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Anforderungen von KfW und BAFA an den hydraulischen Abgleich

Bei der energetischen Sanierung und beim energieeffizienten Bauen gehören der hydraulische Abgleich der Heizungsanlage und die Heizungsoptimierung in einigen Programmen zu den Fördervoraussetzungen. Allerdings unterscheiden sich die Anforderungen je nach Förderprogramm erheblich voneinander. Im Beitrag Konfusion statt Optimierung im GEB 10-2016 geben Dieter Wolff und Peter Teuber einen Überblick über die momentan geförderten Berechnungsverfahren und Mindestanforderungen
und hinterfragen deren Sinnhaftigkeit.

Was halten Sie davon, dass der hydraulische Abgleich in der EnEV nicht vorgeschrieben ist und davon, dass das vereinfachte Verfahren A gültig bleibt? Wie sehen Ihre Erfahrungen mit der Heizungsoptimierung aus?

Datum: 23.09.2016 11:41:31

Re: Anforderungen von KfW und BAFA an den hydraulischen Abgleich

Die Weiterführung des sogenannten "Verfahren A" empfinde ich als sehr negativ. Wieder wurde die Chance verpaßt, dieses extrem primitive Näherungsverfahren endlich dahin zu befördern wo es hingehört: In die Abstellkammer! Das physikalisch unrichtige Verfahren führt, systembedingt, zu vielen falschen Einstellwerten an Ventilen, Pumpe, Kesselleistung und Vorlauftemperaturkurve. Insofern ist es auch nicht überraschend, daß es häufig Kundenbeschwerden nach dem "hydraulischen Abgleich" gibt, und schon ist der gute Ruf hydraulisch abgelichener Systeme ruiniert, was die eigentliche Katastrophe ist. Richtig ausgeführt durch das ingenieurmäßige Verfahren B gibt es praktisch keine Kundenbeschwerde, aber viel Lob für die gut funktionierende Heizungsanlage.

Das der ingenieurmäßige hydraulische Abgleich in der EnEV vorgeschrieben wird (Verfahren B natürlich) wäre sehr wünschenswert, aber dazu müßte man zunächst die geforderte Leistung in einem geeigneten Regelwerk klar definieren. Das wäre doch eine Aufgabe für den Staat: Was bei der DIN V18599 funktioniert hat sollte auch für den hydraulischen Abgleich möglich sein.
Datum: 05.10.2016 13:08:09

Re: Anforderungen von KfW und BAFA an den hydraulischen Abgleich

Beide Verfahren A und B haben Probleme. A ist zu einfach gestrickt und bringt kaum Vorteile. B ist ingenieursmäßig zu kompliziert und wird durch die Bank vom Heizungsbauer abgelehnt. Die Mehrkosten werden durch höheren Zuschuss nicht aufgefangen, also auch nicht beauftragt. Immer höhere Anforderungen führen zu immer weniger Akzeptanz. Mit höherer Förderung ist dies nicht aufzufangen, denn dann wird es gar nicht ausgeführt. Also dann doch lieber A als gar nichts? Wer findet einen tragbaren Kompromiß, der technisch und wirtschaftlich sinnvoll ist und hinter dem alle stehen können?
Datum: 05.10.2016 13:44:15

Re: Anforderungen von KfW und BAFA an den hydraulischen Abgleich

B ist nicht zu kompliziert!
Kein Energieberater findet eine Gebäudebilanzierung zu kompliziert, das ist alles elernbar, solides Handwerkszeug.
Das Argument, dass der Heizungsbauer das Verfahren B ablehnen würde, zieht nicht: Er lehnt es ab, weil er es oftmals nicht kann. Wenn man ihm aber den Abgleich "zuliefert" setzt er ihn auch gerne um, denn dies hat für ihn viele Vorteile: Rechtssicherheit, höchste Kundenzufriedenheit, die Anlagen laufen deutlich robuster, etc. .
Und nur weil etwas kompliziert ist soll es nicht gemacht werden? Das kann doch nicht sein: Niemand stellt eine statische Berechnung eines Gebäudes infrage, aber eine ingenieurmäßige Heizungsplanung für Effizienz anstatt "es muß mur warm werden" soll übertrieben sein?
Ich stehe für dauerhafte sorgfältige Lösungen anstatt pseudogünstige "besser als Nichts" Lösungen. Das sind wieder nur verpaßte Chancen. Verfahren B im Bestand ist der gewünschte Kompromiss mit qualifizierten Schätzwerten und ingenieurmäßiger Berechnung, weniger wäre effektiv zu wenig!
Datum: 05.10.2016 14:15:14

Re: Anforderungen von KfW und BAFA an den hydraulischen Abgleich

Ich bin ja der gleichen technischen Meinung. Aber nach Jahrzehnten auf und am Bau stehen leider Praxis und Erfahrungen vor Ort dagegen.

