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Energieausweis (Verkauf) und unzulässige Innendämmung

Hallo Kolleginnen und Kollegen,

folgender Fall: ich habe einen Energieausweis (Anlass: Verkauf) für ein Wohngebäude zu erstellen. In diesem Gebäude hat der Alteigentümer ohne ausreichende Kenntnisse in Eigenleistung eine nicht fachgerechte Innendämmung mit Baumarktmaterialien eingebaut - und zwar an sämtlichen Außenwänden sowie am Dach unter den Sparren.

Dieser "Experte" hat Heraklith-Sandwichplatten (5 mm HW-Leichtbauplatte - 30 mm EPS - 5 mm HW-Leichtbauplatte) ohne jegliche Dampfbremse, teilweise mit groben Spalten zwischen den Stößen, auf den Untergrund geschraubt, dann verputzt und tapeziert. Die zu erwartenden Feuchte- und Schimmelschäden sind im Wand- und Dekcneaufbau teilweise deutlich sichtbar.

Für die energetische Bilanzierung habe ich sämtliche Außenwände und Dachbauteile OHNE diesen Mist gerechnet, weil der neue Eigentümer (für den ich die energetische Sanierung plane) diese bauphysikalisch nicht funktionierende Innendämmung eh herausreißen wird - und muss.

Ich frage mich natürlich ob mein Vorgehen wirklich korrekt ist. Muss ich für den Energieausweis einen Zustand bilanzieren, der eigentlich - aufgrund seiner bauphysikalischen Unzulässigkeit - nicht haltbar ist, oder darf ich einen "bereinigten" (also schlechteren) Zustand annehmen, indem ich die - zwingend zu entfernende, weil falsche - Innendämmung nicht berücksichtige?

Wie ist Eure Meinung dazu?

Danke & viele Grüße
Frank-Stefan Meyer
 

Datum: 11.09.2014 23:45:03

Re: Energieausweis (Verkauf) und unzulässige Innendämmung

Ich habe es jetzt so geregelt, dass ich im Feld "Ergänzende Erläuterungen..." folgendes eingetragen habe:

"Die Innendämmung muss aufgrund des nach DIN 4108-3 nicht erfüllten Feuchteschutzes entfernt werden. Sie bleibt daher in der Bilanzierung weitgehend unberücksichtigt." Basta.

Das wird dem Eigentümer zwar nicht gefallen. Aber da er das Haus schon verkauft hat - auf die Idee mit dem Energieausweis kam er da ein bisschen spät -, kann es ihm letztendlich wurscht sein, und die neuen Eigentümer, für die ich das KfW-Effizienzhaus plane, haben einen realistischen Ausgangswert für die Bezugsvariante...

Datum: 13.09.2014 13:31:35

Re: Energieausweis (Verkauf) und unzulässige Innendämmung

Die EnEV 2013 gibt keine Mindestdicken oder Höchst-U-Werte für die Innendämmung mehr vor. Insoweit ist eine Überlegung der Herausrechnung der Innendämmung systemwidrig.

Es muss der U-Wert in den Wärmebedarf eingerechnet werden, der vorhanden ist.

Wenn dies nicht so wäre, wie handhabt man eine Heizungsanlage in einem Mehrfamilienhaus, die älter als 30 Jahre ist (Konstanttemperaturkessel)?

Thomas Möller

Datum: 16.09.2014 12:33:29

Re: Energieausweis (Verkauf) und unzulässige Innendämmung

Ich denke aber, man kann es nicht mit dem Thema Heizkessel vergleichen. Ein alter Konstanttemperaturkessel ist zwar rein verordnungsmäßig von der Austauschpflicht betroffen, schadet aber beim Betrieb nicht der Bausubstanz. Es ist also korrekt, das Haus MIT dem alten Kessel zu bilanzieren, auch wenn man weiß, dass er raus muss.

Wenn ich hingegen die bauphysikalisch schädliche, laienhaft angebrachte "Innendämmung" mit bilanziere (völlig egal, was die EnEV dazu sagt), dann wird der Kaufinteressent in die Irre geführt, da ein besserer Ist-Zustand vorgegaukelt wirrd, als tatsächlich vorhanden.

Und da diese Konstruktion zwingend entfernt werden muss, um Bauschäden zu verhindern, muss als Ausgangszustand eben das Gebäude ohne die falsche Innendämmung hergenommen werden.

Genauso könnte ja einer vor dem Verkauf die Fensterscheiben dämmen. Dann käme zwar kein Licht mehr ins Haus, aber HT' wäre viel besser - also dasselbe in grün: Irreführung der Kaufinteressenten, zumindest im Vorfeld über den in der Immobilienanzeige angegebenen Endenergiebedarf. So etwas kann man nicht mit bilanzieren. Meine Meinung jedenfalls...

Übrigens ist es für den Vorbesitzer kein großer "Nachteil", denn so entfällt der pauschale Wärmebrückenzuschlag von 0,15 W/m²K (bei >50% Innendämmung und Massivdecken). Vielmehr kann der Zuschlag ggf. sogar auf Null gesetzt werden, da beim ungedämmten Bestandsbau die Wärmebrückenverluste i.d.R. durch den Außenmaßbezug mit abgedeckt sind. Kann jeder selbst nachrechnen...

