GEB Newsletter: 23-2009 | 20.10.2009

ERNEUERBARE

Erneuerbare treiben Stromkosten nicht

Die vier Übertragungsnetzbetreiber haben am 15. Oktober eine Prognose der EEG-Umlage für das Jahr 2010 veröffentlicht. Sie wurde zum ersten Mal nach der neuen Ausgleichsmechanismusverordnung (AusglMechV) ermittelt. Danach zahlen Verbraucher künftig 2 Ct/kWh für die Vergütung des Stroms aus erneuerbaren Energien statt wie bisher geschätzt ca. 1,2 Ct/kWh. Das schnelle Wachstum der erneuerbaren Energien im Stromsektor ist aber nicht der einzige Grund für den Anstieg der EEG-Umlage.

EEG-Umlage hat kaum Einfluss auf Strompreis
Der Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) weist darum die Schlussfolgerung, erneuerbare Energien trieben den Strompreis in die Höhe, als falsch zurück. Während die durchschnittlichen Haushaltsstrompreise in den letzten zehn Jahren um 9,3 auf 23,2 Ct/kWh gestiegen seien, habe sich der Anteil der EEG-Umlage im gleichen Zeitraum lediglich von 0,2 auf 1,1 Ct/kWh erhöht.

Mehrere Effekte erhöhen EEG-Umlage-Prognose
Grundlage für die neue Prognose der EEG-Umlage sind die Strombörsenpreise von 2009, die wegen der Wirtschaftskrise deutlich niedriger lagen als in der Vergangenheit. „Zieht mit der erwarteten wirtschaftlichen Erholung der Strompreis wieder an, verkleinert sich die Differenz zwischen dem Börsenpreis und der Vergütung für erneuerbaren Strom und damit auch die jetzt sehr hoch angesetzte Umlage“, erläutert Björn Klusmann, BEE-Geschäftsführer. Fast die Hälfte der prognostizierten Umlageerhöhung beruhe auf diesem Effekt. Zudem wurde für 2010 die Berechnungsgrundlage geändert. Aus dem schnelleren Ausbau der erneuerbaren Energien im Stromsektor resultiert Laut BEE nur etwa ein Drittel der Umlageerhöhung.

Positive Effekte unterschlagen
Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hat in diesem Zusammenhang beklagt, dass entlastende Effekte durch den Zubau erneuerbarer Energien in der öffentlichen Debatte zum wiederholten Mal systematisch ignoriert werden. Volkswirtschaftlich oder direkt beim Stromkunden Kosten senkende Effekte würden in Milliardenhöhe unterschlagen, kritisiert der DUH-Bundesgeschäftsführer Rainer Baake. So führe der wachsende Anteil erneuerbarer Energien an der Strombörse insgesamt zu einer Senkung der Preise, weil die am teuersten produzierenden konventionellen Kraftwerke seltener hochgefahren werden müssen. Dieser Merit-Order-Effekt hatte laut DUH für 2007 und 2008 einen geschätzten Preissenkungseffekt von 3 bis etwas mehr als 4 Mrd. Euro. Das entspricht etwa der Hälfte der für 2010 errechneten Mehrkosten durch erneuerbare Energien von 8,2 Mrd. Euro.

Einsparungen durch CO2-Zertifikate
Auf 1,2 Mrd. Euro werde sich 2010 der Wert der durch Strom aus erneuerbaren Energien eingesparten CO2-Zertifikate summieren. Hinzu kämen heute für das Jahr 2010 noch nicht abschätzbare Nettoersparnisse, weil wegen des Ausbaus der erneuerbaren Energien weniger Energierohstoffe nach Deutschland importiert werden müssen. Für das Jahr 2008 wurden die Importersparnisse im Stromsektor auf 2,7 Mrd. Euro geschätzt.

Einsparungen durch vermiedene Schäden
Der mit Abstand größte Nutzen des Einsatzes von erneuerbaren Energien ergebe sich jedoch aus den wegen der CO2-Einsparung vermiedenen Schäden durch den Klimawandel. Diese liegen nach wissenschaftlichen Abschätzungen mit 70 Euro/t CO2 fünfmal höher als der Preis, der derzeit für Emissionszertifikate bezahlt werden muss. Die vermiedenen externen Kosten betragen im Jahr 2010 voraussichtlich rund 6 Mrd. Euro, so die DUH. Dabei seien Schäden durch andere Schadstoffe der konventionellen Stromerzeugung wie Schwermetalle, Stickoxide oder Feinstaub noch gar nicht berücksichtigt. „Bei einer ehrlichen Rechnung, die die Entlastungseffekte einbezieht, kommen wir eher auf eine dämpfende Wirkung der erneuerbaren Energien als eine den Preis treibende“, sagt Baake. GLR

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