Anmelden

Sie haben noch keine Zugangsdaten?  Neu registrieren

- Sie müssen zum Beobachten angemeldet sein -

Bewerten Sie dieses Thema:

Heizungstausch nach EnEV 2014

Gemäß EnEV 2014 müssen Heizkessel, die vor dem 01.01.1985 gebaut wurden und keine NT- oder BW-Kessel sind ausgetauscht werden. Für jüngere Heizkessel gibt es die 30 Jahre Frist, also auch ab 2015.
Bei einem MFH (30 WE) mit einem Kessel aus 1985 hat die Hausverwaltung vom Schornsteinfeger folgende Auskunft erhalten:
Der Kessel wurde in 2014 für i.O. befunden.
Nächste Feuerstättenschau 2015: er wird mitteilen, dass alles i.O. ist, da für die EnEV 2014 eine Übergangsfrist bis 2016 besteht. Bei der nächsten Feuerstättenschau ca. 2017/2018 wird er dann eine Beanstandung abgeben (Feuerstättenschau muss innerhalb von 7 Jahren 2x stattfinden).
Meine Fragen:
1. Gibt es eine "Übergangsregelung bis 2016"?
2. Ist diese Vorgehensweise EnEV-konform?
(Bemerkung: Zudem ist der Kessel Bj. 1984 und nicht wie im Schornsteinfegerbericht genannt 1985)
Datum: 08.10.2014 12:40:34

Re: Heizungstausch nach EnEV 2014

Achtung: Richtig lesen: §10 EnEV sieht vor, dass Heizkessel, die vor dem 1.1.1985 eingebaut oder aufgestellt worden sind, ab 2015 nicht mehr zu betreiben sind. >Eingebaut, nicht gebaut<
Bei EnEV, BImSchV, BO, usw. zählt aber immer das Inbetriebnahme- / Aufstelldatum, nicht das Baujahr. Es ist nicht außergewöhnlich, dass Baujahr (Baujahr, -monat, -ort sind in der verschlüsselten Serien-Nummer erkennbar) und Inbetriebnahme weit auseinanderklaffen können. Inbetriebnahme bedeutet, dass die Baustelle abgeschlossen, übergeben und die BImSchV-Abnahme durchgeführt wurde. Probeläufe, Trockenheizen usw. zählen nicht dazu.

Wurde wie hier der betroffene Heizkessel Bj. 1984 z. B. erst im November 1985 in Betrieb genommen, läuft die Nutzungsfrist bis zum 30. 11. 2015. Die Verpflichtung der Außerbetriebnahme gilt für den Eigentümer, der Schornsteinfeger kann und darf solche Beanstandungen, da sie keine brandgefährlichen Mängel sind, nur im Rahmen seiner Feuerstättenschau aussprechen.Hat er diese 2014 durchgeführt, kann er den Kessel erst frühestens 2017 beanstanden. Darüber hinaus muss er prüfen, ob es sich tatsächlich um einen Standardkessel oder schon um einen NT-Kessel (gleitende Kesselwasser-T bis 40°) handelt. Es gibt tasächlich nur noch sehr wenige echte zu beanstandete Heizkessel, denn Anfang der 80er wurden die NT Stand der Technik.Beim Bundesverband Schornsteinfeger sind die Zahlen abrufbar.

Zusätzlich kann der Eigentümer unter gewissen Bedingungen den §25 nutzen. Der Energieberater kann zwar empfehlen, dass man sinnvollerweise den alten (egal ob St oder NT) auswechselt, zwingen oder fordern kann er aber nicht.

