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Was halten Sie vom individuellen Sanierungsfahrplan (iSFP)?

Mit der Vorstellung bei den Berliner Energietagen im Mai ist der individuelle Sanierungsfahrplan für Wohngebäude (iSFP) offiziell gestartet. Ab dem 1. Juli 2017 wird der iSFP in der vom Bund geförderten Gebäudeenergieberatung (BAFA- Förderprogramm „Vor-Ort-Beratung“) anerkannt. Wir haben im Beitrag „Individueller Sanierungsfahrplan startet“ im GEB 05-2017 darüber berichtet.

Die beiden Energieberaterverbände haben die Einführung des iSFP begrüßt und Stellungnahmen dazu veröffentlicht:

Was halten Sie vom neuen, individuellen Sanierungsfahrplan? Diskutieren Sie hier mit!

Datum: 30.05.2017 10:27:39

Re: Was halten Sie vom individuellen Sanierungsfahrplan (iSFP)?

Dazu erreichte die Redaktion folgender Leserbrief von Energieberater Peter Uenning:

„Den Sanierungsfahrplan halte ich für eine Fehlentwicklung! Zum einen kann ich gut nachvollziehen, dass einige Beratungsempfänger nicht sofort "alles" machen wollen. Zum anderen glaube ich aber nicht, dass es sinnvoll ist, eine Beratung durchzuführen, bei der die eine Maßnahme auf der vorherigen Maßnahme aufbaut.
Ich sehe ein großes Problem in der Beratung dadurch, dass bei einem Sanierungsfahrplan die Endlösung bereits feststehen müsste, um ein stufenweises Vorgehen näher zu erläutern. Der Versuch, unterschiedliche Szenarien (z.B. Pelletheizung und Solaranlage im Vergleich zu PV und Wärmepumpe) in einer Beratung vor dem Hintergrund eines Sanierungsfahrplans zu erläutern, ist schier unmöglich und würde nicht nur den Beratungsempfänger, sondern auch den Berater überfordern. Das widerspricht m.E. auch grundlegend dem Sinn der persönlichen Beratung vor Ort! Deshalb ist die Zielrichtung schlicht zu kurz gesprungen und fehlgeleitet! Ich kann mich des Eindruckes nicht erwehren, dass es sich bei dem Sanierungsfahrplan nicht um einen Wunsch der Beratungsempfänger handelt, sondern vielmehr um den Versuch, Sanierung schmackhaft zu machen. Ob nach dem ersten Schritt der zweite auch kommt, ist nicht gesagt. Ich kenne vermeintlich interessierte Sanierungswillige, die glauben, mit der Durchführung einer Thermographie schon genug getan zu haben.
Bei der intensiven Beratung vor Ort (und damit meine ich das Beratungsgespräch, nachdem der Bericht erstellt wurde) kann auf die verschiedenen Auswirkungen der Wahl des Primärenergieträgers eingegangen werden. Schon damit entscheidet sich oft der Weg zu einem Effizienzhaus. Ich halte es für den wesentlichen Punkt, der durch die Unabhängigkeit und Ergebnisoffenheit der Beratung die Möglichkeit eröffnet, beim Beratungsempfänger die Tür aufzustoßen für eine grundsätzliche und weitblickende Entscheidung auch im Bezug auf die künftigen Energiekosten. Ein Vorschlag zur stufenweisen Umsetzung ist im Anschluss an die Entscheidungsfindung natürlich Teil meiner Beratungen.
Hier ein "Tool" zu entwickeln, mit dem sich ein Berater "per Klick daraus zwei Booklets für die Hauseigentümer als PDF-Dateien" generieren kann, halte ich für der Sache nicht dienlich! Auch wenn das Booklet durch eigene Texte frisiert werden kann, halte ich es nicht für geeignet, eine individuelle Beratung auf der Basis eines Sanierungsfahrplans durchzuführen. Abgesehen davon gibt es bereits eine bekannte Software, die sehr wohl in der Lage ist, sehr qualifizierte Berichte zu generieren, die ich auch mit Bildern versehen kann und deren Gliederung ich selbst in der Hand habe. (Auch wenn es sich dabei nicht um die am weitesten Verbreitete handelt.) Auch die Fähigkeit zur neutralen Vermittlung des komplexen Sachverhaltes spielt eine große Rolle bei der Frage nach der Qualifikation des Beraters. Darüber hinaus gibt es keinen Grund, dafür eine bundesweit einheitliche Beratung zu favorisieren.
Dass das Handwerk aus der Thematik wieder ableiten möchte, auch bezuschusste Energieberatung durchführen zu dürfen, gibt mir Anlass zur Sorge darüber, dass die neutrale und ergebnisoffene Beratung in höchster Gefahr ist. Hier wackelt mal wieder der Schwanz mit dem Hund.“

