Gebaeude Energie Berater Ausgabe: 11-2019

Conluto Leichtlehmputz für höchstes Stampflehmgebäude Europas

Das imposante Pisé-Haus in Weilburg gilt als höchstes Stampflehmgebäude Europas – zuletzt stand es jahrelang leer. Nun soll eine umfassende Sanierung das Kulturdenkmal in neuem alten Glanz erstrahlen lassen.

Das imposante Pisé-Haus in Weilburg gilt als höchstes Stampflehmgebäude Europas – zuletzt stand es jahrelang leer. Nun soll eine umfassende Sanierung das Kulturdenkmal in neuem alten Glanz erstrahlen lassen.

Die Stadt Weilburg an der Lahn und die umliegende Region ist ein Eldorado für begeisterte Anhänger der Lehmbautechnik: Allein in der Kernstadt existieren heute noch 41 Gebäude, bei denen der natürliche Baustoff verwendet wurde, und in der umliegenden Region gibt es ungefähr weitere 300. Zudem steht in Weilburg mit gut 20 Metern Höhe das vermutlich höchste Stampflehmgebäude Europas: das Pisé-Haus (pisé ist Französisch und bedeutet stampfen). Das von Wilhelm Jakob Wimpf – einem Lehmbaupionier – im Jahr 1835 errichtete und als Büro- und Wohnhaus konzipierte Gebäude gilt inzwischen als Kulturdenkmal, stand zuletzt jedoch viele Jahre leer. Daher nahm sich die Stadt Weilburg im Zuge der Altstadtinitiative des Kleinods an und veräußerte es dann an einen Investor, der es nach umfangreicher Restaurierung wieder als Wohngebäude nutzen will. Die Sanierung liegt nun in Händen des erfahrenen Lehmbau-Experten Udo Sartorius, der nach einer ersten Bestandsaufnahme eine gut erhaltene Substanz feststellte: „Bemerkenswert sind die aus Ziegeln gefertigten Kreuzgewölbe im Keller, die trotz der Hanglage des Gebäudes keine Risse aufweisen. Allerdings zeigen sich an dem Lehmbaukörper, der aus regionalem Berglehm gefertigt ist, insbesondere unter den Fenstern erhebliche Ausbruchstellen.“ Für die Materialien zur Sanierung im und am Haus verließ sich Sartorius auf einen der führenden Anbieter für Baustoffe aus Lehm, die Firma conluto aus dem ostwestfälischen Blomberg. Denn schnell war klar, dass für ein solches Projekt umfangreiche Erfahrung gebündelt werden musste. Jörg Meyer, Inhaber von conluto, erinnert sich an die ersten Gespräche: „Für die Innenseite der Außenwände wurde in Abstimmung mit der Denkmalschutzbehörde und dem Energiegutachter eine Leichtlehmputzschicht vorgesehen. So konnten die bauzeitlichen Fußleisten, die in diesem Gebäude sehr prägend sind, erhalten werden. Da das Gebäude auch gesamtenergetisch saniert wurde, stellt diese Form eine sinnvolle und substanzerhaltende Maßnahme dar, obwohl sie nicht der originalen Wiederherstellung entspricht.“ Die verwendeten Lehm-Baustoffe wurden in enger Zusammenarbeit mit dem Lehmbauer entwickelt und in Blomberg gefertigt. Entscheidende Bedeutung kam dabei der zu erhaltenden Diffusionsfähigkeit des Gebäudes zu. Neben dieser positiven Eigenschaft für Wasserdampf kommt auch der hohen Kapillarität große Bedeutung zu, um kritische Feuchtigkeitsansammlungen zu verhindern. Beide Faktoren, also „Diffusionsfähigkeit“ und „Kapillarität“, sind bei der Lehmbau-Restaurierung entscheidend. Um sie zu gewährleisten, muss der Wandaufbau ganzheitlich betrachtet werden. Für den Außenputz wurde daher eine Mischung aus Kalk, Sand und Kalbshaaren gefertigt. Im Innenbereich wurde je nach Untergrundbeschaffenheit mit Lehm-Unterputz, Lehmsteinen, Schilf und Stroh gearbeitet. Den Oberflächenabschluss der Innenwände stellt eine Schicht Lehm-Feinputz dar, die mit Kalk- oder Silikatfarbe gestrichen wurde. Neben den fachlichen Ansprüchen kamen natürlich auch Kriterien des Denkmalschutzes zum Tragen. Hierzu Udo Sartorius: „Der Denkmalschutz sieht vor, dass der Bau in nahezu ursprünglicher Form saniert wird, um dem Status eines Kulturdenkmals weiterhin gerecht zu werden. Die Anforderungen hierfür sind nicht höher als für Bauten ohne Denkmalschutz, nur anders. Im Gegenteil, viele Vorschriften sind bei Denkmalen sogar abgemildert und vereinfacht. Zwar müssen denkmalwürdige Fenster, hier vier von insgesamt achtzig Stück, Fensterläden und Türen erhalten und aufgearbeitet werden und bestimmte Maßnahmen, wie das Vereinigen von zwei Fenstern zu einem querliegenden Großfenster, sind tabu.“ Bei dem Pisé-Haus handelt es sich um ein Einzeldenkmal, das Fachleute schon vor über 100 Jahren als Einzigartig beschrieben haben. Das Gebäude ist heute noch nahezu im Originalzustand erhalten – nur eine Gebäudeseite wurde zum Schutz vor Witterungseinflüssen mit einer Schieferabdeckung versehen.

conluto, 32825 Blomberg-Istrup, Tel. (0 52 35) 50 25 70 , www.conluto.de

  • Für den Außenputz wurde von der Firma conluto in enger Abstimmung mit dem Lehmbauexperten Udo Sartorius eine Mischung aus Kalk, Sand und Kalbshaaren gefertigt.

  • Details der bauzeitlichen Fußleisten.

  • Auch bei den Innenwänden wurde sorgsam in traditioneller Lehmbauweise restauriert – je nach Beschaffenheit des Untergrundes mit Lehm-Unterputz, Lehmsteinen, Schilf und Stroh.

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