GEB Newsletter: 22-2008 | 21.10.2008

MODERNISIERUNG

Mehr Unterstützung für Private gefordert

Private Eigentümer haben im vergangenen Jahrzehnt in die Gebäudemodernisierung ihrer selbstgenutzten Immobilie durchschnittlich 27.000 Euro investiert. Unter Einbeziehung des Wertumfangs der Eigenleistungen hatten die Modernisierungsmaßnahmen eine Größenordnung von 36.000 bis 40.000 Euro. Das ergab eine vom Bauherren-Schutzbund (BSB) und dem Verband Wohneigentum in Kooperation mit dem Institut für Bauforschung Hannover bundesweit durchgeführte Befragung unter 1270 privaten Hausbesitzern zu den Themen Energiesparen, Energieberatung und energetischer Gebäudemodernisierung. Allein die befragten Wohneigentümer investierten in den vergangenen zehn Jahren insgesamt 33 Mio. Euro. Private Investitionen beim selbstgenutzten Wohneigentum prägen damit entscheidend das Bauen im Bestand.

Kostenersparnis und Klimaschutz sind Hauptziele
Die Umfrage, bei der Mehrfachnennungen möglich waren, zeigt, dass Wohneigentümer die Ziele energetischer Modernisierung klar vor Augen haben: 77% sehen Prioritäten in der Einsparung von Energiekosten, 46% bei der Energieeinsparung für verbesserten Klimaschutz, 36% bei der Wertsteigerung und 24% bei der Erhöhung des Wohnkomforts.

55% der ausgewerteten Gebäude wurden zwischen 1949 und 1978 errichtet, weitere 20% im Zeitraum von 1979 bis 1984. Über 70% der Eigentümer - die überwiegend freistehende Einfamilienhäuser in Massivbauweise selbst bewohnen - gehören der Altersgruppe über 50 Jahre an, 47% der Altersgruppe über 60 Jahre.

Hohe Einsparpotenziale
Auf den ersten Blick widersprüchlich sind folgende Feststellungen: Zwei Drittel der Eigenheimer halten den baulichen Zustand ihres Hauses für sehr gut oder gut und sind überwiegend der Meinung, dass normale Instandhaltungsmaßnahmen ausreichen, dieses Niveau zu erhalten. Nur 33% der Befragten konstatieren einen hohen Instandsetzungsbedarf. Zugleich werden aber die Einsparpotenziale von drei Vierteln der Eigentümer als mittel bis hoch bezeichnet. Lediglich knapp 3% der Gebäude sind bereits energieoptimiert. Hier wird offensichtlich, dass die subjektive Einschätzung des Wertes des eigenen Hauses nicht hindert, in der konkreten Einzelbetrachtung den Zustand realistisch einzuschätzen.

Bereit zur energetischen Optimierung
Zwar heizen die meisten der befragten Eigentümer mit Erdgas oder Heizöl, nur wenige noch mit Stein- oder Braunkohle, aber alternative bzw. regenerative Energien wie Erdwärme, Sonnenenergie oder Holzpellets werden bereits von einem Viertel eingesetzt, oft in Kombination mit fossilen Energieträgern.

Insgesamt ist die Bereitschaft vorhanden, den energetischen Standard des Gebäudes zu optimieren. In unterschiedlichen Bereichen haben Eigentümer bereits energetisch saniert, beispielsweise neue Fenster oder Türen eingebaut oder die Heizungsanlage ausgetauscht. Generell werden energetische Einsparpotenziale eher in den Außenbauteilen der Gebäudehülle, in Fenstern, Türen und dem Dach gesehen. Innenliegende Bauteile wie oberste Geschossdecke oder Kellerdecke liegen weniger im Blickfeld.

Viele Hauseigentümer planen innerhalb der nächsten 3 Jahre weitere Investitionen in erheblichem Wertumfang für die energetische Modernisierung, neben Verbesserungen der Außenhülle geraten die Heizanlage und der Einsatz von Solartechnik in den Blick.

Kaum Akzeptanz von Energieberatung und Energieausweisen
Dass die Einschätzung des baulichen Zustandes durch die Besitzer oft nicht mit dem tatsächlich notwendigen energetischen Modernisierungsaufwand für das eigene Haus korrespondiert, weist auf erhebliche Informationsdefizite hin: Erst 12% der Befragten haben eine Energieberatung in Anspruch genommen. 70% geben an, eine solche Beratung auch nicht geplant zu haben. Erst für 5% der Gebäude wurde ein Energieausweis ausgestellt - weitere 6% der Eigentümer haben die Ausstellung eines Energieausweises beauftragt. 80% der befragten Wohneigentümer halten einen Energieausweis nicht für notwendig. Dies ist keine Überraschung, da der Energieausweis nach der Energieeinsparverordnung für selbstnutzende Wohneigentümer sowie bei Verschenken und Vererben der Immobilie nicht obligatorisch ist.

Wirksamere Förderung notwendig
Knapp drei Viertel der Befragten haben ihr Erspartes für die Investitionen eingesetzt. Auch wenn Bauspardarlehen eine gewisse Rolle spielen, fällt auf, dass KfW-Kredite und -Zuschüsse in sehr geringem Umfang wahrgenommen wurden. Nun hat jedoch die Hälfte der Befragten die Maßnahmen in zwei und mehr Abschnitten durchgeführt und nicht, wie die Fördervoraussetzungen lauten, auf einmal. Zwei Drittel der Befragten halten die Ausweitung staatlicher Zuschüsse für notwendig. Für direkte Zuschüsse plädieren über 60%, für verbilligte Kredite nochmals knapp 30%. Für 41% der Wohneigentümer besitzen zusätzliche steuerliche Anreize bei der energetischen Modernisierung selbstgenutzten Wohneigentums einen besonders hohen Stellenwert. GLR

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