Datum: 30.05.2017 11:32:19

Re: Was halten Sie vom individuellen Sanierungsfahrplan (iSFP)?

Lieber Herr Uenning,

Sie schreiben "Ich sehe ein großes Problem in der Beratung dadurch, dass bei einem Sanierungsfahrplan die Endlösung bereits feststehen müsste,..."

Das ist genau der Kernpunkt des SFP. Wir müssen aufzeigen, wie wir die Gebäude so weiterentwickeln, dass das von allen noch für das Jahr 2050 anvisierte Ziel des klimaneutralen Gebäudebestands erreicht wird. Das heißt, wenn wir heute Maßnahmen vorschlagen, dann unter Berücksichtung des vorgenannten Zieles. Im Sanierungsfahrplan müssen wir Jahrzehnte nach vorn blicken. Um das machen zu können, sind Annahmen notwendig (z.B. zur technischen Entwicklung, Kosten, etc.). Klar haben wir keine Glaskugel dafür. Aber wir können mit heutigen Techniken ein Gebäude sehr effizient und sogar mit einer positiven Energiebilanz bauen oder sanieren.

Viele Hausbesitzer wollen erst mal klein anfangen, d.h. in Schritten sanieren. Wenn sie aber von einem guten Energieberater aufgezeigt bekommen, welche Maßnahmen für einen sehr guten Standard notwendig sind, und welche Förderung bereits heute dafür in Anspruch genommen werden kann, werden - zumindest nach meiner Erfahrung - Maßnahmen oft vorgezogen bis hin zu Komplettsanierungen.

Ich habe letztes Jahr in zahlreichen Workshops meist erfahrene Energieberater in der Systematik der Sanierungsfahrpläne BW qualifiziert. Auch erfahrene Energieberaterinnen und Energieberater trauen sich oft nicht, dem Hausbesitzer ambitionierte Standards vorzuschlagen - "der geht da eh nicht mit". Mit Erstaunen wurde an hand konkreter Projekte im WS erarbeitet, dass meist der "goldene Mittelweg" (mal etwas weniger machen) auch nicht das wirtschaftliche Optimum darstellen. Wenn wir als Energieberater nicht den Mut aufbringen (und uns auch die Zeit nehmen, dies zu begründen), den Weg aufzuzeigen, um die Gebäude mit individuellen Konzepten (SFP) in den klimaneutralen Gebäudebestand zu führen, wer macht es dann?

Der Sanierungsfahrplan ist kein Selbstläufer. In unfähigen Händen (immer schön auf den "Weiter-Knopf" drücken und dann ein hübsch layoutetes Dokument ausdrucken) bringt das Teil gar nichts - der Kunde erkennt das allerdings nicht gleich. Ich werde dieses Jahr sicherlich noch etliche Workshops zum Sanierungsfahrplan durchführen. Dabei geht es auch darum, die eigene Dienstleistung Energieberatung so zu gestalten, dass sie auskömmlich ist (oder wird). Stukturierte stringentes Vorgehen hilft hierbei sehr viel. Aktueller Artikel dazu: http://www.solaroffice.de/fileadmin/solaroffice/dokumente/publikationen/Artikel_Sanierungsfahrplaene_08_2016.pdf

Sonnige Grüße
Klaus Lambrecht
ECONSULT Lambrecht Jungmann Partner

Datum: 14.06.2017 10:10:11

Re: Was halten Sie vom individuellen Sanierungsfahrplan (iSFP)?

Gelöscht, siehe unten.