>B ist nicht zu kompliziert! Kein Energieberater findet eine Gebäudebilanzierung zu kompliziert, das ist alles elernbar, solides Handwerkszeug.
>> Richtig <<.

>Das Argument, dass der Heizungsbauer das Verfahren B ablehnen würde, zieht nicht: Er lehnt es ab, weil er es oftmals nicht kann.
>> Richtig <<.

>Wenn man ihm aber den Abgleich "zuliefert"
>setzt er ihn auch gerne um,...
>> Richtig <<

>Und nur weil etwas kompliziert ist soll es nicht gemacht werden? Das kann doch nicht sein: Niemand stellt eine statische Berechnung eines Gebäudes infrage, aber eine ingenieurmäßige Heizungsplanung für Effizienz anstatt "es muß mur warm werden" soll übertrieben sein?
>> Ja <<

Ich wiederhole mich: wieviel muss der Kunde für Verfahren B mehr zahlen, egal wer es ihm zuliefert?
Wieviel mehr an Zuschuss bekommt er dadurch? Welche Vorteile kann er dadurch für sich erkennen?

Rechtssicherheit: Hat er mit A auch.

Kundenzufriedenheit: = abhängig von Kosten, wer zahlt gibt an. Der neue Heizkessel ist aus Kundensicht aufgrund höherer Wartungs- und Reparaturkosten langfristig teurer als der alte.

Anlage läuft robuster: Wie kann er das erkennen?

Betrachten wir die andere Seite: Ohne Förderung hätten wir überhaupt keinen Einfluß, dass wenigstens ein kleiner Abgleich (A) durchgeführt wird. Auch wenn der HA in die EnEV käme, würde es dann besser? Es steht sehr viel in der EnEV, das am Bau nicht umgesetzt wird. Warum wohl?

Wo stehen wir Energieberater? Wessen Interessen vertreten wir? Wer ist Auftraggeber, wer zahlt unsere Rechnungen? Wer übernimmt Verantwortung und Haftung? KfW, BAFA, Umweltministerin, Wirtschaftsminister?


Datum: 05.10.2016 15:20:36

Re: Anforderungen von KfW und BAFA an den hydraulischen Abgleich

Die Geld Diskussion ist wahrlich überflüssig. Würde alles nur darauf bezogen wann sich etwas "rechnet" dann gäbe es keine SUV Autos und auch keine Wintergärten.
Ich verstehe meine Aufgabe am Bau nicht darin, für jemanden die stets wirtschaftlichste Lösung vorzuschlagen, sondern den Spagat zwischen Ökonomie Ökologie und Nachhaltigkeit vernünftig zu beleuchten und in dieser Hinsicht dauerhafte Lösungen zu entwickeln.

Ob die in der EnEV niedergelegten Regeln am Bau umgesetzt werden hängt auch von unserem Berufsstand ab. Sie schreiben:
"Es steht sehr viel in der EnEV, das am Bau nicht umgesetzt wird. Warum wohl? Wo stehen wir Energieberater? Wessen Interessen vertreten wir? Wer ist Auftraggeber, wer zahlt unsere Rechnungen? Wer übernimmt Verantwortung und Haftung? KfW, BAFA, Umweltministerin, Wirtschaftsminister? " Soll ich das so verstehen, dass Sie die EnEV missachten, weil sich etwas nicht rechnet, da Sie die Interessen Ihres zahlenden Kunden höher ansetzen? Für soetwas bin ich nicht zu haben.

