GEB Newsletter: 19-2010 | 07.09.2010

LESERBRIEFE

„Vielen Dank KfW, für die Bereinigung“

Im letzten GEB-Newsletter berichteten wir über den Mahnruf der „Bundesvereinigung Bauwirtschaft“, dass die Bundesregierung angesichts der Einstellung der Förderung von Einzelmaßnahmen „den Klimaschutz gegen die Wand fahre“ (zum Artikel). Zu einer deutlich anderen Bewertung kommt Energieberater Dr. Thomas Gerstenhöfer in einem Leserbrief:


Sehr geehrte Redaktion des GEB,

im Grunde muss man die jüngsten Bereinigungen in den KfW-Programmen „Energieeffizient Sanieren“ begrüßen – aus zwei Gründen:

  1. Einzelmaßnahmen werden – weil's der einfachere Weg ist – oft ohne Sinn und Verstand kombiniert. Bauphysikalische Folgen punktueller Änderungen am Gebäude werden selten bedacht, weil niemand den ahnungslosen Bauherrn darauf hinweist. Im Interesse des Handwerkers liegt es in der Regel nicht. Beispiel: Nicht jeder Gipser, der ein WDVS verkaufen möchte, wird den Bauherren darauf hinweisen, dass er zunächst die alten Fenster austauschen sollte, vor allem, wenn er merkt, dass die Mittel für beide Maßnahmen nicht reichen werden.
  2. Ich erlebe es immer wieder, dass ich im Vorfeld von Sanierungen zu Rate gezogen werde. Ich beantworte viele Fragen, letztlich entscheidet man sich für Einzelmaßnahmen. Meine weitere Unterstützung ist dann nicht mehr erforderlich. Es ist oft sehr schwer den Leuten dann plausibel zu machen, dass ich jetzt eine Rechnung stellen werde (wie heißt das beim Arzt so schön: „Eingehende, auch telefonische Beratung“). Man betrachtet meine Bemühungen als Werbemaßnahme, weil ich ja einen Auftrag für die weitere Begleitung haben möchte.

Mein Fazit: vielen Dank, KfW. Und das ist nicht ironisch gemeint!
Dr. Thomas Gerstenhöfer, GSP Trauth + Gerstenhöfer GmbH, Erpolzheim


Anmerkung der GEB-Redaktion
In unserem Flash-Newsletter am 16. August 20010 hatten wir gemeldet „KfW streicht in Energieeffizient Sanieren die Förderung von Einzelmaßnahmen“ (zum Artikel). Die Empörung der meisten GEB-Leser war groß. Energieberater Marco Erlenbeck sendete uns einen offenen Brief zu, in dem er die „Nacht- und Nebelaktion“ der KfW Förderbank und die Förder- und Informationspolitik als „unerträglich und kontraproduktiv“ kritisiert und um die Pionierarbeit vieler Akteure fürchtet (zum Artikel). Auch zu diesem Leserbrief bekamen wir viele Zuschriften. Auch kritische, die anmerken, dass die KfW-Förderprogramme die Bauherren viel zu häufig in die falsche Richtung lenken und so oft nicht nach dem individuellen Bedarf, sondern nach Fördermaximum entscheiden. Sorgfältig ausgearbeitete Sanierungskonzepte fallen dann oft unter den Tisch. Auf der anderen Seite wird kritisiert, dass mittlerweile vorwiegend Sanierungen gefördert werden, wo ohnehin Geld und Motivation vorhanden sind aber die Förderung „mitgenommen“ werde. Ein Energieberater schrieb: „Das Ende der Förderung der Einzelmaßnahmen bereinigt nicht die vielen Missstände im KfW-Fördersystem, aber ich hoffe, es markiert den Anfang für eine Neupositionierung.“ GLR

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