MfG
Datum: 01.06.2017 13:35:40

Re: Was halten Sie vom individuellen Sanierungsfahrplan (iSFP)?

Liebe Kollegen,
nach Durchsicht des Handbuchs (HB) halte ich den iSFP für ungeeignet, ratsuchenden Hausbesitzern Sicherheit bei ihren Investitionsentscheidungen zu bringen, um damit der fallenden Altbaumodernisierungsrate in Deutschland entgegenzuwirken. Die positive Resonanz des DEN und des GIH überrascht doch sehr.
Das hier vorgeschriebene Rechenverfahren nach EnEV mit dessen Standardwerten (HB S. 11) ist nicht für die Berechnung von Einsparpotentialen bei Altbauten konzipiert worden, sondern für den Vergleich von Neubauten. Ältere Berater kennen noch die Diskussionen von damals. In der Praxis ergeben sich mitunter andere Werte wie etwa im GEB Artikel 05/2017 „Kleiner als gedacht“ bei Wärmepumpen beschrieben, die dann zu Fehlinvestitionen führen. Auch bei der Luftwechselrate und der damit verbundenen Berechnung der KWL ergeben sich deutliche Unterschiede aufgrund zu hoher Werte der EnEV verglichen mit der Praxis bei Altbauten.
Der Zwang zur Bedarfsberechnung beim iSFP kann, im Gegensatz zu einer individuellen Verbrauchsberechnung, dem Anspruch des Hausbesitzers nach Identifizierung individueller Einsparmöglichkeiten nicht gerecht werden. Als Beispiel sei der Warmwasserverbrauch (Bedarfsberechnung: personenunabhängig mit 12,5 kWh/m²a) genannt. Die Berechnung einer thermischen Solaranlage kann nicht richtig sein, wenn man an ein Rentnerehepaar in einer 300 m² Villa und an eine 5-köpfigen Familie mit Regendusche und Planschbecken im 100 m² Reihenmittelhaus denkt. Aufgrund dieser Vorschrift sind übrigens viele meiner erfahrenen Kollegen, ebenso wie ich, 2012 nach den Richtlinienänderungen des BMWi aus der Vor-Ort-Beratung ausgestiegen. Es hilft auch nicht wirklich der Hinweis (HB S 7), dass wir mit unserer Beraterkompetenz den Unterschied erläutern sollen. Zurecht wird der Hausbesitzer fordern mit dem Verbrauch zu rechnen.
Die Bewertung und Einstufung eines Altbaus mitsamt den Sanierungsmaßnahmen nach dem Primärenergiebedarf (HB S. 11) ist politisch variabel, die Primärenergiefaktoren werden keine 20 Jahre lang gleich bleiben. Einem Hausbesitzer, der auf seinen individuellen Nutzen beim Endenergieverbrauch sieht (Kosten, Behaglichkeit, Werterhaltung, Umweltschutz etc.) nützt das nichts für seine Investitionsentscheidung.
Und nun zu inhaltlichen Auffälligkeiten
Im Beispiel (HB S. 28) wird einer 5-köpfigen Familie zum neuen Öl-Brennwertkessel eine 8 m² Brauchwassersolaranlage und nach 20 Jahren eine Luft/Wasser-Wärmepumpe empfohlen. Sinnvoll und dem Stand der Technik entsprechend wäre eine BAFA-förderfähige 9 m² Anlage mit Pufferspeicher und Frischwasserstation aufgrund der Betriebsdynamik, der Überschussverwertung zur Heizungsunterstützung und der Legionellenthematik.
Zum Einsatz erneuerbarer Energien (HB S. 40) lese ich viel über Wärmepumpen und dann, dass der geeignete Zeitpunkt für Solarthermie und PV-Anlagen erst ist, wenn das Dach und die Wände gedämmt sind. Dach ist natürlich o.k., aber die Wände?
Eine PV-Anlage lohne sich (HB S. 41) erst durch den höheren Eigenstromverbrauch so richtig, wenn eine strombasierte Wärmeerzeugung eingebaut wird. Nein, PV lohnt sich u.a. durch Substitution des Haushaltsstroms v.a. in Verbindung mit einem Batteriespeicher oder im Sommer in Verbindung mit einer Trinkwasser-Wärmepumpe. Aussagen zu stromerzeugenden Heizungen wie Brennstoffzelle oder KWK-Anlagen fehlen hier komplett. Auch Mieterstrommodelle werden nicht erwähnt.
Für die Wirtschaftlichkeitsberechnung wird von einem Zinssatz von 2% ausgegangen (HB S. 55), obwohl die KfW mit 0,75% plus Tilgungszuschuss, in der Summe also mit einem negativen Zinssatz fördert.
Die durchschnittlichen Energiepreise für die nächsten 20 Jahre (HB S. 58) sind sicher diskussionswürdig, aber Strom im Normaltarif für 28,4 Ct.? Wo kann ich den Vertrag unterschreiben?
Der banale U-Wert der Kellerdecke (HB S. 62) ist falsch berechnet.
Fazit: Ich glaube es handelt sich beim iSFP um ein Instrument, das vielleicht über EVU´s, Stadtwerke, Verbraucherzentralen und Energieagenturen vermarktet werden wird. In der Öffentlichkeit wird es den Stellenwert eines Energieausweises erreichen.
MfG