Rechtssicherheit Verfahren A: Vielleicht haben Sie eine Rechtssicherheit gegenüber Födermittelgebern, aber nicht privatrechtlich. Das sogenannte Verfahren A erfüllt nicht ansatzweise die in der VOB niedergeschriebenen Forderungen. Infolge der sehr groben Vereinfachungen kann man (technisch) kaum noch von einem hydraulischen Abgleich sprechen. Das Verfahren A missachtet eine elementare Grundgleichung der Heizungstechnik zum Heizkörperverhalten, indem es vorgibt, die Spreizung in den Heizkörpern eines Heizkreises wäre stets konstant. Dies führt zu einer Falschbemessung der Massenströme locker um den Faktor 3 für einige der Heizkörper.
Das Verfahren "A" beruht auf einem Vorschlag des ZVSHK, Anerkennung in der Fachwelt hat dieses Verfahren nicht.

Die Anlage läuft robuster: Die richtig hydraulisch abgeglichene und eingestellte Heizungsanlage (Ventile, Heizkurve, Geräteleistung, Pumpe) taktet deutlich weniger und der Wärmetauscher läuft länger im nassen Bereich, das verlängert die Lebensdauer erheblich. Meine Heizungsbauer berichten mir, dass sich nach Verfahren B berechnete Anlagen in der Wartung signifikant anders darstellen.
Und damit sind wir am Ziel: Eine richtig ausgelegte und berechnete Anlage läuft effizient und robust, genauso wie ein sauber bilanziertes Effizienzhaus mit Wärmebrückenoptimierung bei richtiger handwerklicher Ausführung eine sparsame robuste Wohnmaschine ist. Und genau das will der Kunde eigentlich. Die Geld Diskussion ist doch eigentlich nur das Unvermögen des Beraters, seine Kunden von der teureren aber richtigeren Lösung zu überzeugen. In meinen 20 Jahren am Bau ist mir das nahezu immer gelungen.
Datum: 10.10.2016 11:15:25

Re: Anforderungen von KfW und BAFA an den hydraulischen Abgleich

Ich kann Herrn Engels Ausführungen nur beipflichten!!
Ich gehe sogar noch einen Schritt weiter: der hydraulische Abgleich ist nach anerkannten Regeln der Technik (VOB/C) mit der raumweisen Heizlastberechnung nach DIN EN 12831 in Verbindung mit Beiblatt 1 Pflicht!!

Ein Vereinfachtes Verfahren wie es der vdz im Verfahren A offeriert ist nirgendwo geregelt!!
Und ganz makaber ist, daß der vdz in der aktuellen Regel zum hydraulischen Abgleich von 7/2016 wiederholt schreibt, dass das Verfahren A die werkvertraglich geschuldete Leistung nach VOB/C ist. Nur haben die unter Verfahren A beschriebene Regelungen und die Anforderungen in der VOB/C - DIN 18380 nix gemeinsam!!

Im Klartext heißt das, dass der Heizungsbauer, der nach Verfahren A den hydraulischen Abgleich durchführt, zwar ggf. KfW/BAFA-Konform ist, aber mit dieser Leistung einen Mangel erzeugt hat, den der Bauherr rügen kann.

Da ich schon einige Jahre raumweise Heizlasten berechne, hat es mich im Zuge des "Rückrudern" des vdz mal interessiert wie weit die Heizlasten pro Raum auseinander gehen, wenn man Verfahren A oder B anwendet.
Ergebnis: Die Ventileinstellungen weichen bis zu 5 Stufen (bei 6 möglichen) ab!!
Hier kann ja wohl nicht mehr wie der vdz schreibt von "Die vereinfachte Abschätzung der Heizlast in Anlehnung an DIN EN 15378 führt zu einer gewissen Abweichung vom theoretischen Ergebnis nach DIN EN 12831" die Rede sein!!
Meiner Meinung nach ist bei so einer großen Abweichung die EnEV nicht mehr eingehalten.

In der aktuellen EnEV Energieeinsparverordnung 2016 wird unter
§ 1 Abs. 1 „Zweck dieser Verordnung ist die Einsparung von Energie in Gebäuden.“
§ 11 Abs. 2 „ Energiebedarfssenkende Einrichtungen in
Anlagen nach Absatz 1 sind vom Betreiber betriebsbereit zu halten und bestimmungsgemäß zu nutzen.“
Bedeutet, daß der Betreiber und sein Beauftragter
verantwortlich ist, daß ein hydraulischer Abgleich, der Energie einspart, durchgeführt wird.