Kompetente Auskunft: http://www.schornsteinfeger.de/Technischer_Ausschuss__TA_.html

Grüße
Herbert Stapff
Datum: 09.10.2014 16:41:05

Re: Heizungstausch nach EnEV 2014

Hallo Herr Stapff,
vielen Dank für die Interpretation!
Danach gilt also tatsächlich der Inbetriebsetzungstermin und nicht das Baujahr.
Damit ist die Auskunft des Schornsteinfegermeisters nachvollziehbar.
Ob das Ganze im Sinne der EnEV ist, bezweifele ich zwar, aber es ist nun mal in der Verordnung so definiert. Und wenn sich die Überwachungsaufgabe des Schornsteinfegers auf die Feuerstättenschau reduziert, rückt der Austauschtermin in weite Ferne (zumal ein Schornsteinfeger gar nicht an den Austausch gegen einen BW-Kessel interessiert sein kann, da damit zukünftig das Kaminkehren entfällt).
Nochmals vielen Dank,
Klaus Magens
Datum: 09.10.2014 17:37:08

Re: Heizungstausch nach EnEV 2014

Herr Magens,

nur weil der Schornsteinfeger das "offiziell" erst später bemängeln wird, ist der Eigentümer des nach aktueller ENEV zu alten Heizkessels nicht aus der Pflicht genommen, geltende Gesetze zu beachten !

Man darf ja auch nicht absichtlich 100 km/h im Dorf fahren nur weil die Polizei gerade nicht kontrolliert...

Es gilt auch hier: "Unwissenheit schützt vor Strafe nicht"

Und ein 30 Jahre alter Heizkessel der noch nicht einmal NT-Technologie besitzt, lässt sich definitiv wirtschaftlich tauschen.

Ich verstehe diese nun aufkommenden Diskussionen auch überhaupt nicht. Kein Mensch fährt ein 30 Jahre altes Auto (nur Liebhaber) weil jeder weiß, dass neue Auto umweltfreundlicher und sparsamer sind. Diese Einstellung muss sich auch bei einer Heizungsanlage etablieren.
Datum: 10.10.2014 08:16:14

Re: Heizungstausch nach EnEV 2014

Hallo Sony Ony,
da bin ich gleicher Meinung, aber es geht letztlich darum, ab wann der Eigentümer Konsequenzen fürchten muss - und das ist lt. EnEV 2014 § 26b erst nach der vom Bezirksschornsteinfeger gesetzten Frist der Fall.
Die Wirtschaftlichkeit steht dabei in einem großen Mietshaus nicht im Mittelpunkt (sonst hätte der Eigentümer die Heizung schon nach spätestens 20 Jahren getauscht).
Grüße
Klaus Magens
Datum: 10.10.2014 09:33:02

Re: Heizungstausch nach EnEV 2014

Hallo Zusammen,
ich führte ja schon aus, der Eigentümer steht zwar in der Pflicht, aber er muss vorerst keine Repräsalien befürchten. Es überrascht uns ja nicht, sondern ist Fakt, dass viele Mietshäuser mit schlechter Technik oder unzureichender Gebäudehülle ausgestattet sind. Der Besitzer sagt sich, Mietshäuser sind zum Verdienen da, die Heizkosten werden auf die Mieter umgelegt, warum also investieren, wenn kein Vorteil daraus erwächst. (Ausnahme: wenns an die Steuer oder Abschreibung geht). Gleiches trifft auch für Steuermodelle Eigentumswohnungen zu.
Datum: 10.10.2014 12:44:22

Re: Heizungstausch nach EnEV 2014

Wir können diesem Kommentar nach 40 Jahren Erfahrung in der internationalen Automobilindustrie nur zustimmen !
Der pragmatischste Wecker überhaupt für beratungsresistente Langschläfer !
Besonders in Bezug auf Emissionen. Wir stoßen immer wieder auf potentielle Kunden, die glauben, dass Ihr Automobil einen CO2 Ausstoß von x Gramm pro 100 Kilometern hat ... analog der Kraftstoff - Verbrauchsangabe. Großes Erstaunen, wenn sie hören, dass sie auf 100 Kilometer durchschnittlich z.B. 15 kg an CO2 mit ihrem Automobil freisetzen.

