Gebaeude Energie Berater Ausgabe: 02-2019

Unikat aus DDR-Zeiten


Direkt am Elbufer gelegen bietet das Wassersportzentrum Dresden-Blasewitz nicht nur hervorragende Trainingsmöglichkeiten, sondern auch traumhafte Ausblicke.

Direkt am Elbufer gelegen bietet das Wassersportzentrum Dresden-Blasewitz nicht nur hervorragende Trainingsmöglichkeiten, sondern auch traumhafte Ausblicke.

Abdichtung einer Hyparschale mit Rhepanol Doppelt gekrümmte Betonschalentragwerke nennt man im Fachjargon hyperbolisches Paraboloid. Mit dieser expressiven Dachform hat Ulrich Müther in der ehemaligen DDR ein Stück Architekturgeschichte geschrieben. Viele seiner Bauten stehen unter Denkmalschutz, so auch das Wassersportzentrum in Dresden-Blasewitz, dessen komplexe Dachgeometrie mit dem Rhepanol Dachbahnsystem aus Polyisobutylen von FDT abgedichtet wurde. Sven-Erik Tornow

Fragt man nach typischer DDR-Architektur, dann fällt sofort der Begriff „Plattenbau“. Dabei gab es auch im sozialistischen Deutschland innovative Ansätze moderner Architektur. Dazu zählt zum Beispiel die Hyparschale – ein doppelseitig gekrümmtes, selbsttragendes Dachelement. Maßgeblich entwickelt und umgesetzt wurde sie in der DDR von dem Ingenieur und Bauunternehmer Ulrich Müther aus Binz. Zu den bekanntesten Betonschalenbauten dieser Art gehört – neben dem inzwischen abgerissenen „Ahornblatt“ in Berlin-Mitte – die am Ostseestrand des Rostocker Stadtteils Warnemünde gelegene Ausflugsgaststätte „Teepott“. Ihr markant geformtes Betonschalen-Dachtragwerk zierte noch über 70 weitere Bauten der ehemaligen DDR. Eines davon ist das heutige Wassersportzentrum Dresden-Blasewitz unmittelbar an der Elbe.

Ein moderner denkmalgeschützter Bau

Als Leistungszentrum für Rudersport in den Jahren 1970 bis 1972 erbaut, bildet das Dach aus vier zusammengesetzten Hyparschalen die Form des Gebäudes. Die innen nach unten gekippten Schalen lassen viel Tageslicht durch die hohen Glasfassaden in den 36 × 36 Meter großen Hallenbau fallen. Ursprünglich umfasste das Rudersportzentrum neben vier 1er-Wasserbecken ein 8er-Rudersimulationsbecken, eine kleine Sporthalle sowie Kraft- und Sanitärräume inklusive Sauna.

Mit der Wende wurde der Rudersport in Dresden neu strukturiert. So konnte ein Teil der vorhandenen Flächen auch anderen Sportarten zur Verfügung gestellt werden. Im Jahr 2002 sorgte das August-Hochwasser für erhebliche Schäden an der Gründung und den Gläsern der Fassaden. Eine Sanierung der Substanz war zwingend erforderlich. An den Sanierungskosten in Höhe von 1,2 Millionen Euro beteiligte sich mit 770 000 Euro der Hochwasser-Aufbauhilfefonds von Bund und Land, der Rest sind Eigenmittel der Landeshauptstadt. Von 2002 bis 2006 wurde das Bauwerk nach einem Architekturwettbewerb gemeinsam vom Ingenieurbüro Prof. Rühle, Jentzsch und Partner und dem Architekturbüro see architekten aus Dresden saniert. Ursprünglich war die Stahl-Glas-Fassade mit einer Industrieverglasung ausgestattet. Im Rahmen der Sanierung wurde diese gegen ein modernes Sonnenschutzglas in großformatigen und farbneutralen Fenstern ausgetauscht. Im Jahr 2008 stellte das Landesamt für Denkmalpflege das Gebäude unter Denkmalschutz.

Komplette Dachsanierung nach Undichtigkeiten

Undichtigkeiten an der Abdichtung der selbsttragenden Betonschale erforderten 2014 eine Sanierung der gesamten Dachfläche. Die ursprüngliche bituminöse Abdichtung wurde bis dahin immer wieder mit neuen Dachbahnen überschweißt. Um neben der Abdichtung auch die Dämmung des Daches dem aktuellen Stand anzupassen, wurde im Rahmen der Sanierung das gesamte Dachschichtenpaket entfernt.

Durch das Abtragen des gesamten Schichtenpakets bis zur Tragschale konnte einiges an Gewicht eingespart werden. Dies wurde beim neuen Dachaufbau genutzt, um die neue und leistungsfähigere Dämmschicht ausreichend dick auszuführen. Zunächst mussten die Fachhandwerker jedoch das enorm dicke Abdichtungspaket samt darunterliegender Dämmschicht aus Polystyrol entfernen. Bei Dachneigungen von bis zu 45 Grad kein leichtes Unterfangen. Aufgrund der lediglich sechs Zentimeter dünnen Betontragschale kam nur ein komplett verklebter Aufbau für das neue Dachschichtenpaket in Frage. Nach dem Abriss erfolgte deshalb ein bituminöser Voranstrich auf der Betontragschale zur Haftvermittlung für die anschließend als Notabdichtung verklebte bituminöse Dampfsperre.

