Gebaeude Energie Berater Ausgabe: 11-2014

Lupe und Fernrohr reichen nicht

Der Blick durchs Fernrohr ermöglicht die Sicht auf weit entfernte Dinge, mit der Lupe sind kleine Objekte genau zu erkennen. Es kommt aber auch darauf an, zu sehen was direkt vor der Nase liegt.

Wer derzeit die Pressemitteilungen des Bundesumweltministeriums verfolgt wird feststellen, dass der Blick oft in die Ferne schweift, etwa zur Weltbiodiversitätskonferenz oder dem internationalen Vertrag gegen Biopiraterie. Andererseits wird so manches Detail unter die Lupe genommen, wie die Vorpommersche Boddenlandschaft oder ein Internetportal für engagierte Bürger.

Auch im Bereich Energie und Ressourcen sind neben Details z. B. über ein neues Produktionsverfahren für LED-Lampen globale Themen wie die internationalen Klimaverhandlungen oder der Abschlussbericht des Weltklimarats IPCC zu finden. In Letzterem ist zu lesen, dass die derzeitigen Pläne zur Treibhausgasminderung nicht ausreichen, um die Erwärmung des Klimasystems auf wahrscheinlich 2 °C zu beschränken. Entschlossener und rascher Klimaschutz in den kommenden Jahrzehnten könne aber die Risiken des Klimawandels langfristig mindern.

Bundesumweltministerin Hendricks bezeichnet den Bericht als alarmierend und ermutigend zugleich: „Alarmierend sind die dramatischen Folgen des Klimawandels, an dessen Ursachen es keinen ernsthaften Zweifel mehr gibt. Ermutigend ist dagegen: Wir kennen die Werkzeuge, um die Erderwärmung auf 2 °C zu begrenzen. Bis Mitte des Jahrhunderts muss die globale Energieversorgung weitgehend klimaneutral sein.“

Von welchen Werkzeugen ist hier die Rede? Warum verwenden wir sie nicht? Gerade weil die Zeit drängt, wären wirkungsvolle und nachhaltige Anreize notwendig, damit die schon heute verfügbare Technik möglichst bald in großem Umfang genutzt wird, um den Energieverbrauch zu verringern.

Internationale Vereinbarungen sind zweifellos wichtig, um der Lösung weltweiter Probleme näherzukommen.  Auch Einzelprojekte wie der Schutz der Wildkatzen in Thüringen sind nicht zu vernachlässigen. Gleichzeitig ist aber zwischen Fernrohr und Lupe der geschärfte Blick auf Naheliegendes erforderlich: Die Sanierungsquote im Gebäudebereich liegt derzeit etwa bei der Hälfte dessen, was nötig wäre, um den Wärmebedarf bis 2020 um 20 % zu senken.

Was wir hier brauchen, ist beherztes Zupacken und Werkzeuge, die zur Sanierung möglichst vieler Bestandsgebäude führen.

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Sabine Riethmüller

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