GEB Newsletter: 14-2006 | 06.07.2006

ANLAGENTECHNIK

Pellets: Markt boomt weiter

Das Wachstum in der Pelletsbranche hält weiter an. In keinem anderen Marktsegment der Wärmebereitstellung zeichnet sich der Endverbraucherwunsch nach Unabhängigkeit von sich rasant verteuernden fossilen Energieträgern und Monopolisten deutlicher ab. So wurden von Januar bis März beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) im Rahmen des Marktanreizprogramms 8000 Anträge auf die Förderung einer Pellet-Feuerung gestellt, meldet Solar Promotion, Veranstalter des 6. Industrieforums Pellets (10. und 11. Oktober, Stuttgart) und der Fachmesse Pellets (11. bis 13. Oktober, Stuttgart).

Zwar ist das Niveau – verglichen mit Wärmeerzeugern für Heizöl und Erdgas noch niedrig – umso beeindruckender ist aber die Steigerungsrate bei den Pellet-Feuerungen um 230% gegenüber dem Vorjahresquartal. Entsprechend hoch sind die Herausforderungen, die das schnelle Wachstum der Branche diktiert: Stieg 2005 der Anlagenbestand „nur“ um etwa 15.000 auf etwa 42.000 Pellet-Feuerungen, traten dennoch aufgrund falscher Prognosen in einigen Regionen Lieferengpässe auf (wir berichteten).

Pellet-Markt 2006
Wie entwickelt sich der Bestand an Pellet-Heizungen? Selbst bei einem moderaten Wachstum von 15% p.a. wären bis Ende 2015 etwa 380.000 Pellet-Heizkessel installiert. Bei einer Steigerung von 25% p.a. wären es schon weit über 600.000. Etwa jede zehnte neu installierte Heizungsanlage würde dann Holzpellets als Brennstoff verwenden.
Bis Ende 2006 erwartet der Deutsche Energie-Pellet-Verband (DEPV) einen Zubau von etwa 28.000 Anlagen. Allerdings hängt das tatsächliche Marktvolumen auch von teilweise schwer zu kalkulierbaren Umständen ab:

Zum einen sind zuletzt die Förderzuschüsse im Marktanreizprogramm als Reaktion auf die hohe Nachfrage gesenkt worden. Förderte beispielsweise der Bund zentrale Pellet-Heizkessel bis 30kW mit einem Kesselwirkungsgrad von mindestens 90% bis Antragsdatum Anfang Oktober 2005 noch mit 1700 Euro, werden spätere Anträge bis zum 31. Januar nur noch mit 1360 Euro und danach mit 1088 Euro beschieden. Wie sich der Antragseingang weiter entwickelt, muss zwar noch abgewartet werden, in der Summe scheinen die sinkenden Förderbeträge die Endverbraucher aber (noch) nicht zu schrecken.

Zum anderen verteuern sich momentan auch die Pellets. Das hat zurzeit nichts mit Unterkapazitäten zu tun, sondern mit der dringend erforderlichen Schaffung von Lagerkapazitäten. Bis zu 20 Euro könnte dieser Aufschlag jede Tonne Pellets verteuern, zitiert die Fachzeitschrift „BRENNSTOFFSPIEGEL und mineralölrundschau“ in ihrer Ausgabe Juni 2006 den DEPV-Geschäftsführer Dr. Joachim Fischer.

Auch das Verbraucherverhalten kurz vor der Mehrwertsteuererhöhung zum Jahreswechsel dürfte Einfluss nehmen. Durch begrenzte Heizkessel-Produktionskapazitäten ist es schon heute unrealistisch, dass Kurzentschlossene eine im letzten Quartal 2006 bestellte Anlage noch rechtzeitig vor dem 3-%-Aufschlag eingebaut bekommen. Definitiv werden aber die Pellets-Lieferanten vor dem Jahreswechsel viel zu tun haben: Da man die Presslinge unproblematisch über einen längeren Zeitraum lagern kann, werden viele Endkunden zum Jahresende ihre Bunker noch bis zum Rand füllen wollen.

Neben diesen finanziellen Aspekten werden die Endverbraucher zunehmend auch über gezielt platzierte Artikel zum Thema Feinstaub im Zusammenhang mit Holz- und Pellet-Heizkesseln konfrontiert. Welchen Einfluss diese aber auf das Kaufverhalten haben, lässt sich aber momentan kaum beurteilen. Da Biomasseheizungen weiterhin vom Bund gefördert werden, scheinen die Endverbraucher bisher kaum beunruhigt zu sein.

Feinstaubdiskussion
Nervöser reagiert man in der Pelletsbranche und verfolgt mit wachsender Besorgnis die sich verschärfende Diskussion um den Beitrag von Holzfeuerungen zur Feinstaubbelastung. „Leider müssen wir feststellen, dass die Darstellung des Feinstaubproblems in der Presse, aber auch in Kreisen der Emissionsschützer zunehmend in erschreckend vereinfachender, pauschaler und wenig sachkundiger Weise geführt wird“, so Fischer. „Es kann nicht angehen, dass in dieser Diskussion der in den letzten Jahren erreichte technische Fortschritt bei Holzfeuerungen völlig negiert wird, Holzfeuerungen pauschal und ohne Beweis als dreckig bezeichnet werden und als Krönung einfache Holzöfen mit modernen Pellet-Feuerungen in eine Topf geworfen werden. Damit wird eine ganze Branche, die sich für Klima schonende Brennstoffe und effiziente, umweltfreundliche Heizsysteme einsetzt, in Misskredit gebracht und interessierte Verbraucher in höchstem Maß und völlig unbegründet verunsichert.“

Nach Berechnungen des DEPV tragen 50.000 Pellet-Heizungen weniger als 0,1% der gesamten Feinstaubemissionen in Deutschland bei. Richtig sei zwar, dass Pellet-Feuerungen Feinstaub emittieren, wie viel über das Rauchgas in die Atmosphäre gelangen, sei aber eine Frage der Qualität des Brennstoffs und der Verbrennungstechnik. Gerade bei den Holzfeuerungen habe sich in den letzten Jahren eine sprunghafte technische Weiterentwicklung vollzogen. Fischer: „Moderne Holzheizungen setzen heute nur noch rund 1/10 der Staubmenge frei, die vor 15 Jahren üblich war. Und im Vergleich aller Holzfeuerungen weisen Pellet-Feuerungen mit heute fast nicht mehr nachweisbaren Staubmengen von im Mittel nur 7 bis 10 mg/m³ besonders niedrige Emissionswerte auf.“ GLR
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