Gebaeude Energie Berater Ausgabe: 07-2016

Revitalisierte 68er-Generation


1 Das kernsanierte Mehrfamilien-Endhaus in Friedrichshafen am Bodensee wurde um ein attraktives Penthouse erweitert und verbraucht nicht zuletzt dank einer sehr gut gedämmten Hülle mit Polyurethan-Dämmstoffen deutlich weniger Energie: Der Primärenergiebedarf sank von 400 auf 12 kWh/(m2a).

1  Das kernsanierte Mehrfamilien-Endhaus in Friedrichshafen am Bodensee wurde um ein attraktives Penthouse erweitert und verbraucht nicht zuletzt dank einer sehr gut gedämmten Hülle mit Polyurethan-Dämmstoffen deutlich weniger Energie: Der Primärenergiebedarf sank von 400 auf 12 kWh/(m 2 a).

Sanierung mit PU-Dämmsystem Nach der Sanierung und dem Umbau eines Mehrfamilienhauses aus dem Jahr 1968 in ein Studentenwohnheim konnte der Primärenergiebedarf um 97 % gesenkt werden. Eine gut gedämmte Gebäudehülle aus Polyurethan und die Beheizung über die Abwärme eines Rechenzentrums sind die maßgeblichen Bausteine des energetischen Konzeptes. Gerd Halama

  1. Teil: Revitalisierte 68er-Generation
  2. Teil: Cloud & Heat: Heizen mit Serverabwärme

Am Bodensee lässt es sich nicht nur angenehm urlauben und erholen, sondern auch attraktiv studieren. Böse Zungen mögen nun raunen „jaaa … so nebenbei!“, doch ganz so einfach ist das auch im beschaulichen Friedrichshafen nicht. Es gibt dort eine staatliche und zwei private Hochschulen, und diszipliniert büffeln muss man an allen Dreien, um den Abschluss zu schaffen. Gemessen an den rund 58 000 Einwohnern fallen die 2500 Studenten in dem Städtchen weitaus weniger ins Auge als die zahlreichen Touristen, doch haben Studierende das gleiche Problem wie die Urlauber: eine bezahlbare und ansehnliche Unterkunft zu finden. Ein privater Bauherr nahm sich des Problems an und ließ vom Architekten Albrecht Weber aus Langenargen ein 1968 errichtetes Wohnhaus in ein KfW Effizienzhaus 55 überführen – im Zuge der Revitalisierung bekam der kernsanierte Massivbau ein neues Penthouse in Leichtbauweise aufgesetzt und der Primärenergiebedarf von vormals 400 auf 12 kWh/(m2a) reduziert. Die Nutzfläche stieg im Gegenzug von 360 auf 483 m2 an, was auf ein ambitioniertes energetisches Konzept hinweist.

Warmmiete zum Festpreis

Hierzu gehörte neben dem Absägen der wärmebrückengefährdeten Stahlbetonbalkone der Einbau neuer Fenster mit Dreifachverglasung (Ug = 0,5) und das Dämmen der Gebäudehülle mit PU-Dämmstoffen. Beheizt wird das für Praktikanten, Lehrkräfte und Studenten umgebaute Mehrfamilienhaus mit modifizierten Grundrissen von der Abwärme mehrerer Server eines dezentral operierenden Rechenzentrums (Cloud & Heat). Statt der einst sechs Mietparteien ist das Gebäude nun in fünf Appartements, zwei Wohnungen und zwei WGs aufgeteilt, in dem nun insgesamt 16 Personen eine begehrte Unterkunft auf Zeit finden.

Die alles tragende Idee des Bauherrn war die Minimierung der Kosten für Heizung und Strom und daraus folgend auch der Verzicht auf verwaltungsintensive Heiz- oder Stromkostenabrechnungen. Die komplett eingerichteten allergikergeeigneten Wohnungen werden zum Festpreis warm vermietet. Damit sich der Energieverbrauch für das gesamte Haus in Grenzen hält, verbaute der Bauherr neben leistungsfähiger PU-Dämmung auch sparsame LED-Lampen und installierte in jeder Wohnung sogenannte Totmannschaltungen. Verlässt ein Bewohner seine Wohnung für längere Zeit, werden fast alle Stromverbraucher (außer Kühlschränke und PC-Steckdosen) abgeschaltet. Ist niemand in der Wohnung, reduzieren die Lüftung mit Wärmerückgewinnung (WRG) und die Heizung ihre Leistung. Das sehr gut gedämmte Haus kühlt selbst bei längerer Abwesenheit des Bewohners nur minimal aus.

WDV-System aus Polyurethan

Die Fassade des Gebäudes ist mit PU-WDV-Systemen des Herstellers puren gedämmt. Die Systeme mit purenotherm-Dämmstoffen verfügen seit Ende 2014 über eine allgemeine Dämmstoffzulassung für WDV-Systeme. Mit dem schwer entflammbaren PU-WDVS auf Basis von purenotherm lassen sich mit vergleichsweise schlanken Dämmstoffen sehr günstige Lambda-Werte erreichen, und es braucht keine zusätzlichen Brandriegel, wie sie das Deutsche Institut für Bautechnik (DIBt) für Dämmstoffe wie z. B. EPS fordert.

Der Keller ist mit 16 cm dicken, vliesbeschichteten puren PD-Perimeterdämmungen gedämmt. Daran schließt ein 16 cm dickes PU-WDV-System an. Den Witterungsschutz gewährleistet ein mineralisches System der Fa. Schwenk Putztechnik mit einer Putzdicke von etwa 1 cm. Dieses Dämmsystem ist lückenlos bis unter das ebenfalls mit puren-Dämmstoffen gedämmte Flachdach geführt, wo es mit speziellen Attikaelementen an das Dach angeschlossen ist.

Die aus dem Funktionswerkstoff purenit bestehenden Attika-Bauteile gelten mit einem Psi-Wert von 0,005 W/mK laut einer Prüfung des Passivhaus Instituts als wärmebrückenfrei und sind entsprechend zertifiziert. Zu guter Letzt erhielt das geneigte Dach des Penthouses noch eine puren Aufsparrendämmung und macht damit die hochwertige Dämmung der Gebäudehülle komplett.

Mit einem Lambda von 0,026 W/mK dämmt Polyurethan sehr gut (Öko-Test Bewertung für PU-Aufsparrendämmung: „gut“), was diesen Dämmstoff eben auch für schlanke Dämmdetails auszeichnet. Bei dem Haus in Friedrichshafen wurden dank der leistungsfähigen PU-Dämmstoffe an Wänden und Dächern U-Werte um 0,1 W/m²K erreicht.

Für das 2015 sanierte und revitalisierte Studentenwohnheim erhielt der Architekt Albrecht Weber aus Langenargen am Bodensee den EnEV im Bestand-AWARD 2015 in der Kategorie Mehrfamilienhäuser. Der Preis wurde vom Forum-Verlag Herkert, dem Bundesarbeitskreis Altbauerneuerung und dem Europäischen Verband der Energie- und Umweltschutzberater verliehen.

Puren, 88662 Überlingen

Tel. (07551) 80990, www.puren.com, www.purenotherm.de

  • 2  Die Außenwände sind mit einem WDVS aus Polyurethan gedämmt – Brandriegel sind bei diesem Dämmstoff überflüssig.

Literatur

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