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Primärenergiefaktor KWK

Ich habe das folgende Problem:
Ein Neubau, KfW 55 Haus, soll an ein Nahwärmenetz angeschlossen werden. Dieses Nahwärmenetz ist leider nicht weiter bilanziert, so dass es keine Berechnung und keinen Eintrag in der Liste FW 309-1 gibt.
Das Nahwärmenetz wird zu 90% mit Biogas und zu 10% mit Erdgas, für Spitzenlasten, betrieben.
Die KfW kann mir auch nicht so richtig sagen wie ich das jetzt ansetzen soll. Der Verweis auf die FAQ bringt ebenso nicht den richtigen Erfolg. Die Tabellenwerte der DIN 18599-1:2011-12 bringen bei mir auch keine Klarheit.
Da ein pauschaler Ansatz mit 0,7 mich jedoch wieder aus dem Effizienzhaus 55 rausschmeist, frage ich mich, ob ich hier auch den Ansatz 0,0 annehmen darf?? Tabelle Zeile Nah/Fernwärme ; erneuerbare Brennstoffe; unter B; 0,0.
Dadurch würde aber wiederum der fossile Anteil nicht berücksichtigt. Ich denke mit 90% Biogasanteil sollte ein Primärenergiefaktor besser als 0,7 möglich sein. Aber wie komme ich dahin und vor allem bei einer Prüfung der KfW, wie kann ich dies schlüssig nachweisen??
Hat jemand schon einmal so ein Problem gehabt? Und wie kann man dies am besten lösen?
Viel Spaß beim Grübeln, ich hab´s schon gemacht.
Datum: 27.04.2016 13:11:55

Re: Primärenergiefaktor KWK

Hallo Herr Fischer,
Sie sprechen einen wesentlichen Punkt der Effizienzhausberechnungen an, denn hier stoßen selbst erfahrene EnEV-Nachweisersteller, die in der Regel aus der Bauecke kommen, an ihre Grenzen. Der Nutzen einer genauen Berechnung der Anlagentechnik wird mit jeder EnEV-Verschärfung größer.
Laut FAQ 5.11 dürfen Sie für ein kleines Wärmenetz bis 400 kW den Primärenergiefaktor selbst ermitteln.
Diese nicht triviale Berechnung führt meist mit Brennwertkessel und KWK-Anlage zu deutlich besseren Primärenergiefaktoren als 0,7. In der Regel wird das Effi 85 beim Altbau bzw. Effi 55 beim Neubau sogar ohne Lüftungsanlage erreicht.
Als Versorgungsingenieur arbeite ich inzwischen bei der Anlagenberechnung einigen Kollegen zu, so wie ich Hilfe von denen beim "fachgerechten" Einbau von Fenstern etc. brauche.
MfG
Datum: 28.04.2016 10:24:59

Re: Primärenergiefaktor KWK

Vielen Dank für die Info, aber das Nahwärmenetz hat leider über 400 kW. Gibt es da eine Möglichkeit oder bleibt mir nur der 0,7 Faktor?

Viele Grüße
Datum: 28.04.2016 10:39:26

Re: Primärenergiefaktor KWK

Hallo Herr Fischer,
jetzt habe ich ein ähnliches Projekt (> 400 kW) und überlege, ob FAQ 5.10 greift: "Gemäß EnEV Anlage 1 Nummer 2.8 kann eine gemeinsame Heizungsanlage für ein Gebäude bzw. einen Gebäudeteil als eine jeweils fiktive eigene Heizungsanlage der gleichen Bauart und Betriebsweise jedoch mit entsprechend reduzierter Größe und Leistung abgebildet werden." Somit könnte ich das Wärmenetz selbst berechnen. Alternativ stellt sich die Frage an die Mitlesenden, was kostet eigentlich eine AGFW FW 309-1 Zertifizierung?
MfG
Datum: 03.05.2016 16:04:59

Re: Primärenergiefaktor KWK

.....was kostet eigentlich eine
>AGFW FW 309-1 Zertifizierung?
>MfG


Vor allem SEHR viel Zeit....
Datum: 04.05.2016 19:02:18

Re: Primärenergiefaktor KWK

Hallo Herr Pluszynski,

so stehe ich auch zur Zeit da. Kann ich oder nicht, ausbremsen tun mich immer die 10% Erdgas in der Anlage.
Was die Zertifizierung betrifft habe ich nicht die geringste Ahnung von den Kosten, jedoch darf dieses ja auch nur von einem zugelassenen Personenkreis durchgeführt werden (Monopolstellung).
Zum Glück hat der planende Architekt in diesem Fall jemand aufgetan, der so etwas berechnen kann und darf, somit bin ich erstmal aus der Sache raus und bekomme einen Nachweis den die KfW anerkennt.
Dies bleibt aber trotzdem ein spannendes Thema. Wenn alle Nah-u- Fernwärmenetze sich zertifizieren lassen müssten, wäre das rechnen für uns einfacher. Denn wieviel Zeit man hierein steckt ist sagenhaft.
Viele Grüße

