Gebaeude Energie Berater Ausgabe: 03-2015

Dick aufgetragen

1 Das neue Gymnasium der Gemeinde Grünwald bei München ist mit dem PUR/PIR Kompaktdach von puren gedämmt und abgedichtet.

1  Das neue Gymnasium der Gemeinde Grünwald bei München ist mit dem PUR/PIR Kompaktdach von puren gedämmt und abgedichtet.

Sicherheits-Kompaktdach aus PUR/PIR-Hartschaum Das komplexe Flachdach eines Münchner Gymnasiums wurde mit dem PUR/PIR-Kompaktdach von puren abgedichtet und gedämmt. Das System nutzt die Vorteile eines konventionellen Warmdachaufbaus, kommt aufgrund hoher Dämmwirkung mit geringen Dämmschichtdicken aus, verhindert bei der Verlegung die Wasseraufnahme und bietet ein hohes Maß an Sicherheit im Schadensfall. Klaus Siegele

  1. Teil: Dick aufgetragen
  2. Teil: Bautafel

Für die Abdichtung und Dämmung der Flachdächer ihres neuen Gymnasiums in Grünwald bei München suchte die Gemeinde gemeinsam mit den Architekten Bauer Kurz Stockburger & Partner eine langlebige und zuverlässige Lösung, die zugleich möglichst wartungsfreundlich sein sollte. Der Schulneubau entspricht den Anforderungen der EnEV 2009, wobei der erreichte Primärenergiebedarf mit 88 kWh/(m²a) den zulässigen Höchstwert von 124 kWh/(m²a) um 29 Prozent unterschreitet. Den Löwenanteil des Energiebedarfs deckt die kommunaleigene Fernwärme aus Geothermie. Hinzu kommen Energiegewinne aus der PV-Anlage, die auf einigen Dach- und Fassadenflächen installiert ist, sowie von der Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung.

Minimierung der Dämmstoffdicke mit PUR/PIR

Die insgesamt rund 8 000 m² große Dachfläche des Schulgebäudes, der Mensa und des Hausmeisterhauses ist geometrisch komplex angelegt und von Stahlstützen der Flugdächer durchbrochen. Um den von der EnEV geforderten U-Wert von mindestens 0,2 W/(m²K) zu übertreffen, liebäugelte man mit dem Hochleistungsdämmstoff PUR/PIR ( = 0,026 W/(m²K)), mit dem die Dämmdicke aufgrund seiner guten Werte auf 238 mm begrenzt werden konnte. Im Vergleich dazu benötigen Dämmstoffe der WLS 035 rund 320 mm und Dämmstoffe der WLS 040 sogar 360 mm Dämmdicke – und je dicker die Dämmung, desto häufiger treten konstruktive Schwierigkeiten auf und desto größer ist die Schadensanfälligkeit. Diese Risiken galt es bei dem Flachdach des Grünwalder Gymnasiums zu vermeiden.

Die gewählte Komplettlösung mit dem PIR Kompakt SD+ Sicherheitsdach von puren nutzt die Vorteile eines konventionellen Warmdach-Aufbaus, bietet aber im Schadensfall in zweierlei Hinsicht Sicherheit: Wasser kann nicht großflächig in den Dachaufbau eindringen und Leckagen lassen sich schnell identifizieren und beseitigen.

Verlegen im System – vom Voranstrich bis zur Wurzelschutzbahn

Erster Schritt bei der Verlegung des Systems ist ein bituminöser Voranstrich auf den Stahlbetondecken. Darauf folgt eine Polymerbitumen-Dampfsperre (sd-Wert 1 500 m) aus flüssigem Elastomerbitumen. Anschließend konnte vom Dachdecker die Gefälledämmung verlegt werden. Jede einzelne der 50 x 50 cm großen Dämmplatten wird beim PUR/PIR-Kompaktdach mit 180 °C heißem Elastomerbitumen verklebt.

