GEB Newsletter: 18-2011 | 09.08.2011

FÖRDERUNG

Fördergeldberechnung auf Bierdeckel

Der Europäische Verband der Energie- und Umweltschutzberater (EVEU) fordert von der Bundesregierung eine Vereinfachung der Förderprogramme für Gebäudesanierung und regenerative Energien und hat dazu ein eigenes Förderkonzept vorgelegt. Kernpunkt des EVEU-Vorschlags: Die bisherigen Förderprogramme für einzelne Technologien oder Energieträger sollen durch Pauschalbeträge abgelöst werden. „Maßgeblich für die Höhe der Förderung ist die energetische Effizienz der Maßnahme und damit am Ende die eingesparte Energie und nicht die Technologie, mit der die Energie eingespart wird“, sagt Thomas Lohr. „Wir wollen ein langfristiges, leicht verständliches und gerechtes Förderkonzept“, so der EVEU-Vorsitzende.

Schlingerkurs verunsichert die Verbraucher
Bereits seit Jahren beklagt EVEU den Schlingerkurs der Bundesregierung in der Förderpolitik. „Das andauernde Auf und Ab und Hin und Her hat die Verbraucher stark verunsichert. Verlässlichkeit und Planungssicherheit waren Fremdwörter in der Förderpolitik der letzten Jahre“, moniert Lohr. Zudem seien die bestehenden Fördermaßnahmen gekoppelt an bestimmte Energieträger, Technologien, Energiewerte oder Quadratmeterzahlen viel zu undurchsichtig und kompliziert.

Verlässliche und einfache Rahmenbedingungen
Lohr nennt das Förderprogramm der Stadt München als Beispiel: „Die Kosten für die Beratungsleistung, die ich als Hausbesitzer benötige, um das Programm überhaupt in Anspruch nehmen zu können, fressen den Förderbetrag fast restlos auf. Der Hausbesitzer hat also nichts davon, außer einem Haufen Papierkrieg.“ Damit müsse endlich Schluss sein. „Was wir brauchen sind nachhaltige, verlässliche und einfach verständliche Rahmenbedingungen“, fordert Lohr. „Friedrich Merz hat vor Jahren einmal gefordert, dass jeder Bürger seine Steuer auf einem Bierdeckel ausrechnen können solle. Wir wollen, dass jeder Hausbesitzer seine Fördergelder auf einem Bierdeckel ausrechnen kann.“

12.000 Euro Gesamtförderung
Mit dem Förderkonzept des EVEU wäre dies möglich: Insgesamt stehen dem Hausbesitzer nach dem EVEU-Modell für die energetische Sanierung rund 12.000 Euro Gesamtförderung zur Verfügung. „Diese Zahl ist nicht aus der Luft gegriffen. Sie entspricht in etwa den bestehenden Förderprogrammen. Es geht uns aber nicht um die Höhe der Förderung, sondern nur um den Weg, wie die Hausbesitzer an die Fördergelder gelangen“, betont Lohr.

Einzelmaßnahmen oder auch Komplettpaket
Tauscht ein Hausbesitzer eine Heizung aus, die älter als 15 Jahre ist, bekommt er 2500 Euro. Wird dabei auf eine regenerative Heizung zurückgegriffen, gibt es nochmal 1000 Euro obendrauf. Der Einsatz von Solar bei der Trinkwassererwärmung mit 500 Euro gefördert, der Einsatz von Solar als Heizungsunterstützung mit 1500 Euro. Für den Austausch der Fenster oder die Dachsanierung gibt es ebenfalls 1500 Euro. Wer die Fassade dämmt, kann mit 2500 Euro rechnen und für kontrollierte Wohnraumlüftung stehen 1000 Euro zur Verfügung. Gefördert werden Einzelmaßnahmen oder auch das Komplettpaket.

Handwerkerrechnung als Nachweis
Als Nachweis für die Förderfähigkeit soll nach dem Vorschlag des EVEU die Handwerkerrechnung genügen. „Das Ganze muss einfach und unkompliziert sein, damit Impulse und Anreize für Hausbesitzer geschaffen werden. Wir müssen die Austauschgeschwindigkeit deutlich erhöhen und dem Sanierungsstau ein wirksames Mittel entgegensetzen“, fordert Lohr.

EVEU lehnt Steuerabschreibungs-Modell ab
Das neue EVEU-Förderkonzept sei dabei nicht nur einfacher, als die bestehenden Fördermaßnahmen, sondern auch gerechter als die von der Bundesregierung geplante steuerliche Abschreibung von Modernisierungsmaßnahmen. „Die Möglichkeit der Steuerabschreibung ist ein Geschenk an Besserverdiener. Was hat ein Rentner und Hausbesitzer groß davon, wenn er die Sanierungsmaßnahme steuerlich geltend machen kann“, fragt sich Lohr. Zudem sehe das Modell keine Teilförderungen vor. „Auch hier trifft die Regelung erneut nur Besserverdiener, die die hohe Investitionssumme für die Gesamtförderung aufbringen können“, kritisiert der EVEU-Vorsitzende.

In den kommenden Wochen will der EVEU sein Förderkonzept weiter konkretisieren und mit politischen Entscheidungsträgern diskutieren. Ab September soll eine erste Fassung des Förderkonzepts dann auf der Website des EVEU (www.eveu.de) zum Download stehen. GLR
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