GEB Newsletter: 26-2012 | 06.11.2012

ENERGIE

Zeitvariabler Strompreis: Bisher unattraktiv

Zeitvariable Stromtarife sollen die privaten Stromkunden zu einem bewussten Stromverbrauch anregen. Die aktuellen Angebote bieten dafür jedoch nur einen geringen finanziellen Anreiz. Auch bei einer deutlichen Änderung des Verbrauchsverhaltens lassen sich durchschnittlich nur 25 Euro pro Jahr einsparen. Das ist das Ergebnis einer Analyse des Vergleichsportals Verivox, bei der die zeitvariablen Angebote der 100 größten Grundversorger untersucht wurden.

Stromversorger sind gesetzlich verpflichtet
Seit Anfang des Jahres 2011 sind Stromversorger gesetzlich verpflichtet, mindestens einen Stromtarif anzubieten, der den jeweiligen Zeitpunkt des Stromverbrauchs berücksichtigt. Damit soll es für Stromkunden attraktiver werden, ihren Stromverbrauch in Zeiten zu verlegen, in denen niedrigere Preise gelten. Geregelt wird dies mit im Energiewirtschaftsgesetz (EnWG) in § 40 Abs. 5: „Lieferanten haben, soweit technisch machbar und wirtschaftlich zumutbar, für Letztverbraucher von Elektrizität einen Tarif anzubieten, der einen Anreiz zu Energieeinsparung oder Steuerung des Energieverbrauchs setzt. Tarife im Sinne von Satz 1 sind insbesondere lastvariable oder tageszeitabhängige Tarife.“

Alte Tarifmodelle im neuen Gewand
Von den 100 größten Grundversorgern bieten 91 Anbieter einen zeitvariablen Tarif an. 40 Stromversorger haben ein Angebot, das den Einbau eines intelligenten Stromzählers erfordert. Dafür kommen je nach Anbieter Zusatzkosten zwischen 80 und 150 Euro auf die Verbraucher zu. Die restlichen 51 Grundversorger bieten lediglich einen herkömmlichen Schwachlasttarif an, bei dem der Stromverbrauch in eine Hochtarifzeit (HT) und eine Niedertarifzeit (NT) eingeteilt wird. Auch in diesem Fall ist der Einbau eines neuen Zählers mit zwei Zählwerken notwendig.

Unattraktives Einsparpotenzial
Der Vergleich der variablen Tarife mit dem jeweiligen Grundversorgungstarif zeigt, dass die zeitabhängigen Tarife bei gleichem Verbrauchsmuster im Durchschnitt nur 4 Euro/a günstiger sind als der Standardtarif. Schaffen es die Stromkunden, ihren Stromverbrauch um 10 % in die günstigere Tarifzeit zu verlagern, können im Vergleich zur Grundversorgung 25 Euro/a eingespart werden. Um diese Einsparung gegenüber dem Standardtarif zu erreichen, muss der Alltag jedoch dem Diktat des Stromzählers untergeordnet werden, so Verivox.

„Nischenprodukt für Technikbegeisterte“
Wie gering das Einsparpotenzial bei variablen Tarifen ist, wird beim Vergleich mit dem günstigsten verfügbaren Tarif des jeweiligen Grundversorgers deutlich. Wer beim selben Anbieter bleibt und den günstigsten Tarif (häufig mit längerer Laufzeit) wählt, kann im Vergleich zur Grundversorgung durchschnittlich 84 Euro/a einsparen. „Aufgrund der geringen Einsparmöglichkeiten sind variable Stromtarife derzeit nur eingeschränkt empfehlenswert. Sie werden wohl noch eine Weile ein Nischenprodukt für Technikbegeisterte bleiben“, sagt Dagmar Ginzel, Energieexpertin bei Verivox. GLR
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