Zum Thema Aufwand und Kosten:
Verständlicher Weise mag für einen Heizungsbauer, der wahrlich viele Aufgaben im täglichen Geschäftsleben zu bewältigen hat, ein hoher zusätzlicher Aufwand sein die raumweise Heizlast zu berechnen. Es steht nirgendwo geschrieben, dass das die Aufgabe des Heizungsbauer ist. Also sehe ich hier die Aufgabe bei den Energieberatern! Insbesondere dadurch, daß die KfW die Berechnung über den Sachverständigen der KfW auch noch mit 50% fördert, sollte die raumweise Heizlastberechnung und die Berechnung zum hydraulischen Abgleich von dem SV der KfW oder dem Energieberater bei BAFA-Förderungen (aktuell bei der Optimierung mit 30% auf die Nettokosten) durchgeführt werden.
Des Weiteren fördert die KfW die Optimierung der Heizungsanlage mit 10% und den Kesseltausch im Paket mit 15%.
Beispiel: bei einem Kesseltausch im Paket bei 13.000 € Gesamtkosten des Heizungsbauers und 1.500,-€ des SV der KfW für Berechnung + Baubegleitung, bekommt der Kunde im Prog. 430 auf 14.500,-€ förderfähige Kosten 2.175,-€ Zuschuss und im Prog. 431 Baubegleitung noch einmal 750,-€ Zuschuss. Also in der Summe 2.925,-€ Zuschuss!!
Bei einem Kesseltausch ohne Verfahren B gibt es bei der KfW 10 % Zuschuss, also auf 13.000,-€ Heizungsbauer und 750,-€ Baubegleitung = 1.375,-€ Zuschuss plus 375,-€ Baubegleitungszuschuss, also in der Summe 1.750,-€ Zuschuss.
Über die Optimusstudie wurde ermittelt, daß durch den hydraulischen Abgleich ca 10-20 kWh/m²/a bei 150 m² = 1500-3000 kWh/a bei 0,07 Euro/kWh gleich 105,- bis 210,- Euro eingespart werden.

Lohnt sich bei 1.175,-€ mehr Förderung plus einer jährlichen Ersparnis von 105,- bis 210,-€ den Mehraufwand der raumweisen Heizlastberechnung nicht?

Wenn Sie die raumweise Heizlastberechnung und die Berechnung zum hydraulischen Abgleich nicht durchführen möchten, so erledige ich das gerne für Sie. Ich biete Ihnen bundesweit Berechnungen nach einem erprobten System an, an dem Sie ebenfalls profitieren. Anfragen bitte an http://www.md-klimadesign.de

Zum Abschluss:
Möchten Sie mit einen Auto fahren, dass nicht richtig einreguliert ist und viel Sprit verbraucht und ruckelig fährt?

Datum: 10.10.2016 19:56:48

Re: Anforderungen von KfW und BAFA an den hydraulischen Abgleich

Danke für den Klartext! Gerne werde ich beratungsresistente Bauträger, Heizungsbauer oder Architekten auf diesen Beitrag hinweisen....Kämpfe schon lange an derselben Front - befürchte allerdings: gegen Windmühlen. Meist wird die "Billigvariante" Heizlastberechnung auf Basis von Standardwerten durch den Hersteller der Anlage bevorzugt - der wiederum nichts dagegen hat, wenn das Ganze "etwas" überdimensioniert wird....
Datum: 11.10.2016 08:29:35

Re: Anforderungen von KfW und BAFA an den hydraulischen Abgleich

Hallo Frau Dörnbach,
Danke das Sie meinen Beitrag noch etwas erweitert haben. Ehrlich gesagt war ich davor zurückgeschreckt, die Rechtsdiskussion bezüglich dem Inhalt des VdZ Begleitheftes zum hydraulischen Abgleich "Vefahren A = Regelleistung" weiter öffentlich anzuheizen. Ich teile Ihre Einschätzung dahingehend voll und ganz, und viele weitere Verfechter des einzig richtigen hydraulischen Abgleichs ebenfalls. Wenn ich bei neu eingebauten Heizungsanlagen als Sachverständiger hinzugerufen werde weil irgendetwas auch nach 3x Nachbessern nicht funktioniert, frage ich als erstes nach den Planungsunterlagen. Die sind meist nicht vorhanden, Anlage nach "Erfahrung" aufgebaut. Das geht auch schonmal schief. Juristisch ist dies eine Nichtplanung. Durch komplette Überplanung und Detailänderungen bekommt man die Anlage meist doch noch zum laufen. Mancher lernt aus dem teuren Schadensfall etwas, andere sind nur wütend. Verstehen kann ich das nicht: Niemand würde ein Haus ohne Statikplan bauen, nur bei der Heizung gilt: Wird schon.