Datum: 05.06.2017 14:14:05

Re: Was halten Sie vom individuellen Sanierungsfahrplan (iSFP)?

Vorweg: generell sinnvoll ist es, ein einheitliches Verfahren zu haben und Bewertungsklassen für verschieden Bauteile zu haben – vor allem auch mit mindestens einer Klasse über aktuellem KfW-Standard. Auch gut ist es, den Beratungsstandard der BAFA-VOB mindestens zu halten. Ansonsten sehe ich hier eher negative Punkte für den Ratsuchenden und für Energieberater (das BMWi nutzt eine berufsbezeichnung die es [noch] gar nicht gibt!). Nachfolgend meine Kritik zum Inhalt des Handbuchs:

 

S. 5: ein Ausdruck im DIN A 3 –Format ist erforderlich („ausklappbare Fahrplankarte“) – wer denkt sich so etwas aus? Viele Kolleginnen udn Kollegen verfügen nicht über einen drucker der A3-Format drucken kann.

S. 9., 2. Absatz, Aufzählung: zum Punkt „Neutralität“ – ein interessanter Fakt, dass in dieser sehr umfangreichen Schrift des BMWi gleich als erster Punkt das Thema Neutralität damit beschrieben wird, dass einige Hausbesitzer Energieberatern grundsätzlich eine gewisse Befangenheit unterstellen. Und dann soll also die BAFA-Beratung auch den Versorgern (die ja angeblich völlig neutral sind weil die ja alle keine Energieträger verkaufen, Schornsteinfegern (die ganz betsimmt auch die im iSFP als Allheilmittel gepriesenen Wärmepumpen empfehlen)  und dem gemeinen Handwerker geöffnet werden? Das ist ein Hohn! Welcher Handwerker kann denn "neutral und unabhängig" mit eigenem Betrieb beraten? "Weiterbildung" ist leider aus meiner Erfahrung bereits heute ein enormes Problem von den meisten Betrieben - und das im eigenen Gewerk!

S. 9, „Argumente für einen iSFP“: „Der iSFP hilft Ihnen (Anm.: dem Sanierer), auf Augenhöhe mit Handwerkern und Bauunternehmen Ihre Wünsche umzusetzen.“ Entweder geht man davon aus, dass der iSFP eine fundierte Ausbildung ersetzt oder dass ein signifikanter Teil der Handwerker genauso laienhaft ausgebildet ist wie ein iSFP-Leser…

S. 12: @Jan: weder auf Farbskalen/-gebungen noch auf Effizienzklassen wird im iSFP verzichtet!

S. 18, gesamte Darstellung: das gerade erst von der EU geschaffene Heizungslabel wird nicht berücksichtigt! Stattdessen gibt es endlich mal was Neues: den Wert e(g,p) ! Übrigens, Verbrauchswerte sind nicht in die Berechnung mit einzubeziehen – hier, wo es gerade für den Beratungsempfänger interessant weil individuell gegenüber dem Energiebedarfsausweis wird, endet dann die individuelle Ausrichtung des Sanierungsfahrplans!

