GEB Newsletter: 29-2012 | 04.12.2012

GEBÄUDEHÜLLE

Von der Kunst der Leckagebewertung

Ist diese fehlerhafte Verklebung kritisch? Je nach Blickwinkel und Einzelfall kann man zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen. So ist es durchaus möglich, dass sie weder nennenswerte Lüftungswärmeverluste noch Zugluft verursacht und dennoch Ursache eines Bauschadens wird.
Wann ist eine Undichtigkeit in der luftdicht auszuführenden Gebäudehülle bedeutsam und wann nicht? So lautet eine der häufigsten Fragen, die dem Fachverband Luftdichtheit im Bauwesen (FLiB) gestellt wird. Dipl.-Ing. Oliver Solcher, FliB-Geschäftsführer: „Eine einfache und auf alle Fälle anwendbare Regel für das Bewerten von Leckagen gibt es leider nicht.“ Wohl aber Tipps für die Herangehensweise, mit deren Hilfe man sich einer Antwort nähern kann.

Unterschiedliche Auswirkungen
Will man die Bedeutsamkeit einer Leckage einschätzen, muss klar sein, welche ihrer Wirkungsweisen näher beleuchtet werden soll. Denn Fehlstellen in der luftdichtenden Ebene können Auswirkungen auf ganz unterschiedliche Bereiche haben: Beispielsweise können sie die Funktionsfähigkeit einer Lüftungsanlage und den Energieverbrauch eines Gebäudes beeinflussen, sich auf das Wohlbefinden der Nutzer auswirken und unter ungünstigen Bedingungen auch für Feuchteschäden an der Konstruktion verantwortlich sein.

Merkmale der Leckagen betrachten
Vor diesem Hintergrund betrachtet man die einzelnen Merkmale der Leckagen sowie weitere Einflussfaktoren: Wo im Gebäude – beispielsweise im Dach- oder Erdgeschoss – befinden sich die Luftlecks und welche Größe beziehungsweise Fläche und Form haben sie? Mit welcher Geschwindigkeit werden sie bei vorgegebener Druckdifferenz zwischen innen und außen durchströmt? Wie ist die hinter der Leckage liegende Konstruktion aufgebaut? Wie werden die betroffenen Räume genutzt? Auch Anforderungen spezifischer Regelwerke oder vertragliche Vereinbarungen können eine Rolle spielen.

Dieselbe Leckage mit ganz unterschiedlicher Bedeutsamkeit
Je nachdem, welcher der zuvor aufgeführten Wirkungsweisen man sich zuwendet, erhalten die Antworten auf diese und ähnliche Fragen unterschiedliches Gewicht – und ein und dieselbe Leckage ganz unterschiedliche Bedeutsamkeit. Beispiel: Die im Dachgeschoss gefundene Fehlstelle kann für die Energiebilanz des Gebäudes völlig nebensächlich sein und auch keine unangenehmen Zuglufterscheinungen erzeugen, langfristig aber zur Ursache eines Bauschadens durch ausströmende Raumluft werden.

Bereits dieser einfache Fall zeigt, wie viele Faktoren beim Bewerten von Luftlecks zusammenspielen. „Wer einen sogenannten Grenzwert für die Strömungsgeschwindigkeit oder gar den Dichtheitsnachweis für das Gesamtgebäude als einzigen Maßstab zum Beurteilen von Leckagen heranzieht, greift zu kurz“, betont man beim FLiB. Dennoch komme dies in der Praxis leider vor. Außerdem sei anzumerken, dass eine intensive Leckagesuche, die das Bewerten der Fehlstellen mit umfasst, über die Leckageortung im Rahmen eines Standard-Luftdichtheitstests hinausgehe.

Leckageortung praktisch erproben
Das Suchen und Bewerten von Leckagen steht auch im Mittelpunkt des FLiB-Messeauftritts auf der BAU vom 14. bis zum 19. Januar 2013 in München: In Halle B0, Stand 7, können Besucher an einem Gebäudenachbau Leckageortung praktisch erproben. Ziel des gemeinsam mit dem Bundesverband für Angewandte Thermografie betriebenen Standes ist es, auf die Wichtigkeit baubegleitender Qualitätskontrollen aufmerksam zu machen. GLR
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