GEB Newsletter: 22-2006 | 25.10.2006

ENERGIEEINSPARUNG

Studie: 30% weniger Heizenergie bis 2020

Bessere Dämmung und Anlagentechnik sowie der stärkere Einsatz erneuerbarer Energien könnten den fossilen Heizenergiebedarf drastisch senken.
Die Verdoppelung des Modernisierungstempos und der Modernisierungseffizienz im Gebäudebereich kann die Einsparung von Energie und CO2-Emissionen gegenüber den aktuellen Aktivitäten verdreifachen. Weitere Potenziale lassen sich mit erneuerbaren Energien erschließen. Und das mit bereits heute verfügbarer Technik – wenn sie denn eingesetzt wird.

Bis 2020 kann der fossile Heizenergiebedarf mit diesen Maßnahmen um rund 30% gesenkt werden. Biogas und Bioöl, vornehmlich in der vorhandenen Infrastruktur den fossilen Pendants beigemischt, könnten die Importabhängigkeit Deutschlands bei Erdöl und Erdgas um 11% verringern, weist Prof. Dr.-Ing. Manfred Kleemann, vormals Forschungszentrum Jülich, in einer aktuellen Studie aus, die der Bundesindustrieverband Deutschland Haus-, Energie- und Umwelttechnik (BDH) beauftragt hat.

Zwei Maßnahmenpakete
Die errechneten Energieeinsparungen beruhen auf zwei Maßnahmenpaketen. Das erste verdoppelt das Tempo bei der energetischen Sanierung von Gebäuden mit vorhandener Technik und verdoppelt gleichzeitig die Modernisierungseffizienz: Beispielsweise werden derzeit nur bei 45% der Modernisierungen Brennwertheizkessel eingebaut, Solarwärmeanlagen lediglich bei 8% der neuen Heizungen installiert. Noch gravierender sind die Defizite beim Wärmeschutz: Nur 32% der möglichen Energieeinsparung werden heute im Durchschnitt tatsächlich erreicht. Noch wird zu häufig lediglich repariert und ausgewechselt, statt gleich eine energetische Modernisierung mit wirtschaftlichen Mehrkosten durchzuführen.

Zu beachten ist: Eine deutlich ausgeweitete Förderung der Gebäudemodernisierung mit den heutigen Programmen kann die Modernisierungseffizienz nur marginal verbessern. Sie ist hauptsächlich durch besser Aufklärungs- und Beratungsarbeit beim Kunden zu steigern. So soll erreicht werden, dass bis 2020 bei der Neuinstallation, die heute noch dominante Niedertemperaturtechnik vollständig durch Brennwerttechnik abgelöst wird. Und in 80 % der Fälle sollen dann Solarwärmeanlagen die Brennwertheizkessel unterstützen. Insgesamt soll der direkte Einsatz erneuerbarer Energien über Biomassenutzung, Solarthermie und Wärmepumpen verdoppelt werden. Beim Wärmeschutz von Gebäuden sollen statt bisher 32 mindestens 64 % der Potenziale genutzt werden.

Im zweiten Maßnahmenpaket werden dem Heizöl zunächst 5% Öl aus biogenen Quellen beigemischt, Biogas ersetzt 10% des Erdgases. Der Anteil der Erneuerbaren am Gesamtverbrauch würde mit den beiden Maßnahmenpakten bis 2020 so auf 15,8% steigen und damit fast vier Prozentpunkte höher als der Zielwert des Bundesumweltministeriums liegen. Maßnahmenpaket 1 kann sofort beginnen, Maßnahmenpaket 2 ist mittelfristig umsetzbar.

Maßnahmen zur Umsetzung
Um die beiden Maßnahmenpakete umzusetzen, muss das Ordnungsrecht die Mindeststandards für energetische Gebäudemodernisierung verschärfen, ein „wirtschaftliches Brennwertgebot“ durchsetzen und steuerliche Hemmnisse entschärfen. Außerdem fordert der BDH, dass der „Förderdschungel“ massiv gelichtet und die öffentliche Förderung über wirtschaftliche Anreize und steuerliche Abschreibungsmöglichkeiten von Gesamtmaßnahmen inkl. Anlagentechnik und Dienstleistung vorgenommen wird.

Politische Impulse sind über Zielvorgaben und -kontrollen, verbesserte rechtliche Rahmenbedingungen für energiesparende Investitionen sowie eine bessere Umsetzung bei der Einhaltung des wärmetechnischen Gebäudestandards und eine Reformierung des Eigentumsrechts erforderlich.

Aber auch alle Akteure entlang der Wertschöpfungskette sind gefordert. So fordert die Studie mehr Werbung und Pressearbeit für die energetische Gebäudesanierung, die Stärkung der Energiesparberatung, die Schaffung von mehr öffentlichen und/oder privaten Beratungsstellen, Fortbildungsmaßnahmen wie Fachworkshops und Leitfäden sowie eine Kampagne „Brennwert plus Solar“.

Weiterhin sollen Demonstrationsprojekte und eine Selbstverpflichtung der Marktpartner mehr Aufmerksamkeit erzeugen: Die Hersteller sollen sich zu mehr Öffentlichkeitsarbeit, Ausbildung und Demoprojekten verpflichten. Das Handwerk soll seine (Energie-)Beratungsleistungen verbessern und eine Qualitätsoffensive starten. Von der Wohnungswirtschaft wird die Festlegung von Effizienz- und Modernisierungszielen erwartet. GLR
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