Auch die Kostenberechnung bezüglich der KfW Förderung rechne ich meinen Kunden immer so vor, allerdings lege ich einen höheren Betrag als die 1500,- an, da ich noch die formale Ausschreibung und Auswertung der Angebote mitbearbeite. Ebenfalls nimmt die Beschäftigung mit dem Pumpenmanagement des Wärmeerzeugers viel Zeit in Anspruch, denn was nutzt der beste berechnete hydraulische Abgleich, wenn er am Gerät nicht vernünftig umzusetzen ist.

Und an alle Mitstreiter für Qualität in der Heizungstechnik: Wir sollten uns bekannter machen. Immerhin ist auf der EEE Seite der dena die Rubrik Einzelmaßnahmen unterteilt worden, auch die Heizung hat ein eigenes Kästchen bekommen. Es wäre bestimmt eine gute Idee, ein Kästchen für "Berechnung des hydraulischen Abgleichs nach Verfahren B" hinzuzufügen, denn dann würden die Verbraucher schneller zu den Leuten geführt die´s können. Man hört oft, dass die Verbraucher schon wollen, aber keinen geeigneten KfW SV finden.
Ich bin sicher: Wir schaffen das, wir bekommen die Effizienzwende in der Heizungstechnik hin, auch wenns ein längerer Anlauf wird.

Datum: 11.10.2016 09:52:52

Re: Anforderungen von KfW und BAFA an den hydraulischen Abgleich

Vielen Dank Herr Engels und Schrödingers Katze für Ihre Beiträge und die offenen Worte :-)

Zum Thema meiner Rechtsauffassung möchte ich noch hinzufügen, daß mir folgende Stellungnahme von dem Fachanwalt für Bau- und Architektenrecht Dominik Padberg vorliegt:

"Die Pflicht zum hydraulischen Abgleich ergibt sich aus der DIN 18380, Ziff. 3.1.1. der VOB/C. Die VOB/C beinhaltet die DIN, welche die einzuhaltenden Mindeststandards (a.a.R.d.T.) darstellen, deren Einhaltung beim BGB-Werkvertrag geschuldet wird. Die a.a.R.d.T. entsprechen der üblichen Beschaffenheit beim BGB-Werkvertrag. Ohne Vornahme des hydraulischen Abgleichs ist das Werk mangelhaft, sodass der Auftraggeber zum Einbehalt von Werklohn in angemessener Höhe berechtigt ist, mithin ihm ein Zurückbehaltungsrecht zusteht. Dies gilt auch, wenn der hydraulische Abgleiche fehlerhaft oder unzureichend erfolgt ist."

Weiter unten in der Stellungnahme führt er folgende Urteile aus:

"In OLG Hamm 17 U 185/12 v. 30.06.2014 wurde zwar der Auftraggeber zur Zahlung restlichen Werklohn zu verurteilt, jedoch nur Zug um Zug gegen Übergabe (u.a.) des Berichts über die Inbetriebnahme der Heizung und des hydraulischen Abgleichs durch den Werkunternehmer. Ein Bericht kann freilich nur herausgegeben werden, wenn die Inbetriebnahme der Heizung und der hydraulische Abgleiche tatsächlich vorgenommen wurden. Die Verpflichtung zur Übergabe eines Berichts über die Inbetriebnahme der Heizung und des hydraulischen Abgleichs, setzt dessen tatsächliche Vornahme voraus. Zuvor war das Landgericht Münster (Az. 2 O 335/08 v. 31.10.2012) in erster Instanz zum gleichen Ergebnis gelangt. Auch in der Entscheidung des OLG Düsseldorf 5 U 65/11 v. 23.02.2012 wird die Vornahme eines hydraulischen Abgleichs als Stand der Technik vorausgesetzt. Das Gericht kommt zu dem Ergebnis, dass „entscheidend sei, dass noch an dem letzten Heizkörper eine ausreichende Druckdifferenz zur Verfügung steht, um ihn mit der Wassermenge zu versorgen, die rechnerisch notwendig ist“. Dies setzt die Vornahme eines hydraulischen Abgleichs voraus. Auch hat bereits das LG Paderborn in 2 O 485/07 v. 24.02.2009 das Fehlen des hydraulischen Abgleichs als Mangel qualifiziert und dem Auftraggeber insoweit einen Einbehalt vom Werklohn für die Beseitigung des Mangels zugestanden und damit ein Zurückbehaltungsrecht eingeräumt."