S. 19, Tabelle: worin genau liegt der Unterschied zwischen „ineffizienter Wärmeerzeuger“ und „nicht mehr zeitgemäße Technik“?

S. 21, Tabelle: diese Klassifizierungen sind für mich nun gar nicht mehr plausibel! Z.B. Stufe 4 von oben: „zeitgemäßer Heizkreis mit Verbesserungspotenzial“. Oder, noch besser, Stufe 3: „zeitgemäßer Heizkreis“, darüber folgen dann „effizienter Heizkreis auf hohem Niveau“ und „effizienter Heizkreis mit optimierten Einstellungen“ (was bedeutet eigentlich optimiert?) – Resümee: zeitgemäß ist also nicht effizient denn das folgt ja darüber/danach. Na, das ist aber eine Aussage.

S. 25, erste Grünschrift: nun ist also noch ein Zwischentermin (=3. Ortstermin beim Kunden=Zeit=Kosten) notwendig.

S. 27, erster Spiegelstrich: wie schafft man denn eine wärmebrückenfreie Bauweise?

S. 28, Beispiel: 8 m² Solarkollektor nur zur Brauchwassererwärmung (ohne Heizungsunterstützung)??? Dann geht es heiter weiter: „In 20 Jahren sieht der iSFP den Einbau einer Wärmepumpe vor(…)“ Mal abgesehen davon, dass niemand den Technologiefortschritt für die nächsten 20 Jahre vorhersagen kann (seit erst 10 Jahren gibt es Smartphones und mobiles Internet, etc.) ist es 1. interessant dass hier eine Wärmepumpe empfohlen wird (das folgt nun noch etliche Male!) und 2. keine Flächenheizung für die WP berücksichtigt wurde.

S. 30, Beispiel: auch hier wird die Modernisierungsverhinderung (sog. Lock-In) bezgl. einer durch zu geringem Dachüberstand auf „nur“ 10 cm Stärke begrenzte Außenwanddämmung für die nächsten Jahrzehnte angemahnt. Also auch hier bleibt aus Sicht des iSFP die Technologie auf heutigem Stand stehen, davon abgesehen, dass man auch mit z.B. 8 cm heute verfügbarem Dämmstoff der WLS 021 ein gutes Ergebnis erzielen kann.

S. 32: „Innenwanddämmungen“ kannte ich bislang nur als flankierende Maßnahme zur Wärmebrückenreduktion bei innengedämmten Außenwänden! Und mit derartig falschen Beschreibungen soll sich ein Laie auf Augenhöhe mit Handwerkern unterhalten? Glücklicherweise lässt sich das mit manchen Handwerkern sogar realisieren…

S. 34, Komponente Fenster: an keiner Stelle wird das Thema „Einbruchschutz“ erwähnt, mittlerweile das Argument für neue Fenster und Haustüren! Das passiert wohl wenn Theoretiker ohne Kundenkontakte ein solches Pamphlet ausarbeiten!

S. 36, 2,. Hinweiskasten: wenn bei einem MFH das Dach erneuert wird ist wohl kein Lüftungskonzept mehr erforderlich.

S. 42: Luftdichtheits-Icon: das Icon wird im iSFP grün dargestellt sobald die Luftdichtheit an einer Stelle (z.B. Fenster) verbessert wird. Wenn dann das Dach noch immer mit einem Sieb vergleichbar ist, ist das Icon dennoch grün und signalisiert mit dem Häkchen, dass das Thema Luftdichtheit wohl erledigt ist.

S. 42, Hinweiskasten: ein Luftdichtheitstest ist die einzige Möglichkeit eine endgültige Antwort zu der Luftdichtheit zu geben! 

S. 44, Wärmebrücken: hier ist das Bewertungsschema genauso unsinnig wie bei dem Luftdichtheits-Icon. Hier wäre eine Ampel-Darstellung oder eine Skala wünschenswert.

