Gebaeude Energie Berater Ausgabe: 03-2015

BIM me up, Scotty!

Der jüngste Schrei in Planungsbüros sind 3D-Modelle – zugleich aber auch ein gequälter Aufschrei, denn den Befürwortern von Building Information Modeling (BIM) stehen nicht wenige Kritiker gegenüber, die in der Einführung des digitalen Gebäudemodells in den Planungsprozess nicht nur die immer wieder proklamierten Vorteile der datenverlustfreien interdisziplinären Zusammenarbeit sehen. Ja, BIM führt die jeweiligen Planungsstände der verschiedenen Disziplinen zusammen, ja BIM erleichtert die Koordination der unterschiedlichen Projektinformationen und ja, BIM hilft Bauherren und Planern, die wichtigen Entscheidungen im Planungsprozess zu treffen. Die Befürworter weisen zudem stets gerne darauf hin, dass BIM keine Software, sondern eine Haltung zur gemeinsamen Arbeit mit transparenten und vollständigen Informationen sei. Also – alles easy, Ihr Planer, Energieberater und Experten da draußen: Ihr müsst nur richtig und konsequent zusammenarbeiten, dann funzt das mit dem BIM von ganz alleine!!! Ähhh ... wie? Was?

Man fragt sich ob solcher Thesen: Wie haben wir denn bisher zusammen an Projekten gearbeitet? Mit dem Ellenbogen über dem Zeichentisch – pardon: Bildschirm? Einfach nur mangelnde Kooperationsbereitschaft als Argument für BIM in den Ring zu werfen, das trifft wohl nicht so ganz den Kern der Sache und ist viel zu eindimensional modelliert.

Das Planen und Bauen ist in den letzten Jahren und Jahrzehnten um ein Vielfaches komplexer geworden und gebar neben Architekt und Ingenieur viele weitere Disziplinen: den Bauphysiker, den TGA-Fachingenieur, den Brandschutzexperten, den Fassadenplaner, den GU, den Projektmanager und last but not least: den Energieberater.

Und alle diese renommierten Planungsbeteiligten merken erst jetzt, wo BIM in den Startlöchern steht, dass sie bis heute nicht miteinander kommuniziert oder nur auf Zuruf essentielle Planungsinformationen herausgegeben haben sollen? Wie haben wir dann bis heute Hochhäuser, Fabriken, Stadien, Museen und Krankenhäuser gebaut?

BIM ist sehr wohl auch eine Frage der Software, und nicht nur das: BIM potenziert die lancierte Information, schafft eine noch nie da gewesene Datenflut im Bauprozess, die bei Entscheidungsfragen künftig weniger auf das Bauchgefühl als vie mehr auf harte Fakten setzt. Ähnlich wie bei der Einführung von CAD, als sich die exakte Strichführung die ersten wilden Ideenskizzen zu zähmen anschickte – was Gott sei Dank nie gelang – drohen nun Tools (also: Werkzeuge) und intelligente Objekte mit hinterlegter Datenbank die baupraktische Erfahrung in die zweite Reihe zu degradieren. In Anbetracht der immer jüngeren Berufsanfänger mag das für manche Prozesse und Entscheidungen ein Sicherheitsgurt sein und vor dem Hintergrund immer kürzerer Bauzeiten für dringend notwendige Transparenz und Kontrolle sorgen. BIM darf aber nicht entmündigen.

Herr des Verfahrens muss stets das Planungsteam bleiben, um die Qualität in Planung und Ausführung zu wahren. Dazu muss jeder sein eigenes BIM in der sehr fragmentierten Struktur der Planungs- und Bauwirtschaft definieren. Das kann aber nur, wer sich mit BIM auseinandersetzt, dessen Vorteile und Chancen, aber auch Nachteile und Risiken einzuschätzen weiß. Man muss schon auf dem richtigen Standpunkt stehen, um sich von Scotty an Bord des Raumschiffs Enterprise beamen zu lassen und beim Planen in Galaxien vorzudringen, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat ...

Ihr Kommunikationsoffizier

Lieutnant Nyota Uhura (alias Klaus Siegele)

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