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Heft 05-2012

Ausgabe: 03-2008

Faktor-10-Sanierung von drei Wohnanlagen in Vorarlberg

Ein kleineres Fass aufmachen


Im Zuge eines Pilotprojektes sanierte die Vorarlberger gemeinnützige Wohnbau- und Siedlungs­gesellschaft (VOGEWOSI) zwei Wohnanlagen in Rankwil und eine in Altach. Bei den im bewohnten Zustand ausgeführten Bauarbeiten bekamen alle Bewohner den rauen Baualltag hautnah zu spüren – trotz der Belastungen verlief die Sanierung stets in gutem Einvernehmen mit den Mietparteien. Das Ziel, den Energieverbrauch jeder Anlage auf ein Zehntel des Ausgangswertes zu reduzieren, erreichte die VOGEWESI nicht zuletzt dank tatkräftiger Unterstützung durch das Energieinstitut Vorarlberg.

Bei der Vorarlberger Wohnungsbaugesellschaft VOGEWOSI weiß man natürlich ganz genau, welche energetischen Potenziale in unsanierten Wohnanlagen stecken. Immerhin bemüht sich die größte gemeinnützige Bauvereinigung in dem österreichischen Architektur-Eldorado bereits seit knapp dreißig Jahren, ihren Wohnungsbestand laufend energetisch zu verbessern und damit der ihr gebührenden Vorbildfunktion gerecht zu werden. Jüngstes Beispiel sind drei Wohnanlagen in den Gemeinden Rankwil und Altach, die als Pilotprojekt für die erste Faktor-10-Sanierung der VOGEWOSI ausgesucht worden waren. In den insgesamt fünf Gebäuden aus den Jahren 1968, 1977 und 1978 sind 42 Wohnungen untergebracht.

Ehrgeizige Ziele

Allen Beteiligten war klar: Um den flächenbezogenen Heizwärmebedarf der Geschosswohnungsbauten auf die angepeilten 15 kWh/m2WNFa zu senken, war eine penible energetische Planung vonnöten, die sich auch der Passivhaustechnologie bedienen musste. Für die dazugehörige Berechnung griffen die Planer auf das Passivhaus-Projektierungspaket (PHPP) zurück. Bei allen drei Wohnanlagen lag der flächenbezogene Heizwärmebedarf vor der Sanierung mit durchschnittlich 166 kWh/m2WNFa in einem Bereich, der typisch für das jeweilige Baujahr und die Bauweise war (siehe Kasten auf Seite 44). Bereits während der Planungsphase informierte die VOGEWOSI alle Bewohner über die Ziele, die Vorteile und die positiven wirtschaftlichen Folgen der energetischen Sanierung. Das ehrgeizige Vorhaben stieß bei den Mietern auf breite Zustimmung, obwohl angesichts der umfassenden Bauarbeiten jedem Bewohner schonungslos vor Augen geführt wurde, dass das Wohnen während der Umbauphase mit viel Staub, Lärm und Einschränkungen in den Gewohnheiten verbunden sein würde. Damit hatte man die wichtigsten Kritiker im Boot.

Gut gedämmt und minimale Wärmebrücken

Das Rezept für die energetische Sanierung setzte sich bei allen Gebäuden aus allseits bekannten Zutaten zusammen, als da wären:

Dämmung der Fassaden mit einem mindestens 25 cm dicken Wärmedämmverbundsystem.

Dämmung der oberen Geschossdecken und der Kellerdecken mit mindestens 20 cm dicken Dämmplatten.

Austausch der alten Fenster durch neue Passivhausfenster mit Dreifachverglasung und einem Wärmedurchgangskoeffizienten von U = 0,8 W/m2K.

Austausch der Rollläden an den Fenstern durch wärmegedämmte Pendants.

Umbau der Balkone in gebäudehoch verglaste Loggien, die nun als Pufferraum wirken und jeweils über Schiebeglastüren mit den Wohnungen verbunden sind.