Ganz interessant ist auch noch wie es sich mit den Kosten verhält:

"Der Auftragnehmer hat die Kosten mit einzuplanen. Auf eine gesonderte Vergütung dürfte kein Anspruch bestehen. Diese Leistung muss daher durch den Auftragnehmer bereits zuvor in die Kalkulation aufgenommen worden sein. Denn zum einen steht der Abschnitt bzgl. der Abstimmung der Heizanlagen in den Allgemeinen Ausführungen der DIN 18380 der VOB/C. D.h., der hydraulische Abgleich ist gerade nicht in den „Besonderen Leistungen“ enthalten, für die eine gesonderte Vergütung verlangt werden kann.
Das heißt, entweder der Auftragnehmer einigt sich mit dem Auftraggeber darüber, dass diese Leistung kostenpflichtig ist oder er plant diese Leistung in die Ursprungskalkulation ein. Für eine nachträgliche Geltendmachung besteht jedoch kein Raum, da es sich bei dieser Leistung um eine allgemeine Pflicht und keine besondere Leistung handelt."
Datum: 12.10.2016 20:46:13

Re: Anforderungen von KfW und BAFA an den hydraulischen Abgleich

"Hydraulischer Abgleich" durch die EnEV gefordert?

Der "Hydraulischen Abgleich" ist Bestandteil der EnEV - Anforderungen! Er wurde indirekt über den Bezug zu den DIN-Normen 18599 und 4701-10 zur Pflicht. Die Berechnungsgrundlagen in diesen DIN-Normen setzen den "Hydraulischen Abgleich" voraus. Ist kein "Hydraulischer Abgleich" ausgeführt worden, stimmen die Berechnungen zu den in der EnEV geforderten Nachweisen nicht!

Datum: 18.10.2016 14:21:30

Re: Anforderungen von KfW und BAFA an den hydraulischen Abgleich

Die Frage 4 im Wissens-Check GEB 3/2017, wann der HA notwendig ist, ist ebenso wie im Artikel von Jürgen Lutz auf Seite 16 falsch beantwortet. Die 25 % Regel der KfW ist seit 6/2014 entfallen.
Ebenso finde ich entgegen der Aussage im Artikel "Konfusion statt Optimierung" von Wolff und Teuber in der technischen FAQ der KfW Punkt 8.04 keinen Hinweis, dass ab 50 % Änderung der Gebäudehülle Verfahren "B" vorgeschrieben ist.
"B" wird nur im Heizungspaket und für Effizienzhäuser benötigt.

MfG
Datum: 12.03.2017 09:26:53

Re: Anforderungen von KfW und BAFA an den hydraulischen Abgleich

?????

Die KfW verweist in der Liste der technischen FAQ, Punkt 8.04 hydraulischer Abgleich,
(Zwei- und Einrohrheizung,
Fußbodenheizung),

- Zur Bestätigung des Hydraulischen Abgleichs ist bei der
Durchführung von Einzelmaßnahmen oder bei der Umsetzung
eines KfW-Effizienzhauses das jeweilige Bestätigungsformular
des
VdZ-Forum für Energieeffizienz in der Gebäudetechnik e. V. in
der Version 2014/10/20 zu verwenden:
http://vdzev.de/broschueren/formulare-hydraulischer-abgleich/
Das Verfahren muss der Leistungsbeschreibung des jeweiligen
VdZ-Formulars entsprechen:
"Formular KfW-Effizienzhaus", "Formular Einzelmaßnahme"
Die Leistungsbeschreibungen der VdZ-Formulare enthalten
Anforderungen an Zweirohrheizungen mit Heizflächen,
Einrohrheizungen mit Heizflächen sowie an Fußbodenheizungen

Und in dem entsprechenden VDZev Formular ist klar auf Seite 2 auf Verfahren B bei "nachträglichen Maßnahen zur Wäremdämmung" hingewiesen (hier wird sogar die 50% weggelassen).