S. 47, Matrix: es fehlen etliche „Ohnehin-Maßnahmen“ wie z.B. Dachflächenfenster, Rollladensteuerung, Raumtemperaturregelung, Rollladenkastendämmung, Innendämmung, etc. Was aufhorchen lässt, ist, dass die Effizienzmaßnahmen „Fußbodenheizung“ oder „Flächenheizung“ nur in Verbindung mit einer Wärmepumpe empfohlen werden! Da hat die EVU- und WP-Lobby aber ganze Arbeit geleistet! In Verbindung mit solarer Heizungsunterstützung und/oder Brennwertkesseln sind Flächenheizungen generell aus Effizienzgründen empfehlenswert, aus Sicht des Komforts ebenso!  Als effizientes, umweltfreundliches System wird als einziges Beispiel wieder die WP genannt. Ein Schelm wer Böses dabei denkt!

S. 54, Auflistung: „Laufende Energiekosten“ Hier hätte der Begriff „Energiekosten“ wohl gereicht.

S. 55: „Pauschal haben Anlagentechnik 20 und Gebäudeteile 40 Jahre theoretische Nutzungsdauer. Danach beträgt der Restwert null.“ Jegliche Dämmung hat nach 40 Jahren keinen Restwert? Die Dacheindeckung, die üblicherweise 50 – 60 Jahre hält auch? Schiefer mit mehr als 70 Jahren Lebensdauer ist dann null Euro wert? Der Klinker an der Außenwand bzw. die Vorhangfassade aus Metall/Kunststoff hat nach 40 Jahren einen Wert von null? Das können wir unseren sanierungswilligen Kunden keinesfalls verkaufen, dann setzt nämlich bald keiner mehr was um.

S 58, Tabelle: diese Tabelle hat mich schockiert! Es ist einfach unfassbar was hier erschaffen wurde! Die Werte sind zwingend anzuwenden und Abweichungen schriftlich zu begründen! Ja geht´s denn noch? DAS sollen also die mittleren Preise im Durchschnitt der nächsten zwanzig (!) Jahre sein? Bitte schaut euch das lange und intensiv an:

Strom Normaltarif     28,4 ct (kostet es bereits heute)

Strom Nachttarif/WP 21,3 ct (kostet es bereits heute)

Heizöl                         10,6 ct (heutiger Preis + 100%)

Gas                             8,5 ct (ist wohl Erdgas gemeint? Dann: heutiger Preis + 75%)

Fernwärme                 10,1 ct (heutiger Preis + 10%)

Kohle                            7,2 ct (heutiger Preis + 10%; wie viele Haushalte heizen noch damit?)

Holz/Pellets                  7,0 ct (heutiger Preis + 65%; hier kosten also Stückholz, Hackschnitzel und Pellets dasselbe…)

Flüssiggas                   existiert offenbar nicht [mehr]

Alle Kosten sollen inkl. „Grundgebühr“ sein! Was bedeutet das für Holzheizanlagen, Flüssiggas, Erdgas oder Ölheizungen (Tanks, Lager, Gasanschluss, etc.)? Fazit: Strom wird sich aus Sicht des BMWi und deren „Berater“ wie ifeu und Passivhaus-Institut ab sofort für die nächsten 20 Jahre nicht mehr verteuern und ist damit sogar inflationsstabil! Diese Werte sind im iSFP durch den Energieberater grundsätzlich zu verwenden, eventuelle Abweichungen schriftlich zu begründen. Ab hier war der iSFP für mich vollends abgehakt. Wem es immer noch nicht reicht: weiterlesen!

S. 60, Beispiel, letzter Absatz: als erstes würde ich Kunden, die (Stand des Berichts: April 2017) einen Erdgas-Liefervertrag mit einem spezifischen Preis von 6,2 ct/kWh abgeschlossen haben, raten den Vertrag sofort zu kündigen und sich mal für ein bis zwei Minuten z.B. auf verivox.de oder check24.de umzuschauen, das hätte den Autoren dieses sog. Handbuchs auch mal einen etwas bessern Informationsstand verschafft.

S. 66, Wichtig Nr. 3: „Ist der iSFP einmal fertig, können Sie lediglich kleine Dinge anpassen (…)“ Sehr nützlich…

S. 67, Hinweis: „Es ist empfehlenswert, die Bauherrendokumente in einem Copyshop oder einer Druckerei auszudrucken“ Ja prima, das ist eine wirkliche Arbeitserleichterung… Aber es kommt noch besser: „Derzeit wird die Möglichkeit geprüft, den Ausdruck zentral über eine Druckerei anfertigen zu lassen.“ Mal abgesehen von den nicht unbedeutenden Kosten ist das Versandverfahren zu klären und wie es bei Fehlerkorrekturen laufen soll. Insgesamt sicher kein Fortschritt.