Auch im Fugenbereich wird die Dämmplatte rundum abgeschottet. Das bedeutet: Jedes Dämmelement ist für sich genommen eine einzelne Flachdacheinheit. Auf dieser Schicht konnte die erste Lage der Flachdachabdichtung mit Polymerbitumenbahnen aufgebracht werden. Die Bahnen wurden ebenfalls mit heißem Elastomerbitumen im Gießverfahren auf den Dämmplatten verklebt. Darauf folgte eine zweite Lage der Polymerbitumenbahnen, in diesem Fall waren es Wurzelschutzbahnen, die vollflächig mit dem Gasbrenner aufgeschweißt wurden. Den Abschluss bildet ein Gründachaufbau für die vorgesehene extensive Dachbegrünung.

Widerstandsfähig, leicht und unproblematisch bei Leckagen

Die bauphysikalischen Eigenschaften der Dämmplatten aus modifiziertem PIR-Hartschaum bleiben auch unter extremen Bedingungen erhalten. Die hohe Temperaturstabilität von Polyurethan erlaubt die unbeschadete Verlegung in heißflüssigem Elastomerbitumen. Trotz Temperaturen bis zu 250 °C bleiben die Dämmplatten formstabil und druckfest. Das Material verhindert durch seine geschlossenzellige Schaumstruktur auch die Wasseraufnahme bei kurzzeitiger Beanspruchung. Sämtliche Aufbauschichten – Dampfsperre, Dämmung und die erste Abdichtungslage – werden vollflächig und vollfugig mit hochelastischem Wirobit Elastomerbitumen verklebt. Dabei ist jede einzelne Dämmplatte allseitig in Elastomerbitumen eingebettet und abgedichtet. Sollte bei diesem System einmal eine Leckage auftreten, ist diese auf einzelne Dämmplatten beschränkt. Die Stelle lässt sich punktgenau aufspüren, um dann die Dämmplatte gezielt auszutauschen und abzudichten.

Zudem macht die geringe Rohdichte von PUR die Dämmplatten zu Leichtgewichten, die sich damit auch für die Sanierung von wenig belastbaren Dachkonstruktionen anbieten. Das Kompaktdach ist sowohl für nicht genutzte Dächer (z. B. Gründächer) als auch für genutzte Dächer (z. B. Parkdecks) eine gute Wahl. Spezielle Ausführungen für stark beanspruchte Dächer gibt es mit erhöhter Druckfestigkeit bis rund 800 kPa.

Kombination der Kompetenzen

Das Sicherheits-Kompaktdach kombiniert PIR-Dämmstoffplatten von puren, Polymerbitumenbahnen von Börner und Elastomerbitumen von Wiro. Die PUR/PIR-Dämmstoffe gibt es in normal- und schwerentflammbarer Variante. Puren engagiert sich im Rahmen des EcoCommercial Building Programms, einer Initiative für nachhaltiges Bauen von Bayer MaterialScience. Ziel ist, den Energieverbrauch zu senken sowie Emissionen und Lebenszykluskosten zu minimieren.

  • 2  Systemaufbau des PUR/PIR Kompakt-Sicherheitsdachs: Untergrund (Beton), Voranstrich, Elastomerbitumen, Dampfsperre, PUR/PIR Dämmstoff WLS 026, Polymerbitumen-Dachdichtungsbahn, Polymerbitumen-Wurzelschutz-Schweißbahn

  • 3  Die Dämmplatten aus modifiziertem PIR-Hartschaum werden von zwei Seiten mit heißem Elastomerbitumen benetzt und im Verbund verlegt.

    4  Jede einzelne Dämmplatte ist für sich abgedichtet und mit Blechklammern auf dem flüssigen Elastomerbitumen fixiert. Falls es zu einer Leckage kommt, bleibt diese auf eine Dämmplatte beschränkt.

    5  Die erste Lage der Abdichtung mit Polymerbitumenbahnen wird im Gießverfahren vollflächig mit dem Dämmstoff verklebt. Es folgt eine zweite Lage, die mit dem Gasbrenner verschweißt wird.

Fotos: puren

Literatur

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