GEB Newsletter: 16-2007 | 27.06.2007

ANLAGENTECHNIK

Wärmepumpe: „Klimakiller im Schafspelz“?

„Leider muss ich meine Mitgliedschaft [Anmerkung: beim Bund der Energieverbraucher] zum nächstmöglichen Zeitpunkt kündigen: Wir haben eine neue Heizungsanlage (Luftwärmepumpe) eingebaut. Leider wurden die endgültigen Kosten doch einiges höher als geplant und wir müssen nun leider auf jeden Cent schauen“. Dieser Leserbrief aus der Energie Depesche 02-2007 dokumentiert (vermutlich) ein Beispiel, vor dem viele Fachleute schon seit längerem warnen.

Mit dem Boom bei Wärmepumpen wurde vielfach nicht mehr so genau geschaut, ob eine Wärmepumpe tatsächlich die beste Variante für ein Gebäude darstellt. Richtig geplant, installiert und mit dem richtigen Wärmeabgabesystem und der richtigen Wärmequelle, nachträglicher Betriebsoptimierung und in einem passenden Gebäude, sind elektrische Wärmepumpen durchaus in der Lage, die Gesamtkosten zu verringern. Aber eben nur, wenn alle Parameter passen.

„Klimakiller im Schafspelz“
Elektrische Kompressionswärmepumpen haben allerdings noch ein generelles Problem: In Deutschland ist die zum Betrieb erforderliche elektrische Energie durch die Nutzung von Kohle im Strommix mit sehr hohem CO2-Ausstoß verbunden. Pro kWh Strom wird aktuell nach Angaben des Umweltbundesamts (UBA) ein CO2-Aquivalent von 0,646 kg emittiert, außerdem ist ein kumulierter Verbrauch nichterneuerbarer Energieträger von 2,65 kWh zu berücksichtigen. Werden also keine optimalen Jahresarbeitszahlen erreicht, ist der Umweltvorteil schnell dahin.

So warnten die Energieberater der Verbraucherzentrale Saarland unter der Überschrift „Klimakiller im Schafspelz – Wärmepumpen: kontraproduktiv statt regenerativ“ kürzlich davor, dass elektrisch betriebene Wärmepumpen fälschlicherweise regenerativen Energien gleichgesetzt würden: „In Wirklichkeit würde eine umfassende Nutzung der Wärmepumpen Deutschland auf seinem Weg zu mehr Klimaschutz und Energieeffizienz um Jahrzehnte zurückwerfen.“

Neben der Emissionsproblematik bei der Stromerzeugung, wird dafür ein weiterer Grund angeführt: Die hohen Kosten könnten echte Energiesparmaßnahmen, beispielsweise eine gute Wärmedämmung, blockieren. Hinzu kämen volkswirtschaftliche Kosten durch den Bedarf zusätzlicher Kraftwerkskapazitäten. Die Verbraucherzentrale: „Ein umfassender Einsatz von Wärmepumpen wäre also insgesamt betrachtet eine gigantische Kapitalverschwendung ohne echte Energieeffizienz.“ (Pressemeldung der Verbraucherzentrale Saarland)

Staat fördert nicht, aber die Verbraucher
Mit der Wärmepumpe hat sich auch das UBA im Rahmen der Neuausrichtung des Marktanreizprogramms (MAP) Anfang 2007 beschäftigt und dazu ein Positionspapier veröffentlicht. Die Aussagen sind eindeutig: Elektrische Wärmepumpen schonen das Klima nicht genug, um sie im Rahmen des Marktanreizprogramms für erneuerbare Energien staatlich zu fördern: „Zwar können erdwärmegestützte Wärmepumpen – bei angenommenen theoretischen Bestwerten ihrer Effizienz – bis zu 35% weniger klimaschädliche Treibhausgase ausstoßen als Gas-Brennwertheizungen. Doch auf dem Markt befindliche Bio-Masseheizungen verursachen mindestens 85% weniger Treibhausgasemissionen als Gas-Brennwertheizungen.“ Auch hier wird auf die Emissionen bei der Stromerzeugung verwiesen, das UBA bezeichnet sie für die elektrische Wärmepumpe als „Rucksack an Umweltschäden“.

Zudem verweist das UBA darauf, dass viele Stadtwerke und Energieversorger günstige Sondertarife für Wärmepumpen-Strom oder Investitionszuschüsse anbieten. Richtig eingesetzt würden sie damit keiner besonderen Förderung durch den Bund bedürfen. Für potenzielle Kunden, die in einem Versorgungsgebiet wohnen, wo keine Förderung gewährt wird, ein schwacher Trost. Wenngleich die Argumentation der des UBA nachvollziehbar ist, bedeutet sie doch gleichzeitig, dass die Förderung von den anderen Stromkunden mitgetragen wird. Wie lange dieses System mit Abschlägen von oft bis zu 12 ct/kWh allerdings noch bestehen bleibt, ist bei einem weiteren Wärmepumpenzubau und Preisdruck auf die Strompreise ohnehin abzuwarten. GLR

Uns interessiert Ihre Meinung
Unterm Strich bedeuten die Argumente: Dem Einsatz einer Wärmepumpe muss eine umfassende Gebäudeenergieberatung vorhergehen. Uns interessieren deshalb Ihre Meinung und Ihre Erfahrungen zu diesem Thema. Verfügen Sie eventuell sogar über gemessene Energie- und Betriebskosten vor und nach einer Modernisierung?

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