GEB Newsletter: 01-2006 | 27.01.2006

AKTUELLES

Pass für mehr Gebäudequalität gefordert

Nach dem Einsturz der Eissporthalle in Bad Reichenhall, bei dem 15 Menschen ums Leben gekommen sind, hat die Diskussion um die Einführung eines „Gebäude-TÜVs“ begonnen. Das Dresdner Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung (IÖR) hat dazu eine Erweiterung des Energiepasses vorgeschlagen. So könnte die Bau-, Nutzungs- und Umweltqualität eines Gebäudes offen gelegt und in besonderen Fällen auch zertifiziert werden.

Vorschläge für Gebäudepässe gibt es seit gut zehn Jahren in verschiedensten Ausprägungen. Dazu kommen noch diverse Leitfäden oder Förderrichtlinien, die in ähnlicher Weise wie ein Gebäudepass Mindeststandards für einzelne oder umfassende Gebäudeaspekte zum Ausdruck bringen. Dennoch findet der Gebäudepass bisher nur wenig Resonanz, auch aufgrund einer auf Deregulierung ausgerichteten Stimmung im Baugewerbe. Regelmäßig aktualisierte Gebäudepässe sollten laut IÖR jedoch mindestens für öffentliche Gebäude oder solche mit hohem Publikumsverkehr erwogen werden. Neben der Vermeidung von Bauschäden, extremen Schäden und Unglücken könnten die Gebäudepässe auch dazu beitragen, die Analysekosten bei Sanierungen zu senken und die Wettbewerbsfähigkeit von Immobilien zu stärken.

Bundesbauminister Wolfgang Tiefensee hatte die Länder bereits zwei Tage nach dem Unglück aufgefordert, Konsequenzen zu prüfen. Eine erste Beratung soll am 6. Februar auf der Bauministerkonferenz stattfinden. Nach dem Baurecht der Länder verantwortet die Sicherheit eines Gebäudes der Betreiber. Unabhängig von dem Bad Reichenhaller Unglück ist das für die einen ein bewährtes System, andere bezeichnen es schon länger als Freibrief, nur das nötigste zu tun und sich lieber auf Bestandsschutz zu berufen. Transparente Qualität, wie sie der Energieausweis für Energieeffizienz schaffen soll, wird nach wie vor mehr als Bedrohung denn als Nutzen gesehen.

Der Verband Unabhängig Beratender Ingenieure und Consultants (Vubic) hat sich bereits gegen eine gesetzliche Vorschrift für regelmäßige Kontrollen ausgesprochen. Er schlägt stattdessen vor, über die Tarife bei der Gebäudeversicherung mit Rabatten für einen regelmäßigen Sicherheits-Check die erforderlichen Anreize zu schaffen.

Ein Manko an dem Vorschlag könnte sein, dass sich die dann beauftragten Überprüfungen nur auf sicherheitsrelevante Aspekte erstrecken, unter Umständen sogar nur auf Basis der abgeschlossenen Versicherung bzw. den individuellen Vorgaben des jeweiligen Versicherers beauftragt werden. Ob das tatsächlich weniger Bürokratie verursacht, ist fraglich. Der Verband Beratender Ingenieure (VBI) hat sich für eine gesetzliche Pflicht ausgesprochen. Der VBI-Hauptgeschäftsführer Klaus Rollenhagen die Bundesregierung aufgefordert „über eine Pflicht zur regelmäßigen fachlich qualifizierten Überprüfung von Bauwerken nachzudenken“. Gemeint ist aber auch hier nur eine Prüfung der Tragkonstruktion. GLR
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