Datum: 07.05.2016 11:26:26

Re: Primärenergiefaktor KWK

Hallo Herr Fischer, Herr Pluszynski,
in unserer Praxis der Aufstellung von EnEV-Nachweisen tritt dieser Falle öfter auf. Es ist dringend zu empfehlen, detailliert zu rechnen, da dann die besten Ergebnisse bzgl. des Primärenergiefaktors erzielt werden.
Die EnEV sieht ausdrücklich die detaillierte Berechnung vor. Tut man dies nicht, so müssen die schlechtesten Pauschalwerte aus der DIN V 18599 verwandt werden. Dies ist bei Fernwärme der Faktor 1,3.
Wird ein Gebäude mit Fernwärme beheizt. so muss der Wärmelieferant für den Primärenergiefaktor einen zertifizierten Nachweis vorlegen. Die Erstellung durch einen zertifizierten Gutachter ist übrigens bei kleineren Netzen nicht sehr aufwändig und in jedem Fall lohnend. Die dann mögliche Förderung durch des KfW-Effizienzhauses macht den Aufwand für diese zusätzliche Berechnung allemal wieder wett.
Viele Grüße
Datum: 17.05.2016 11:10:14

Re: Primärenergiefaktor KWK

Eine sehr merkwürdige Antwort, die auf anlagentechnische Fachinkompetenz schließen lässt.
Für den privaten Endnutzer sind ausschließlich reale Endverbräuche interessant, nicht buntens Papier, welches in irgendwelchen Nachweisen jedweder Art erstellt wurde, zumal rechtlich nicht verwertbar!
Mir ist keine Rechnung eines Energieversorgers bekannt, der theoretische Primärenergie abrechnet. Hier geht es knallhart um tatsächlich verbrauchte Endenergie!!!
Datum: 19.05.2016 11:57:36

Re: Primärenergiefaktor KWK

...aber wenn es "knallhart" um Förder-Euros geht, ist wieder die ach so theoretische Primärenergie relevant....
Datum: 19.05.2016 13:23:38

Re: Primärenergiefaktor KWK

Korrekt.
Allerdings ist die Annahme, dass "Fördergeschenke" verteilt werden, tatsächlich wohl nicht zutreffend.
Wer verschenkt etwas in einer reinen Verkaufsgesellschaft?
Meist sind es MAP, die weniger den tatsächlichen Bedürfnissen der individuellen Bauherren helfen, wohl aber den Verkäufern.
Primärenergie ist nur auf dem bunten Nachweispapier interessant, bezahlen muß der Betreiber beim Versorger jedoch tatsächlich verbrauchte Endenergie.
Hier klafft die Schere gewaltig auseinander!
Da ich nicht nur als TGA Planer und Energieberater, sondern auch als Gutachter unterwegs bin, könnte ich diesbezüglich fast schon ein Buch schreiben.
Datum: 19.05.2016 17:20:09

Re: Primärenergiefaktor KWK

Sich im Diskussionsforum gegenseitig Inkompetenz vorzuwerfen ist nicht gerade der Stil, den ich von Teilnehmern eines GEB-Diskussionsforums erwarte.
Zur Information: Natürlich rechnet kein Wärmelieferant Primärenergie ab. Das hat auch niemand ernsthaft behauptet. Jeder Wärmelieferant muss aber den Primärenergiefaktor der Wärme angeben, wobei dieser durch einen zertifizierten Sachverständigen berechnet werden muss. So sieht es die EnEV halt vor und wird auch von allen Wärmelieferanten gehandhabt.
Datum: 19.05.2016 16:11:22

Re: Primärenergiefaktor KWK

Ich kenne jetzt Ihre Software nicht, aber ich behelfe mir in solch einem Fall immer mit einer Aufteilung.
Von dem Betreiber der lokalen Nahwärmeversorgung bekomme ich die Anteile der verwendeten Brennstoffe mitgeteilt und entsprechend gibt es dann zwei theoretische Fernwärmeanschlüsse die prozentual gewichtet werden.
In Ihrem Fall einen rein regenerativen Fernwärmeanschluss und einen fossilen Anschluss.
Die 90% bzw 10% können dann einfach in der Software zugeteilt werden. Ich sehe hierin eine einfache Lösung die bisher bei mir auch seitens der KFW abgesegnet wurde.
Eine Zertifizierung der Nahwärmeversorgung kommt vielleicht Primärenergetisch zu besseren Werten aber da reden wir schon von Nachkommastellen, und warum soll ich den Angaben der hiesigen Stadtwerke Misstrauen, die sonst extra wegen meinem Bauvorhaben/Sanierung einen externen Gutachter für die Zertifizierung beauftragen müssten.
Datum: 22.05.2016 22:52:57