Datum: 13.03.2017 08:00:43

Re: Anforderungen von KfW und BAFA an den hydraulischen Abgleich

Tatsächlich, ab 50 % Verfahren "B". Hatte ich so nicht auf dem Radar, weil wer "mehr als 50 % der wärmeübertragenden Umfassungsfläche wärmeschutztechnisch verbessert" eh mit dem Effizienzhaus besser fährt.
Aber die 25 % Regel im Wissens-Check ist trotzdem falsch.
MfG
Datum: 13.03.2017 12:36:13

Re: Anforderungen von KfW und BAFA an den hydraulischen Abgleich

Sehr geehrter Herr Pluszynski,

vielen Dank für Ihr Interesse an diesem Thema und Ihren berechtigten Einwand. Er hat aufgedeckt dass die im Artikel aufgeführte 25%-Regel seit der Überarbeitung der KfW-Merkblätter im Juni 2014 obsolet ist. Hintergrund ist bzw. war folgender:

Die ursprüngliche Vorgabe setzte schon im Vorfeld eine aufwendige Berechnung voraus, denn es mussten die U-Werte und die Heizlast vor und nach der Sanierung gerechnet werden. Erst nach dieser Berechnung konnte dann geprüft
werden, ob durch die Sanierung eine Einsparung von 25% eingetreten ist. Um den Verbraucher vor hohen Berechnungskosten (mit unsicherem Ausgang) zu schützen wurde die Vorgabe wie folgt verändert bzw. angepasst:

Bei Durchführung von Einzelmaßnahmen ist der hydraulische Abgleich immer erforderlich, wenn
- die Heizungsanlage ausgetauscht wird,
- Umwälzpumpen des Heizkreislaufs ersetzt oder
erstmalig eingebaut werden oder
- durch Dämmmaßnahmen (transparente und opake
Bauteile) mehr als 50 % der wärmeübertragenden
Umfassungsfläche wärmeschutztechnisch verbessert
werden.

Ich bedauere dass mir diese Veränderung, niemand ist bei rasch wechselnden Vorgaben unfehlbar, „durchgerutscht“ ist und hoffe durch die Korrektur meiner ursprünglichen Aussage diesen Punkt geklärt zu haben.

Mit freundlichen Grüßen

Jürgen Lutz
Datum: 23.03.2017 20:07:43

Re: Anforderungen von KfW und BAFA an den hydraulischen Abgleich

Vielen Dank für Ihr Interesse an diesem wichtigen Thema und Ihren berechtigten, korrigierenden Hinweis.
Ich bedauere dass mir diese Veränderung, niemand ist bei rasch wechselnden Vorgaben unfehlbar, „durchgerutscht“ ist und danke für Ihre Klarstellung.
Mit freundlichem Gruß
Jürgen Lutz



Datum: 23.03.2017 20:03:43

Re: Anforderungen von KfW und BAFA an den hydraulischen Abgleich

Die KfW hat uns hierzu auch noch folgende Informationen zusammengestellt:

Energieeffizient Sanieren – Einzelmaßnahmen:

Bei den Einzelmaßnahmen Austausch und Optimierung der Heizungsanlage (KfW-Förderung) sowie beim Ersatz von Heizungs-Umwälzpumpen und Warmwasser-Zirkulationspumpen  (BAFA-Förderung) ist mindestens ein hydraulischer Abgleich nach Verfahren A durchzuführen. Selbstverständlich darf in diesen Fällen auch Verfahren B angewendet werden.

Allerdings ist das Verfahren A in den oben genannten Fällen nur zulässig, sofern die beheizte Nutzfläche max. 500 m² je Heizkreis beträgt. Ansonsten ist Verfahren B anzuwenden.

Sofern die Einzelmaßnahmen Wärmedämmung von Bauteilen oder Erneuerung der Fenster und Außentüren oder ein Kombination aus diesen Maßnahmen umgesetzt werden und mit diesen geförderten Vorhaben mehr als 50 % der wärmeübertragenden Umfassungsfläche wärmeschutztechnisch verbessert werden, muss ein hydraulischer Abgleich nach Verfahren B durchgeführt werden, da die einzelnen Raum-Heizlasten des Gebäudes stark reduziert werden.    Dieser Sachverhalt ist im „VdZ-Formular“ unter Verfahren B mit „Nachträglichen Maßnahmen zur Wärmedämmung“ gemeint.

