GEB Newsletter: 17-2017 | 08.08.2017

Studien

Teurer Heizstrom ist große Belastung

Der Strompreisanstieg ist für viele Verbraucher mit Nachtspeicherheizungen und elektrischen Direktheizungen eine große Belastung. Das ist das Ergebnis einer bundesweiten forsa-Umfrage im Auftrag der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz bei mehr als 500 Haushalten mit Stromheizung.

„54 % der Haus- und Wohnungseigentümer sind mit den Heizkosten ihrer Stromheizung unzufrieden“, sagt Elke Dünnhoff, Projektleiterin bei der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. „Bei Mietern sind es sogar 65 %.“ Mehr als 1,4 Mio. Haushalte in Deutschland heizen mit Strom. Dreiviertel der Befragten nutzen Nachtspeicherheizungen, mehrheitlich als Einzelöfen. Die hohen Heizstrompreise führen in den befragten Haushalten im Schnitt zu Heizkosten von 154 Euro monatlich, allerdings mit einer großen Streuung. Die höchsten ermittelten Heizstromkosten lagen bei mehr als 400 Euro pro Monat.

Dabei heizen die meisten Haushalte mit Stromheizung bereits extrem sparsam. 45 % der Hausbesitzer heizen zusätzlich mit Holz. „Die Handlungsmöglichkeiten der Mieter sind dagegen begrenzt und häufig mit Komfortverlust verbunden“, so Dünnhoff. „Fast die Hälfte der Mieter heizt nur einen Teil der Räume. 14 % heizen die Wohnräume auf weniger als 20 Grad.“

In Zukunft kommen auf viele Stromheizer noch weitere Kosten zu. Denn knapp die Hälfte von ihnen verbraucht mehr als 10.000 kWh Heizstrom jährlich. In diesen Haushalten können Energieversorger ab 2017 einen Smart Meter einbauen, mit Zusatzkosten von bis zu 130 Euro jährlich. „Welche Vorteile das den Betroffenen bringt, ist jedoch fraglich“, so Energieexpertin Dünnhoff.

Stromheizungen werden oft als vermeintlich umweltfreundliche und zukunftsfähige Heizsysteme beworben. Gut 40 % der Stromheizer kennen die Werbeaussage, dass Nachtspeicherheizungen in Zukunft als moderne Speicherheizungen den Überschussstrom aus Windkraftanlagen aufnehmen können. Die Hälfte der Befragten findet das auch glaubwürdig: Aus Sicht der Verbraucherzentrale ist das bedenklich, da es bisher kein einziges konkretes Angebot eines Energieversorgers dazu gibt.

Ein Viertel der Haus- und Wohnungseigentümer mit Nachtspeicherheizungen hätte Interesse an einem Austausch des Heizsystems. Das ist jedoch häufig aufwendig und kostenintensiv – vor allem wenn Heizkörper, Rohrleitungen und Schornstein im Haus fehlen. Verbraucher wünschen sich in erster Linie eine unabhängige Beratung über mögliche Alternativen, gefolgt von besseren Fördermöglichkeiten für die Umstellung. Die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz fordert deshalb unter anderem:

  • Eine Kostensenkung der Strompreise durch eine Teilfinanzierung der EEG-Umlage über einen Energiewende-Fonds, der aus Steuermitteln finanziert wird.
  • Die (Wieder-)Aufnahme der Austauschverpflichtung für Nachtspeicherheizungen in Mehrfamilienhäusern mit mehr als fünf Wohneinheiten in das Gebäudeenergiegesetz und eine Ausweitung auf elektrische Direktheizungen.
  • Die Absenkung und Streckung der Modernisierungsumlage von bisher 11 % der Investitionskosten pro Jahr über zehn Jahre auf beispielsweise 6 % über 20 Jahre. Dies führt zu einer geringeren monatlichen Kostenbelastung der Mieter nach Abschluss von energetischen Modernisierungsmaßnahmen.
  • Die Ausweitung der finanziellen Förderung für den Austausch von Nachtspeicherheizungen und elektrischen Direktheizungen gegen klimafreundlichere Heizsysteme.
  • Eine Sensibilisierung von Arbeitsagenturen und Sozialbehörden für die höheren Heizkosten bei Leistungsempfängern (ALG II, Sozialhilfe etc.) mit Stromheizungen. Die Auswertung zeigt erstmals die deutlich höheren Heizstromkosten pro Quadratmeter und Jahr als bei anderen Heizsystemen.

Zusammenfassung der Studie: Verbraucherbefragung Stromheizungen

Download der Studie: Verbraucherbefragung Stromheizungen (07/2017)

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