GEB Newsletter: 13-2007 | 24.05.2007

ENERGIEAUSWEIS

Konstruktive Frustration

Es hatte es sich schon seit längerem abgezeichnet, dass die Energieeinsparverordnung vieles von dem, was Gebäudeenergieberater als unbedingt erforderlich halten, nicht umsetzen wird. Trotzdem existierte bis zur Vorlage der EnEV durch die Bundesregierung am 25. April noch die Hoffnung, dass zumindest hoch problematische Regelungen, wie die Datenaufnahme durch den Eigentümer, wieder in der Schublade verschwinden. Das ist nicht geschehen. Jetzt ist die Enttäuschung groß. Viele Energieberater sehen zudem die EnEV als Rückschritt beim Umweltschutz. Neben der Frustration gibt es aber auch konstruktive Vorschläge und Hinweise.

Ausweis nur mit Begehung
Kein Ausweis ohne Begehung des Gebäudes – keine subventionierten Dumpingpreise. Das haben die meisten Leserbriefschreiber bereits als Leitlinie festgelegt. Wenngleich sich hier sicher überwiegend die persönliche Überzeugung widerspiegelt, bei der von der EnEV protegierten Low-Cost-Variante kann ein Energieberater im Wettbewerb mit überregionalen Anbietern sowieso kaum mithalten. Letztendlich muss man sich fragen, ob man für 29,95 Euro überhaupt feststellen kann, ob Daten des Eigentümers „begründeten Anlass zu Zweifeln an ihrer Richtigkeit“ geben.

Mit „dem System“ leben
Niemand muss seine Prinzipien über Bord werfen, man kann auch mit den sich abzeichnenden Regelungen leben, haben einige Kollegen angemerkt. Einige begrüßen es sogar, dass sich die EnEV fachlich auf eine größtmögliche Distanz zur Energieberatung begeben hat. Zwar müsse man dem Kunden zunächst einmal erklären, dass der Energieausweis lediglich ein Hinweis darauf sein kann, sich richtig beraten zu lassen, doch das Gespräch mit dem Kunden lasse dem Energieberater alle Chancen das hochwertige Produkt Energieberatung zu verkaufen.

Genau analysieren was der Kunde benötigt
Zudem sei es erforderlich, die Kundengruppen zu segmentieren. Einem Verkäufer „hochwertige Modernisierungsempfehlungen oder gar eine Energieberatung zu verpassen“, mache beispielsweise wenig Sinn. Hier müsse man sich vielmehr überlegen, wie man dem (selbstnutzenden) Käufer eine auf sein Nutzungsprofil abgestimmte Beratung verkaufen kann. Ansatzpunkte werden hier bei den Baufinanzierern gesehen, die immer mehr erkennen, dass die energetische Qualität einer Immobilie auch darüber entscheidet, ob der Käufer seinen Kredit überhaupt zurückzahlen kann.

Interessanteste Gruppe benötigt Ausweis gar nicht
Am interessantesten bleibt allerdings für die Energieberatung der Eigenheimbesitzer, der gar nicht vom Energieausweis nach der EnEV (bis zur grundlegenden Modernisierung) betroffen ist. Ein sehr großer Anteil der Modernisierungsinvestitionen wird von genau dieser Zielgruppe getätigt. Allerdings meistens mit suboptimalem Erfolg, weil viel zu oft eine Bauteilverbesserung ohne Analyse aller Abhängigkeiten beauftragt werde. GLR

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