Im Falle der Umsetzung des Heizungspakets ist ebenfalls ein hydraulischer Abgleich nach Verfahren B durchzuführen. Dies gilt vor dem Hintergrund der qualitativ höherwertigen Umsetzung im Vergleich des Heizungspakets zur Einzelmaßnahme Heizungsaustausch.  

Die Durchführung des hydraulischen Abgleichs ist mit dem Formular „Bestätigung des hydraulischen Abgleichs für die KfW-/BAFA-Förderung (Einzelmaßnahme)- Formular Einzelmaßnahme“ der VdZ nachzuweisen.

 Energieeffizient Bauen und Sanieren – KfW-Effizienzhaus:

Für ein KfW-Effizienzhaus im Neubau und in der Sanierung ist immer ein hydraulischer Abgleich nach Verfahren B durchzuführen.

Die Durchführung des hydraulischen Abgleichs ist mit dem Formular „Bestätigung des hydraulischen Abgleichs für ein KfW-Effizienzhaus (Neubau oder Sanierung) - Formular KfW-Effizienzhaus“ der VdZ nachzuweisen.

Grundsätzlich gelten im Rahmen der KfW-Programme Energieeffizient Bauen und Sanieren die Vorgaben der Merkblätter und der Technischen Mindestanforderungen als Anlage zu den Merkblättern. Des Weiteren ist die Liste der Technischen FAQ als Anlage zu den Merkblättern anzuwenden. In den entsprechenden Dokumenten wird auf die Verbindlichkeit der VdZ-Bestätigungsformulare zum hydraulischen Abgleich mit den entsprechenden Leistungsbeschreibungen verwiesen. Die VdZ-Fachregel „Optimierung von Heizungsanlagen im Bestand“ ist in diesem Zusammenhang als Hilfestellung für alle Beteiligten anzusehen.   

Datum: 24.03.2017 13:48:47

Re: Anforderungen von KfW und BAFA an den hydraulischen Abgleich

Zum Kommentar im GEB 03-2017 (http://bit.ly/2oaGBkg) hat ein Leser Anmerkungen geschickt. Er erläutert Gründe dafür, dass die Heizungsoptimierung so schleppend vorankommt:

Sie fragen sich, warum die Heizungsoptimierung, speziell der Tausch von Heizkreispumpen und der damit notwendige Hydraulische Abgleich, so schleppend vorankommt?

Die Gründe liegen hier nicht vorrangig im Fachkräftemangel sondern daran, dass es mit dem Tausch einer Pumpe nicht getan ist.

Ich spreche aus Erfahrung als Installateur und Energieberater.

Der Tausch einer Heizkreispumpe bedingt auch den Tausch des Heizungswassers.

Die Garantiebedingungen der meisten Pumpenhersteller (auch Heizgerätehersteller) geben ganz klar vor: Betreiben der Heizkreispumpen nur mit Füllwasser nach VDI 2035.

Was bedeutet das? Entleerung des gesamten Heizkreises, Entschlammung, Einbau eines Filters mit Schlammabscheider, Füllen der gesamten Anlage mit Füllwasser nach VDI 2035.

Der dann noch für die Fördermittel notwendige hydraulische Abgleich ist oft nicht durchführbar. In den überwiegenden Fällen im älteren Bestand sind die Thermostatventile nicht einstellbar, es fehlen Rücklaufverschraubungen.

Oft können die Thermostatventile nicht einfach getauscht werden, weil der nötige Platz hierzu fehlt. Die Heizkörper müssen zum Tausch der Thermostatventile oft abgehängt und die Wandanschlüsse angepasst werden.

Es kommt häufig vor, dass an älteren Heizkörpern Entlüftungsventile fehlen, was wiederum entweder zu Nachrüstungen oder / und zu späteren Luftproblemen in der Anlage führt.

Insofern haben Sie eventuell schon recht, dass es doch der Fachkräftemangel ist:

Es können ganz geschwind für einen Pumpentausch 2 Monteure 2 Tage beschäftigt sein, die Kosten können leicht in die tausende € gehen.

Mit einer Arbeitsstunde für den Pumpentausch ist es aber, selbst wenn die Thermostatventile einstellbar wären, nicht getan.

Das Heizungswasser muss immer getauscht werden.

Datum: 30.03.2017 09:30:30

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