Gebaeude Energie Berater Ausgabe: 02-2016

Schlüsselfaktor

Zugegeben: Einzelmaßnahmen wie ein Pumpentausch (mehr dazu auf S. 18) oder eine Fenstererneuerung sind nicht gerade die Königsdisziplin der energetischen Sanierung. Doch ohne sie liefe der Sanierungsmarkt noch träger als eh schon bemängelt. In den vergangenen Jahren machte die Förderung von Einzelmaßnahmen rund 80 % der geförderten Wohneinheiten im KfW-Programm „Energieeffizient Sanieren“ aus, doch die absolute Zahl ist auf dem absteigenden Ast.

Jetzt pumpt die Regierung mit dem Anreizprogramm Energieeffizienz (APEE) mehr Geld in die Förderung von Heizungstausch und Lüftungsanlagen. Damit soll nicht nur der Wärmemarkt einen Schubs bekommen, sondern auch mehr Impulse für „Kombinationsmaßnahmen“ geschaffen werden – ein Einstieg also von der Einzelmaßnahme, hin zu einem Gesamtkonzept wie z. B. einem KfW-Effizienzhaus.

An Fördergeldern fehlt es also nicht, wohl aber so langsam an Durchblick. Denn neben der Tatsache, dass die APEE-Förderungen in der aufmerksamkeitsschwachen Zeit der Weihnachtspause in Kraft getreten sind, bringen sie dem eh schon komplexen Förderdschungel auch noch einen weiteren Wust an Bürokratie. Je nach Anlagengröße und -typ ist die Förderung entweder beim BAFA oder bei der KfW zu beantragen. Die eine läuft bereits, die andere ist rückwirkend zu beantragen. Auch in Sachen Kumulierbarkeit gibt es Unterschiede, einzig gemeinsam ist beiden der Name: Heizungspaket.

Alles klar? Wenn nicht, dann geht es Ihnen vermutlich wie sehr vielen anderen Fachleuten – ganz zu schweigen von Gebäudeeigentümern (ab S. 12 verschaffen wir Ihnen Durchblick). Bleibt zu hoffen, dass die ebenfalls im APEE für das Frühjahr angekündigte „Qualitäts-, Beratungs- und Bildungsoffensive“ diesem Dilemma Rechnung trägt.

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie hat sich die Frage gestellt, was zu tun ist, um die Einzelmaßnahmen vom „notwendigen Übel“ zum attraktiven Geschäftsfeld zu verwandeln. Schlüssel ist der Sanierungsfahrplan. Im Schwerpunkt berichten wir auch von der Vorbereitung eines bundesweiten Sanierungsfahrplans (siehe S. 21). Dadurch lassen sich Einzelmaßnahmen zu einem sinnvollen, abgestimmten Ganzen verbinden. Davon profitiert zunächst der Gebäudeeigentümer, indem er eine gestufte Aufwertung seines Gebäudes in finanziell und zeitlich verträglichen Portionen aufgezeigt bekommt. Aber auch für Energieberater könnten sich damit die oft unlukrativen Einzelmaßnahmen zu einem Geschäftsfeld mit Perspektive wandeln. Und auch Hausbanken dürften für den Sanierungsfahrplan zu gewinnen sein, denn die Förderung von Einzelmaßnahmen gilt bislang als wenig interessantes Schaltergeschäft.

Viel Freude beim Lesen dieser Ausgabe wünscht

Ihre

Britta Großmann

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