Am Thema "Automobil" lässt sich der beratungsresistente potentielle Kunde in aller Regel nachhaltig überzeugen.
Datum: 22.11.2014 09:38:45

Re: Heizungstausch nach EnEV 2014

Die Ausführungen von Herrn Stapf gehen detailliert in die Bestimmungen der BImSchVO etc. ein. Die zentrale Frage, ist doch: Ist EU-Recht nicht höherrangiges Recht als die nationale BImSchVO? Mit der (den) EnEV(en) wird das europäische Recht in nationales Recht umgesetzt. Es wäre eine Expertise wert, festzustellen, inwieweit auf Basis der nationalen BImSchVO die in der EnEV gesetzten Fristen den Weiterbetrieb überalterter Kessel (Beispiel: Strebel Camino Baujahr 1968, Wechselbrandkonstruktion, versehen mit BImSch-Plakette 5/2014) weiterhin gestattet. Der oben genannte Beispielkessel (nicht erfunden) dürfte eigentlich schon nach den Bestimmungen der EnEV 2009 nicht mehr in Betrieb sein.
Datum: 04.11.2014 12:28:52

Re: Heizungstausch nach EnEV 2014

Hallo KollegInnen
Jetzt muss ich doch noch etwas tiefer in die Geschichte einsteigen. Aber vorher: Ein Heizkessel Bj. 1968 - noch dazu ein Wechselbrand- ist seit Jahren schon nicht mehr zulässig. Wenn ihn ein Schornsteinfegermeister trotzdem zertifiziert hat, hat er eindeutig seine Kompetenz überschritten. Ausnahmen darf nur die untere Aufsichtsbehörde (LRA, BA) erteilen.

Die BImSchV von der wir hier reden ist eine DVO des BImSchG von 1974. Sie ist als 1. BImSchV bezeichnet, weil sie die erste DVO dieses Gesetzes war und befasst sich mit häuslichen Kleinfeuerungsanlagen. Inzwischen gibt es 41 DVO zum BImSchG.
Das BundesImmissionsschutzgesetz ist die Kurzbezeichnung für das deutsche Gesetz zum Schutz vor schädlichen Umwelteinwirkungen durch Luftverunreinigungen, Geräusche, Erschütterungen und ähnliche Vorgänge. Es regelt das Gebiet des Umweltrechts und ist das bedeutendste praxisrelevante Regelwerk, solange es das angestrebte einheitliche deutsche Umweltgesetzbuch noch nicht gibt. Es regelt den Schutz von Menschen, Tieren, Pflanzen, Böden, Wasser, Atmosphäre und Kulturgütern. Hinzu kommen die TA Luft und TA Lärm. Dies tut es seit 1974, vergleichbares oder höherwertiges europäisches Recht gibt es bis dato noch nicht.
Als es erlassen wurde, hatte man industrielle Emissionen als ein ernsthaftes Problem für die Umwelt und die menschliche Gesundheit erkannt und war deren Regulierung mit dem Instrumentarium der Gewerbeordnung an Grenzen gestoßen. Es ist seitdem vielfach verändert, in seinem Regelungsumfang erweitert und in der Regelungstechnik präzisiert worden. Ansatzpunkt ist das BGB §906. http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__906.html

Immissionsschutz hat nichts mit Energieeinsparung zu tun, deshalb wurde 1976 aus dem BImSchG 1976 das Energieeinsparungsgesetz (EnEG) abgeleitet, welches 2005 neu gefasst und 2001 durch die EnEV ergänzt wurde. Die EnEV kann deshalb BImSchV, BImSChG und EnEG nicht aushebeln.
Auch heute noch gilt: Immissionsschutz (= Schutz vor Immissionen = Reduzierung von Emmissionen) ist höher bewertet als Energieeinsparung genauso wie Denkmal- und Ensembleschutz über der EnEV stehen.

Ansonsten unterstütze ich die Anregung, juristisch feststellen zu lassen, inwieweit sich europäische und nationale Gesetzgebungen gegenseitig blockieren, ergänzen, aufheben oder überholen. Vielleicht könnten hier GEB, DEN oder GIH aktiv werden?
Datum: 19.11.2014 11:17:21

Frage des Monats

Sind Ihnen schon Energieausweise mit manipulierten Werten begegnet?

Abstimmen
Wissenscheck

Testen Sie Ihr Wissen und lernen Sie dazu! Jeden Monat stellen wir Ihnen vier Fragen aus dem GEB-Umfeld und erläutern die richtige Antwort.

GEB-Newsletter

Ja, ich möchte den GEB-Newsletter kostenlos abonnieren: