GEB Newsletter: 06-2006 | 06.04.2006

IHRE MEINUNG

Qualität von Energieberatungssoftware

Für eine energetische Gebäudebewertung unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten ist man als Energieberater auf eine leistungsfähige und normenkonforme Software angewiesen. Ihr Kaufpreis spielt bei der Wirtschaftlichkeit eine eher untergeordnete Rolle. Leistungsfähigkeit, Bedienkomfort, Plausibilitätskontrollen, Support, Fehlerbehebung, Softwarepflege und -aktualisierung entscheiden maßgeblich darüber, wie viele Stunden für eine Energieberatung aufgewendet werden müssen. Doch wie ist es um diese Qualitätsmerkmale in der Praxis bestellt?

Gegenüber dem Beratungsempfänger ist allein der Berater für die getroffenen Aussagen und Empfehlungen haftbar. Zwar raten Juristen, im Energieberatungsvertrag neben den einschlägigen Normen auch die verwendete Software zu dokumentieren, in der Regel werden aber alle Software- und Softwarebedienungsfehler ausschließlich auf den Energieberater zurückfallen.

Auf der anderen Seite ist auch Realismus bei der Fehlerrate einer Software angebracht. Wettbewerbs-, Termin- und Kostendruck lasten auch auf der Softwarebranche. Und jede Programmänderung kann „ungeahnte“ Konsequenzen haben, so dass mit der Weiterentwicklung der Prüfaufwand enorm ansteigt. Doch bei allem Verständnis für den Verkäufer, der Käufer erwartet bei Problemen und angezeigten Fehlern schnelle Hilfe und Behebung. Schließlich steht er auf dem Schlauch, kommt mit seiner Arbeit nicht voran und unbezahlte Zeit addiert sich zu Lasten des Betriebsergebnisses. Ein Leser des GEB-Infoletters teilte uns seine zum Teil ernüchternden Erfahrungen mit.
  • „Wir stellten bei einem EnEV-Programm einen Fehler bei der Volumenberechnung fest. Dieser wurde exklusiv nur für uns behoben. Andere Käufer wurden nach unserer Kenntnis weder informiert noch wurde die „Reparatur“ als Download zur Verfügung gestellt. Später bemerkten wir, dass bei Bauteilen mit Folien der U-Wert um ca. den Faktor 2 (!) falsch berechnet wurde. Weil Folien bei allen Holzständerbauteilen/Dachaufbauten mit Dampfsperren vorkommen, war die Software praktisch unbrauchbar. Der Hersteller hat den Fahler auch nach Aufforderung nicht behoben und uns mitgeteilt, dass man auch nicht daran denke, andere Kunden über den „Folienfehler“ zu informieren. Wir haben den Kaufpreis der Software inzwischen zurückerhalten.“
  • „Auch beim nächsten Programm haben wir Ungereimtheiten festgestellt: Beispielsweise es ist möglich, ein Gebäude in einer sanierungsbedürftigen Istvariante so mit einer vollsanierten Zielvariante zu vergleichen, dass Heizungsverluste (der Anlage) nicht nur von 100% auf einen kleineren Prozentsatz (0 < x < 100%) sinken, sondern im Vergleich wird eine Reduzierung der Verluste auf z.B. bis zu -50% präsentiert. Schön bunt mit Balkengrafik. (Wohlgemerkt: Nicht eine Reduzierung um 50%, sondern auf einen Wert unter 0%). Technisch ist das Unsinn. Diverse Gutschriften in der EnEV führen leider zu solchen Zahlenspielen. Das mag erlaubt sein, wenn es um ökologisch sinnvolle Unterstützungsmaßnahmen für bestimmte Energieträger geht (z.B. Pellets), um dort mit rechnerischen Kunstgriffen förderungsrelevante Grenzwerte zu unterschreiten. Aber in einer Darstellung für den Laien verliert eine solche Berechnung jede Glaubwürdigkeit und auch ein gestandener Energieberater kommt schnell in Erklärungsnöte. Wir erwarten von einem guten Programm, dass es einerseits die Normen richtig abbildet auf der anderen Seite aber auch bei der offensichtlichen Inkonsistenz einer Norm die Umschaltung auf eine realistische Bewertung außerhalb der Norm bietet. Oder zumindest den deutlichen Hinweis liefert, dass technische/physikalische Grenzen überschritten werden.“

Wer bei solchen Erfahrungen mit typischen Ausreden hingehalten wird „Das hatten wir noch nie!“ fühlt sich schnell belogen. Oder soll er glauben, dass andere Energieberater nicht so genau hinschauen? Das Kleingedruckte der Softwarehersteller ist jedenfalls überall ähnlich: „Der Programmhersteller kann nicht für die Richtigkeit (z.B. Normkonformität) garantieren. Es liegt in der Verantwortung des Anwenders, die Ergebnisse zu prüfen.“

Haben auch Sie schon viel Zeit damit verloren, Fehler in Ihrer EnEV- oder Energieberatungs-Software aufzuspüren? Wie gut und wie schnell hat Ihr Anbieter auf Ihre Fragen, auf Ihre Anregungen, auf entdeckte Fehler oder Tücken reagiert? Schreiben Sie an die GEB-Infoletter-Redaktion. Nennen Sie uns Probleme, Ross und Reiter, damit wir die Hersteller in die Pflicht nehmen können. Wir freuen uns allerdings auch über positive Erfahrungen.

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