GEB Newsletter: 04-2016 | 01.03.2016

Gebäudehülle

Luftdichtheitsmessung: Zurückgezogene Norm bleibt die Norm

Im Dezember 2015 ist DIN EN ISO 9972 als Norm für die Bestimmung der Luftdurchlässigkeit von Gebäuden mit dem Differenzdruckverfahren erschienen. Gleichzeitig wurde die Vorgängernorm DIN EN 13829 zurückgezogen. Für die Messpraxis in Deutschland ändere sich dadurch allerdings zunächst gar nichts, berichtet der Fachverband Luftdichtheit im Bauwesen (FLiB) klar. Denn: Sowohl die EnEV 2014 als auch die Luftdichtheitsnorm DIN 4108-7 beziehen sich in ihren relevanten Passagen jeweils ausdrücklich auf eine bestimmte Fassung der DIN EN 13829. Daher sei diese bei fast allen Konstellationen weiterhin anzuwenden.

Tatsächlich ähneln sich neue und alte Norm stark und beschreiben dasselbe Messverfahren. Ihr wesentlicher inhaltlicher Unterschied liegt in der Definition des Innenvolumens V: Nach DIN EN ISO 9972 schließt dieses das Volumen von Innenbauteilen wie Decken und Innenwänden mit ein und ist somit größer als nach DIN EN 13829. „Schon allein deshalb darf man bei Nachweismessungen im Rahmen der EnEV 2014 das Innenvolumen keinesfalls nach neuer ISO 9972 berechnen“, betont FLiB-Geschäftsführer Dipl.-Ing. Oliver Solcher. Denn die Luftdichtheitsanforderungen der geltenden Energieeinsparverordnung beziehen sich explizit auf das „gekühlte oder beheizte Luftvolumen“. Dieses errechnet sich nicht nur nach DIN EN 13829, sondern auch nach DIN V 18599-1 als Produkt aus Nettogrundfläche und mittlerer lichter Raumhöhe und schließt somit das Volumen der Gebäudekonstruktion aus.

Zwar rechnet der FLiB damit, dass die nächste EnEV-Novelle auf DIN EN ISO 9972 als Messnorm Bezug nehmen wird. Die abweichende Definition des Innenvolumens wird aber auch dann kein Problem darstellen, zeigt Solcher sich überzeugt: „Die ISO 9972 erlaubt es ausdrücklich, eigene nationale Bezugsgrößen festzulegen.“ Somit könne man auch künftig das Luftvolumen nach Definition der DIN V 18599-1 im nationalen Regelwerk ansetzen.

Mit anderen Unterschieden zur EN 13829 werde man sich jedoch befassen müssen, sobald die EnEV DIN EN ISO 9972 heranzieht. Unter anderem gibt es verwirrende Abweichungen bei den Formelzeichen. Beispiel: ISO 9972 verwendet das Symbol q50 für den Leckagestrom bei 50 Pa, während DIN EN 13829 damit die hüllflächenbezogene Luftdurchlässigkeit bezeichnet. Zudem fordert die neue Norm von Messgeräten für die Gebäudeluftdichtheitsmessung einen größeren Messbereich und höhere Genauigkeit. Nach Einschätzung des FLiB ist vor 2017 mit einer überarbeiteten EnEV nicht zu rechnen. GLR

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