Ab S. 69: die Konstruktionsdetails sind auch sehr individuell gelungen… Da freut sich der Besitzer eines Gebäudes mit Kerndämmung, Klinker, Vorhangfassade, Kaltdach, uvm.

Insgesamt ist der iSFP aus meiner Sicht ernüchternd bis unbrauchbar, sogar teilweise falsch und irreführend! Es hat mich bislang 4 Stunden Zeit gekostet und nicht weitergebracht – außer der Erkenntnis, dass unsere bisherige tatsächlich individuelle Beratung (auch im Rahmen der bestehenden BAFA-VOB-Förderung) in Zukunft noch wichtiger wird!

Glaubt das BMWi tatsächlich, dass die noch immer zu geringe Sanierungsquote von ca. 1% an zu wenig Beratung liegt? Natürlich haben die meisten Kolleginnen und Kollegen gut zu tun, aber das Nadelöhr liegt aus meiner Sicht und in unserer Region (NRW) vor allem beim Handwerk. Und dort beim mangelden Nachwuchs und schlecht vorgebildeten Ausbildungsbewerbern; das Problem wird uns noch jahrelang beschäftigen und hier muss die politik schnellstens reagieren!

In diesem Sinne wünsche ich allen Beraterinnen/Beratern, Handwerksbetrieben und Planungsbüros weiterhin viel Erfolg und „frohes Schaffen“ – bleibt am Ball!

Datum: 07.06.2017 08:31:07

Re: Was halten Sie vom individuellen Sanierungsfahrplan (iSFP)?

Gibt es eigentlich einen Befürworter des iSFP?
Oder mal eine öffentliche Stellungnahme von der DENA, dem DEN oder dem GIH auf unsere fachliche Kritik?
Datum: 12.06.2017 17:54:21

Re: Was halten Sie vom individuellen Sanierungsfahrplan (iSFP)?

Hallo Kollegen,

habe eben eine Mail erhalten. Jetzt wird dieser fachliche Mist auch noch verschenkt, damit die "Öffentlichkeitsarbeit" wenigstens passt. Was für ein Anschlag auf die freien Berater!!

"Pilotprojekt individueller Sanierungsfahrplan
Der Energieverbrauch von Bestandsgebäuden muss sinken. Helfen soll unter anderem ein neues Beratungsmodell: der individuelle Sanierungsfahrplan. Experten erstellen dabei für Hausbesitzer einen Plan, welche Sanierungsmaßnahmen im Laufe der Jahre wann sinnvoll sind. Zur Einführung des individuellen Sanierungsfahrplans startet jetzt ein Pilotprojekt, an dem eza! beteiligt ist. Gesucht werden Hauseigentümer, die an einer detaillierten Energieberatung durch einen eza!-Experten interessiert sind. Für den Eigentümer ist diese Vor-Ort Beratung im Rahmen des Pilotprojektes kostenlos, er muss sich nur dazu bereit erklären, dass sein Projekt für die Öffentlichkeitsarbeit von eza! und der Deutschen Energie-Agentur (dena) genutzt wird. Interessenten sollten sich bei eza! bis spätestens ......."

Finden GIH und DEN den iSFP immer noch gut?
Datum: 06.07.2017 17:53:41

Re: Was halten Sie vom individuellen Sanierungsfahrplan (iSFP)?

