GEB Newsletter: 11-2017 | 09.05.2017

Verbände

Zu wenig Tageslicht in Wohngebäuden

Viele Wohngebäude in Deutschland werden unzureichend mit Tageslicht versorgt. Zu diesem Ergebnis kommt eine von der Initiative GutesWohnen in Auftrag gegebene Studie. Demnach hinken die gesetzlichen Anforderungen an die Tageslichtversorgung von Gebäuden den Empfehlungen von Experten weit hinterher.

„Gesetzliche Mindestanforderungen sind nicht mehr zeitgemäß“

„Tageslicht ist essentiell für Wohlbefinden und Gesundheit der Menschen“, sagt Till Reine von der Initiative GutesWohnen. „Neueste medizinische Erkenntnisse zeigen den hohen Einfluss von Tageslicht auf unsere biologische Uhr und damit auf unsere Gesundheit. Da Menschen bis zu 90 % ihrer Zeit in geschlossenen Räumen verbringen, müssen auch Häuser und Wohnungen ausreichend mit Tageslicht versorgt werden. Leider hat die Politik das Thema in der Vergangenheit äußerst stiefmütterlich behandelt. Die ausreichende Versorgung mit Tageslicht muss bei künftigen Planungen und Sanierungen von Wohngebäuden eine deutlich größere Rolle spielen. Auch die gesetzlichen Mindestanforderungen sind nicht mehr zeitgemäß und müssen dringend angepasst werden.“

In der Studie des Beratungsunternehmens Ecofys wurde untersucht, ob die geltenden Tageslichtanforderungen aus der Musterbauordnung dem aktuellen Stand der Wissenschaft entsprechen. Die Verordnung schreibt vor, dass die Fensterflächen eines Raumes mindestens einem Achtel der Grundfläche betragen müssen. Das Ergebnis der Untersuchung: In einem typischen innerstädtischen Mehrfamilienhaus wird so gerade einmal ein Drittel des von Experten empfohlenen Tageslichts erreicht.

Bei einer typischen energetischen Sanierung verschlechtern sich die Werte zusätzlich um fast 30 %. Daher sollten Bauherren bei anstehenden Sanierungsmaßnahmen unbedingt auf mangelhafte Tageslichtversorgung hingewiesen werden. Außerdem sollten geeignete freiwillige Maßnahmen zur Verbesserung aufgezeigt werden. Sonst würde angesichts des Klimaschutz-Ziels der Bundesregierung, bis zum Jahr 2050 nahezu den kompletten Gebäudebestand zu sanieren, eine weitere und flächendeckende Verschlechterung der derzeitigen Situation eintreten.

„Fensterfläche für Neubauten verdoppeln“

Die Autoren der Studie schlagen weiter vor, die vorgeschriebene Fensterfläche für Neubauten zu verdoppeln und auf einen Wert von einem Viertel der Grundfläche zu erhöhen. Dies sei mindestens notwendig, um eine nach wissenschaftlichen Maßstäben akzeptable Tageslichtversorgung zu erreichen. Dass höhere Anforderungen möglich sind, zeigt der Blick ins europäische Ausland. Nach einer Untersuchung des Buildings Performance Institute Europe (BPIE) gehört Deutschland hier zu den Schlusslichtern. GLR

Download der Studie Tageslichtangebot in deutschen Gebäuden

  • zurück
  • Druckansicht
  • Versenden

Weitere Artikel zum Thema

Frage des Monats

In welcher Form beraten Sie zu Solarenergie?

Abstimmen
Wissenscheck

Testen Sie Ihr Wissen und lernen Sie dazu! Jeden Monat stellen wir Ihnen vier Fragen aus dem GEB-Umfeld und erläutern die richtige Antwort.

GEB-Newsletter

Ja, ich möchte den GEB-Newsletter kostenlos abonnieren: