Beratungen angestoßen werden können.

Ich bitte Sie dazu entsprechend im Sinne aller Steuerzahler dazu gegenüber der Regierung Stellung zu beziehen.

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Diese E-Mail ist nicht vertraulich.

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Datum: 24.11.2017 09:11:33

Re: Meinungen zur Richtlinienänderung für die geförderte Energieberatung

Ich glaube, dass diese "Öffnung" kaum Auswirkungen auf neutrale Energieberater haben wird. Meine Kunden in den letzten 8 Jahren sagten mir immer wieder, dass sie keine Handwerker oder auch Schornsteinfeger mit einer Energieberatung beauftragen würden. Hier fehlt absolut das Vertrauen in deren Kompetenz und Unabhängigkeit.

Daher sehe ich dem ganz gelassen entgegen.
Datum: 24.11.2017 12:00:38

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