Ausgabe: 10-2008
Umfrage zur Bewertung von Nichtwohngebäuden
Stimmen aus der Praxis
Im September starteten wir unter http://www.geb-info.de eine Umfrage zur energetischen Bewertung von Nichtwohngebäuden. Im Zentrum standen Ihre praktischen Erfahrungen, Vorschläge und Ideen. Teilgenommen haben 176 Personen ( Abb. 1), der überwiegende Teil davon Ingenieure (57%). Architekten machten 37% aus, Handwerker und Sonstige je 3%. Die Teilnehmer waren über das gesamte Bundesgebiet verteilt. Der Schwerpunkt lag auf Süddeutschland mit den PLZ-Gebieten 7 (32%), 6, 8 und 9 (je 12%).
Einige der Befragten haben angegeben, noch keine Energieausweise für Nichtwohngebäude erstellt zu haben. Waren das im letzten Jahr noch 73%, ist der Anteil in diesem Jahr auf 39% gesunken. Dies deutet auf eine gestiegene Nachfrage hin. Pro Aussteller sind 2008 meist zwischen ein und fünf Ausweise für Nichtwohngebäude erstellt worden. Bedarfsorientierte Energieausweise machen den größten Teil aus ( Abb. 2 ). Nur wenige Aussteller haben Stückzahlen über zehn erreicht, dort ist der Anteil verbrauchsorientierter Energieausweise auch größer als bei kleinen Stückzahlen. Der Anlass für Kunden, sich einen Energieausweis für ein Nichtwohngebäude ausstellen zu lassen, ist in erster Linie eine geplante energetische Sanierung der Immobilie (36%). Bei 25% ist die Aushangpflicht ab 1. Juli 2009 entscheidend, bei 19% ein geplanter Verkauf oder eine Neuvermietung der Immobilie. Der Rest wird überwiegend für Neubauten ausgestellt.
Werkzeuge und Weiterbildung
Stand im letzten Jahr kaum Software für Nichtwohngebäude zur Verfügung, hat sich die Situation geändert. Mittlerweile gibt es zahlreiche Auswahlmöglichkeiten. Die Teilnehmer der Umfrage benutzen folgende Programme:
Energieberater Plus, Hottgenroth Software: 29,0%
IBP 18599 / 5S:Energie High End, 5S AG: 11,1%
EVEBI, Envisys: 9,2%
EVA, Leuchter Ingenieurbüro: 7,2%
BKI Energieplaner, BKI Baukosteninformationszentrum Deutscher Architektenkammern: 6,3%
EnEV-Wärme&Dampf, ROWA-Soft GmbH: 6,3%
ennovatis EnEV, ennovatis GmbH: 6,3%
Dämmwerk 2008, KERN ingenieurkonzepte: 4,8%
Weitere Programme werden zu unter 4% Prozent eingesetzt.
Über Dreiviertel der Befragten haben bereits eine spezielle Weiterbildung zur DIN V 18599 besucht, die Hälfte hat an mehrtägigen Schulungen teilgenommen (Abb. 3). Zweitägige bzw. eintägige Schulungen wurden von je 14% besucht. Während sich vor 2008 etwa 23% zur DIN V 18599 fortbildeten, ging die Quote im ersten Quartal 2008 zunächst auf 4% zurück. Im zweiten Quartal stieg die Nachfrage auf 18%, im dritten Quartal auf 35%. Je 25% nutzten die Seminarangebote der Softwareanbieter oder Bildungseinrichtungen.
Kosten und Potenzial
Das richtige Honorar für die Bewertung von Nichtwohngebäuden zu finden, ist für viele Energieberater ein neues und auch oftmals schwieriges Thema. Die Beträge liegen im Regelfall deutlich über dem Niveau für Wohngebäude und müssen dementsprechend auch gegenüber dem Auftragsgeber argumentiert werden. Anhand des folgenden Beispiels haben die Umfrage-Teilnehmer den Preis für einen bedarfsorientierten Ausweis abgeschätzt ( Abb. 4 ): achtstöckiges Bürogebäude mit einfacher Geometrie, Nutzfläche 4000 m², klimatisierte Kantine, klimatisierter Tagungs-/Veranstaltungsbereich, eine Heizzentrale und mehrere Lüftungszentralen.
Rund 23% schätzten zwischen 2000 und 3000 Euro, 33% gaben einen Betrag zwischen 3000 und 5000 Euro an, 16% zwischen 5000 und 8000 Euro. Das Umsatzpotenzial, das in den nächsten fünf Jahren für die energetische Bewertung von Nichtwohngebäuden aktiviert werden kann, sehen die Befragten eher gering ( Abb. 5 ). Etwa 75% vermuten, dass ihr Umsatzanteil in diesem Bereich unter 30% liegen wird.
Schwierigkeiten und Verbesserungswünsche
Bei der Frage nach den Schwierigkeiten bei der Erstellung von Energieausweisen für Nichtwohngebäude und den Verbesserungswünschen zeigte sich ein recht klares Bild. Vorrangig wurde kritisiert, dass die DIN V 18955 generell zu komplex und unverständlich sei und die Rechengänge nicht nachvollziehbar seien ( Abb. 6). Probleme gibt es auch, weil der Aufwand bei der Datenermittlung vor Ort zu groß ist. Außerdem treten Anlagenkonfigurationen auf, die in der DIN V 18599 nicht vorgesehen sind. Es zeigte sich auch, dass die Kundenakzeptanz für die Bewertung häufig fehlt und sich die Anwender beim Thema Plausibilität unsicher sind.
Die DIN V 18599 wünschen sich viele Teilnehmer kompakter, übersichtlicher und überschaubarer. Außerdem möchten sie Vereinfachungen und mehr Nutzerprofile. Die Gesetzgebung sollte einfacher, eindeutiger und klarer formuliert werden. Einige möchten, dass die Wahlmöglichkeit für Verbrauchsausweise abgeschafft wird. Während einer der Befragten eine Verordnungspause verlangte, forderte ein anderer, in gleicher Geschwindigkeit weiterzumachen, denn es sei fünf vor zwölf.
Die Software für Nichtwohngebäude soll bedienerfreundlicher, transparenter, übersichtlicher und nachvollziehbarer werden. Die Befragten möchten kleinere nachvollziehbare Rechenschritte, mehr Teilergebnisse und Plausibilisierungshilfen auch für Zwischenschritte. Ein Teilnehmer bat um die Verbesserung des Berichtswesens, insbesondere für die Energieberatung.
Bei der Weiterbildung würden sich viele gerne mehr mit Kollegen bzw. 18599-Anwendern austauschen. Vorgeschlagen wurden Aufbaukurse für 2009, um die Erfahrungen zu nutzen. Häufig wurden mehr Praxisinhalte sowie kostengünstigere bzw. sogar kostenlose Schulungen gefordert. Ein Teilnehmer hat angeregt, dass Seminarangebote nach dem Erfahrungsgrad der Anwender gegliedert werden sollten.
Weitere Meinungen und Vorschläge finden Sie im Infokasten auf der rechten Seite.
Wir bedanken uns bei den Teilnehmern der Umfrage für ihr engagiertes Mitmachen und bei der Energieagentur Freiburg für die Unterstützung bei der Zusammenstellung der Fragen.
Britta Großmann
- Teil: Stimmen aus der Praxis
- Teil: INFO
- Teil: MEINUNGEN VON ENERGIEBERATERN