Re: Primärenergiefaktor KWK

"Ich sehe hierin eine einfache Lösung die bisher bei mir auch seitens der KFW abgesegnet wurde."
Wurde Ihnen diese, nach meiner Meinung falsche, Vorgehensweise von der KfW als richtig bestätigt, oder hatte Sie einfach noch keine Detailprüfung der KfW?
MfG
Datum: 11.09.2016 10:00:53

Re: Primärenergiefaktor KWK

Hallo,

inwieweit soll diese Vorgehensweise falsch sein?
Wenn ich keinen detaillierten Primärenergiefaktor nach AGFW des Fernwärme/Nahwärmenetzbetreibers habe verwende ich die normalen Standardwerte der EnEV.
Nur mit dem Unterschied, dass ich gemäß dem gemittelten in den letzten drei Jahren eingesetzten Brennstoffanteil, den ich vom Netzbetreiber genannt bekomme (z.B. 80% Hackschnitzel und 20% Erdgas) dann 2 Fernwärmeanschlüsse angebe. Diese werden dann entsprechend den nach Norm vorgegebenen Primärenergiefaktoren für regenerative Fernwärme und fossile Fernwärme aufgeteilt.
Also z.B. 80% mit einem Faktor von 0,1 und 20% mit einem Faktor von 1,3. Hierin sind ja bereits sämtliche Leitungsverluste, Stromverbraucher usw. beinhaltet. Nichts anderes macht man, wenn man z.b. in einem Gebäude zwei verschiedene Heizungsanlagen betreibt, dann wird auch nach Anteilen gewichtet.

Bei einer Vor-Ort-Kontrolle eines größeren MFH durch die KFW vor einem Jahr, wurde diese Vorgehensweise vom Kontrolleur nicht bemängelt.

Datum: 19.09.2016 09:07:53

Re: Primärenergiefaktor KWK

"Nichts anderes macht man, wenn man z.b. in einem Gebäude zwei verschiedene Heizungsanlagen betreibt, dann wird auch nach Anteilen gewichtet."
Das ist falsch und durch keine Norm gedeckt, mir scheint Sie haben sich noch nie mit der 4701-10 beschäftigt.
Beispiel Holz-Kohle Öfen: Egal wie der Anteil Brennstoff Holz zu Brennstoff Kohle ist, muss mit fP Kohle gerechnet werden, auch wenn nur Holz gekauft worden ist.
Beispiel WP mit Solaranlage: Egal wie hoch der tatsächliche Verbrauch/Ertrag von Wärmepumpenstrom, Nachheizstrom, Solarertrag ist, muss DIN-konform eine bivalente Anlage berechnet werden. Siehe technische FAQ 5.09: "Bei einer Anlagenkombination aus Wärmepumpe, thermischer Solaranlage und elektrischem Heizstab sind in DIN V 4701-10 standardmäßig Deckungsanteile bei Heizung von 85 % für die Wärmepumpe, 10 % für die thermische Solaranlage und 5 % für den elektrischen Heizstab festgesetzt."
MfG
Datum: 26.09.2016 13:50:18

Re: Primärenergiefaktor KWK

>">...Das ist falsch und durch keine Norm gedeckt, mir scheint Sie haben sich noch nie mit der
>4701-10 beschäftigt...>"

Ok, vielleicht war mein Zitat missverständlich. Selbstverständlich ist mir bekannt dass man nicht einfach nach Gutdünken irgend welche Anteilwerte festlegen kann. Zum Glück, sonst wüsste man bei der Konzeption neuer Projekte ja oftmals gar nicht wie man anfangen soll.

Aber in manchen Fällen muss man sich einfach vom streng nach Vorschrift-Standpunkt verabschieden.
Normen legen viel fest, wobei machmal auch Unsinn dabei ist oder wie Sie selbst schreiben Annahmen zu treffen sind, die einfach nicht mit der Wirklichkeit übereinstimmen.

Den gesunden Menschenverstand sollte man nicht ausschalten und im Rahmen der Möglichkeiten auch Ingeneurmäßig herangehen und abwägen was eigenlich das Ziel ist und wie dies erreicht werden kann.
Wichtig ist aber, dass man seine Vorgehensweise auf Grundlage vorhandener Fakten begründen und belegen kann und nicht einfach nur sagt das mach ich einfach so. Wenn man es dann mit einem kompetenten Gegenüber zu tun hat, der nicht nur Paragraphen auswendig lernt dann kommt man auch ans Ziel, bzw. an Fördermittel.

MfG
Datum: 26.09.2016 14:52:44

Re: Primärenergiefaktor KWK

... also ganz banales würfeln...
Datum: 28.09.2016 19:42:17

Re: Primärenergiefaktor KWK

>... also ganz banales würfeln...

Sorry, aber auf dieses Niveau lasse ich mich von Ihnen nicht herabziehen - Ende
Datum: 29.09.2016 07:58:33

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