Beseitigung beziehungsweise Minimierung von Wärmebrücken an Dachvorsprüngen, Attika, Brüstungen, Kellertreppen usw. durch konstruktive Eingriffe und Umbauten.

Austausch der alten Ölheizungen durch moderne Gas-Brennwertgeräte mit entsprechend höherem Wirkungsgrad.

Jedes Gebäude wurde mit einer Solaranlage ausgestattet, mit der die Warmwasserbereitung unterstützt wird. Der Jahredeckungsgrad liegt durchschnittlich bei 60 Prozent.

Einbau zentraler Lüftungsanlagen zur kontrollierten Be- und Entlüftung.

Luftdichtheit

Vor Beginn der Bauarbeiten durchgeführte Blower-Tests haben gezeigt, dass die Schwachstellen größtenteils in den Bereichen lagen, an die ohnehin Hand anzulegen war. Bei der Ausführung mussten die Handwerker daher lediglich darauf achten, dass sie bei den Anschlüssen und Abdichtungen stets die Luftdichtheit im Auge behielten.

Alle Fenster sind nun innenseitig mit diffusionsdichten Bändern und außenseitig mit diffusionsoffenen Bändern abgeklebt. Auch an den neuen Wohnungseingangstüren findet sich zusätzlich eine Dichtungsebene. Gleiche Aufmerksamkeit wurde den Elektroverteilern und Leerrohren gewidmet, die vom Treppenhaus in die Wohnungen führen. Trotz sorgsamer Ausführung fanden sich beispielsweise in der Übersaxnerstraße bei einer ersten Kontrollmessung im Bereich der Elektroinstallation noch kleine Leckagen, die soweit möglich inzwischen nachgebessert wurden.

Besonderheiten

Bei der Faktor-10-Sanierung im Schleipfweg wurden die betonierten Eingangsvordächer abgetragen und durch Holzportale ersetzt. Die Umwandlung der Balkone zu geschosshoch verglasten Loggien sowie der Abriss der Brüstungen im Treppenhaus und deren Ersatz durch ein durchgehendes Glasband haben die wenig attraktive Fassade des 70er-Jahre-Baus deutlich aufgewertet. Anlass war auch hier die Beseitigung der Wärmebrücken. Anstatt des vorherigen Satteldachs mit innenliegender Regenrinne krönt nun ein Pultdach den dreigeschossigen Bau.

Die wohl größte Herausforderung bei der Wohnanlage in der Übersaxnerstraße war der Einbau eines bis dato nicht vorhandenen Personenaufzugs. Um einen behindertengerechten Zugang bis zur Wohnungseingangstüre zu schaffen, mussten zunächst alle Treppenläufe und Zwischenpodeste im Treppenhaus herausgeschnitten und abgetragen werden. Der neue Personenaufzug wurde ungefähr zwei Meter vor die bestehende Gebäudekante gesetzt. Nun führt der Weg nach oben entweder über den Lift oder zu Fuß über die einläufige Stahltreppe und Podeste mit Kunststeinauflage. Der statisch tragende und als ein Bauteil montierte Liftturm ist mit Paneelen aus beschichtetem Stahlblech bekleidet, die im Kern mit 190 mm Mineralwolle gedämmt sind.

Baukosten und Effizienz

Für alle drei Wohnanlagen addierten sich die Baukosten auf ungefähr 2,3 Millionen Euro. Die Gegenleistung: Pro Jahr insgesamt 760000 kWh eingesparte Energie oder 76000l Heizöl sowie rundum zufriedene Bewohner, die sich nicht nur über niedrige Nebenkosten freuen, sondern auch über eine deutlich aufgewertete Wohnqualität, die sich auch auf das Wohnumfeld ausdehnt und das Quartier städtebaulich aufwertet. Zumal ein gewisser Stolz der Mieter nicht zu verhehlen ist, bei der ersten Faktor-10-Sanierung der VOGEWOSI mit im Boot gewesen zu sein.

Klaus Siegele


  1. Teil: Ein kleineres Fass aufmachen
  2. Teil: INFO
  3. Teil: INFO
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