Sehr geehrte Kollegen,

ich halte von dem iSFP gar nichts. Es ist wieder einmal ein typisches DENA-Produkt. Man will ein breites Arbeitsgebiet (Energieberatung) auf ein Minimum über Software eindampfen. Irgendwann gibt es dann wieder Diskussionen über die Kosten einer Energieberatung.
Die BAFA hatte doch mit den Musterbericht eine gute Vorlage gegeben. Warum muss man daran wieder was verändern wollen...
Ein Beratungsbericht muss auch später noch nachvollziehbar sein. Das geht nun mal am besten über einen Bericht der ist immer individuell und KANN auch einen Sanierungsfahrplan (max. mittelfristig bis 3-4 Jahre) enthalten.
Was die Kostenprognosen sollen, was in 20 Jahren sein könnte ist für mich unseriös und Kaffeesatz-leserei.
Aber wie gesagt, ein DENA-Produkt, wie auch z.B. die "Checklisten" zur Vor-Ort-Begehung. Wenn ich dass so mache, wie dort angegeben würde ich nie in einer annehmbaren Zeit fertig werden und obendrein noch meine Kunden vergraulen.
MfG
H. Selbmann
Datum: 13.06.2017 10:19:21

Re: Was halten Sie vom individuellen Sanierungsfahrplan (iSFP)?

@ ECONSULT
Sehr geehrter Kollege,
ich zitiere Sie gern:
"Wir müssen aufzeigen, wie wir die Gebäude so weiterentwickeln, dass das von allen noch für das Jahr 2050 anvisierte Ziel des klimaneutralen Gebäudebestands erreicht wird."

Das geht aber auf unterschiedliche Weise. Und da liegt der Kern meiner Kritik! Aus meiner Erfahrung von mehr als 250 Vor-Ort-Beratungen darf ich berichten, dass bei guter Beratung viele Beratungsempfänger die "zu Anfang nicht Alles" machen möchten durch das Aufzeigen verschiedener Komplettlösungen oftmals (auch vor dem Hintergrund der Fördermöglichkeiten) dazu angeregt werden können, sich für die "große" Lösung zu entscheiden, bis hin zur Umsetzung als Ganzes sofort. Rechenbeispiele anhand vorgegebener Kostenmodelle helfen da nicht weiter weil keiner die Preise der Zukunft kennt. Aufzuzeigen dass die Investition in die Nutzung "geschenkter" Energie sinnvoll ist geht auch ohne Kaffesatzleserei in Euro und Cent.
Deshalb habe ich schon meine Stimme erhoben, als zugelassen wurde, dass der Beratungsbericht telefonisch erläutert werden darf. Auch den Bericht vorab zu schicken und hinterher für Fragen zur Verfügung zu stehen wird der Komplexizität nich gerecht. Meine Beratungen enden nach (oft mehr als) zwei Stunden mit der Ausage: "So hat mir das noch nie jemand erklärt". Und dann kann sich der Kunde mit dem Handwerker über Hydraulischen Abgleich, Wärmepumpe, kontrollierte Wohnraumlüftung oder Luftdichtigkeit unterhalten.

Wie Sie so recht schreiben ist der iSFP nichts für Berater, die Knöpfchen "weiter" in irgendeiner Software bedienen. Und genau diese Berater werden "angelockt" wenn mit dem iSFP ein Beratungsbericht propagiert wird, der einheitlich und übersichtlich und langfristig abschließend sein soll. Warum eigentlich "bundesweit einheitlich???" Wenn ich´s zu sagen hätte dann sollten alle es so machen wie ich es mache. oder wie?? Auch in der individuellen Qualität der Berater liegt ein Teil der Effizienz der Beratung.
Zusammen gefasst: Der Schwerpunkt der Beratung sollte das Aufzeigen einer Komplettlösung unter Berücksichtigung der Alternativen sein. Nicht die zeitliche Abfolge der Umsetzung einer vom Berater vorgegeben "Endlösung". Die Entscheidung obliegt dem Beratungsempfänger. Selbstverständlich gehört zur qualifizierten Beratung die Unterstützung bei der Wahl der sinnvollen zeitlichen Abfolge.

Der iSFP bleibt eine Kopfgeburt der Herausgeber. Diese Auffassung vertrete ich auch gegenüber den Kollegen im DEN dessen Stellungnahme nicht für alle Mitglieder spricht.
Der Kollege Marc Fliesenberg hat sehr schön die Schwachpunkte aufgezeigt, die von der individuellen Beratung wegdriften. Also was soll das ?
Mit freundlichen kollegialen Grüßen
Peter Uenning




Datum: 11.07.2017 15:08:02

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