Durchdachte Vorgehensweise

Bereits bei der Verlegung der Dampfsperre mussten sich die Dachdecker aufgrund der besonderen Dachform und der wechselnden Dachneigungen ein durchdachtes Verlegemuster ausdenken. Hilfreich war hierbei das Muster der alten Abdichtung. Die vier Hyparschalen bildeten dabei die vier Teilbereiche des Daches. Während der größte Teil der Teilflächen quer zur Längsachse abgedichtet wurde – klassische Firste oder Traufen gibt es bei dieser Dachform ja nicht – verlegten die Dachhandwerker im „steilsten“ Bereich die Bahnen parallel zur Längsachse.

Auf die bituminöse Dampfsperre folgte die 16 cm dicke Wärmedämmung aus Mineralwolle-Dachdämmplatten. Die im Verband verlegten Platten wurden mit dem entsprechenden Kleber auf der Dampfsperre verklebt. Mit ihrer oberseitigen Mineral-Vlies-Kaschierung bildet die Dämmschicht die Grundlage für die neue Abdichtung. Hier entschied sich der Bauherr für die Premiumdachbahn Rhepanol fk SR der Mannheimer FDT FlachdachTechnologie.

Die vier Hyparschalen sind jeweils an ihren Rändern durch einen durchlaufenden Oberzug eingegrenzt. Im Außenbereich kragen die Dachflächen dann noch über die Fassaden hinaus; aufgrund der gekrümmten Form am weitesten an den vier höchsten Punkten der Dachschale. Entsprechend der bisherigen Ausführung sollten auch mit der Sanierung die auskragenden Bereiche des Daches mit Blechen verkleidet werden. Hierdurch entstand ein spezielles Detail, dass die Dachdecker mit den zur Dachabdichtung passenden Verbundblechen lösten.

Langzeitbewährt und ökologisch

Als hochwertige Kunststoff-Dachabdichtung auf der Basis von Polyisobutylen (PIB) verfügt Rhepanol sowohl über ein integriertes Kunststoffvlies als auch einen vorgefertigten Schweißrand. Dank ihrer rohstoffspezifischen Zusammensetzung ist die 1,05 m breite Dachbahn in nahezu jeder abdichtungstypischen Variante einsetzbar – und zwar im Neubau wie in der Sanierung. Mit einer Kälteflexibilität bis minus 60 °C vereinfacht sie nicht nur die Verarbeitung deutlich, sondern zeigt sich auch bei ungewöhnlichen Wetterkapriolen äußerst stabil und widerstandsfähig. Die Bahn erfüllt die geforderte Widerstandsfähigkeit gegen Flugfeuer und strahlende Wärme, so auch hier trotz der sehr stark geneigten Dachflächen mit bis zu 45 Grad Gefälle.

Der Hersteller bietet sie in unterschiedlichen Versionen an: Rhepanol fk mit integriertem Dichtrand, Rhepanol fk SR und Rhepanol hfk für die Heißluftverschweißung, Rhepanol hg für die lose Verlegung unter Auflasten und Begrünungen sowie Rhepanol hfk-sk mit Selbstklebeschicht.

Alle Rhepanol-Dachbahnen verfügen über ein vorbildliches ökologisches Profil. Sie sind frei von Weichmachern, Schwermetallen, Chlor, PVC und halogenen Brandschutzmitteln. Nach dem Ergebnis einer Ökobilanzierung nach ISO EN 14040-49 gehen weder von den Rohstoffen noch der Produktion oder der Verarbeitung und langjährigen Nutzung der Dachbahnen besondere Umweltbelastungen aus. Selbst nach der Nutzungsphase ist sie vollständig recycelbar. Darüber hinaus kann der Hersteller eine Umwelt-Produktdeklaration EPD für das Rhepanol-Sortiment vorweisen.

Sanierung gut, Kulturgut, alles gut

Bereits mit der Sanierung des Wassersportzentrums in den Jahren 2002 bis 2006 wurde der Grundstein für die Erhaltung eines der architektonischen Zeugnisse der DDR gelegt. Wenngleich die Sanierungsreihenfolge von „unten nach oben“ eher unüblich ist, konnte mit der 2014 erfolgten Dacherneuerung der einzigartige Betonschalenbau zukunftsfähig gemacht werden. Sowohl die Dachfläche als solche als auch die sich ergebenden Details forderten von den Dachandwerkern handwerkliches Geschick und Weitsicht. Alle Beteiligten, allen voran die Landeshauptstadt Dresden durch ihre Entscheidung für eine Sanierung statt eines Neubaus, haben durch das konstruktive Zusammenwirken dafür gesorgt, dass das Wassersportzentrum Dresden-Blasewitz nicht nur ansehnlich, sondern auch dauerhaft nutzbar bleibt.

FDT FlachdachTechnologie, 68199 Mannheim

Tel. (0621) 8504100, www.fdt.de

  • 1  Im Zuge der umfassenden Dachsanierung wurde das gesamte Dachschichtenpaket komplett entfernt und neu aufgebaut.

  • 2  Auf die neuen Dämmplatten mit vlieskaschierter Oberfläche wurde ein speziell auf die Dachbahn abgestimmter Kleber aufgebracht.

  • 3  Sauber verarbeitet: Die neue Dach-abdichtung Rhepanol fk SR auf Basis von Polyisobutylen (PIB).

  • 4  Vier zusammengesetzte Hyparschalen bilden die chrakteristische Form des Gebäudes – eine besondere Dachform als Beispiel moderner Architektur der DDR-Zeit.

  • 5  Die nach oben ragende Hyparschale sorgt für ein Maximum an Tageslicht im Gebäudeinneren.

Knut Häntzschel

Knut Häntzschel

FDT/Sven-Erik Tornow

FDT/Sven-Erik Tornow

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Literatur

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