Grüße
Frank-Stefan Meyer

Datum: 17.09.2014 10:54:35

Re: Energieausweis (Verkauf) und unzulässige Innendämmung

"Übrigens ist es für den Vorbesitzer kein großer "Nachteil", denn so entfällt der pauschale Wärmebrückenzuschlag von 0,15 W/m²K (bei >50% Innendämmung und Massivdecken). Vielmehr kann der Zuschlag ggf. sogar auf Null gesetzt werden, da beim ungedämmten Bestandsbau die Wärmebrückenverluste i.d.R. durch den Außenmaßbezug mit abgedeckt sind. Kann jeder selbst nachrechnen..."

Hallo Herr Meyer,
so dürfen(!) Sie aber nicht bilanzieren. Wenn Sie keinen Gleichwertigkeits- oder Einzelnachweis über die Wärmebrücken führen müssen(!) Sie 0,1W/m²K als WB Zuschlag in der Bilanz ansetzen. Die Regeln wie zu bilanzieren ist müssen eingehalten werden, egal ob diese richtig oder falsch sind, da es sich um ein öffentlich rechtliches Nachweisverfahren handelt. Wüprde man dies nicht tun wären die Ergebnisse nicht miteinander vergleichbar, was aber gerade der Sinn des Energieausweises sein soll.
Das allerdings jemand einen WB Einzelnachweis für einen Energieausweis erstellt wage ich sehr zu bezweifeln.

Gruß

Bernhard Engels

Datum: 21.10.2014 10:01:07

Re: Energieausweis (Verkauf) und unzulässige Innendämmung

>so dürfen(!) Sie aber nicht bilanzieren. Wenn
>Sie keinen Gleichwertigkeits- oder
>Einzelnachweis über die Wärmebrücken führen
>müssen(!) Sie 0,1W/m²K als WB Zuschlag in der
>Bilanz ansetzen. Die Regeln wie zu bilanzieren
>ist müssen eingehalten werden, egal ob diese
>richtig oder falsch sind, ...

Hallo Herr Engels,

vollkommen richtig. Für den Energieausweis mache ich natürlich keinen detaillierten WB-Nachweis, weil der Ausweis dann schnell mal das 10-fache kosten würde, das ist klar. Ich hatte mich etwas verkürzt - und damit missverständlich - ausgedrückt:

Für den Energieausweis habe ich die 0,1W/m²K als pauschalen WB-Zuschlag angesetzt, weil durch die zwingend zu entfernende, der "falsche" Innendämmung keine 0,15 W/m²K mehr angesetzt werden mussten. Ein kleiner "Vorteil" also trotzdem...

Aber ich meinte, rein rechnerisch könnte man durchaus 0 (bzw. "schon berücksichtigt") ansetzen (was man eben nicht darf), da es einschlägige Untersuchungen (z.B. von Daniel Kehl vom e.u.z. Springe) dazu gibt, die besagen, dass bei ungedämmten Bestandsbauten i.d.R. die WB-Verluste schon über den Außenmaßbezug abgedeckt, teilweise sogar überkompensiert sind.

Das gleiche Thema haben wir ja bei den im unsanierten Fall anzusetzenden Randbedingungen: Hier sagt z.B. die dena in ihrem "Leitfaden Wirtschaftlichkeit", dass für einen unsanierten Bestandsbau eine durchschnittliche Innenraumtemperatur von 16,2°C angesetzt werden sollte, um einen realistischeren Vorher-Nachher-Vergleich zu haben, da so der Verbrauchsanpassungsfaktor näher an 1,0 ist. Und das darf man ja beim Energieausweis auch nicht, sondern man muss mit 19°C (DIN 4108/4701) bzw. 20°C (DIN 18599) rechnen...

Es ist eben ein tatsächlich ein Unterschied, ob man "ingenieursmäßig" rechnet oder - weil man es beim Energieausweis oder KfW-Nachweis eben muss - nach Vorgaben von Verwaltungsseite.

Viele Grüße
Frank-Stefan Meyer
 

Datum: 21.10.2014 10:36:04

Re: Energieausweis (Verkauf) und unzulässige Innendämmung

Wenn wir dieses bauphysikalische Fass beim Energieausweis aufmachen würden, dann müssten wir die Dämmwirkung von Mineralwolle im Dach durch Handauflegen bestimmen können.
Was setzt man an, wenn die Dämmung vor 5 Jahren durch eine Fachfirma ohne luftdichte Ebene eingebracht worden ist?
Was ist bei 20 Jahre alter MW aus dem Baumarkt anzusetzen?
Und wenn sie 40 Jahre alt ist?
In einer Energieberatung kann ich wenigstens fragen, wie lange der Schnee liegen bleibt.

Gruß
Datum: 22.10.2014 17:22:09

Re: Energieausweis (Verkauf) und unzulässige Innendämmung

Ich denke, es ist jedenfalls immer eine Ermessenssache, die man vom jeweiligen Einzelfall abhängig machen sollte. Aber egal, ob ich "nur" einen Energieausweis ausstelle oder eine Bestandsaufnahme mit dem Ziel eines KfW-Effizienzhauses mache: Ich schaue mir jedes Bauteil genau an, wenn möglich, auch in den Aufbau hinein, und versuche eine möglichst realistische Bewertung vorzunehmen.

In begründeten Einzelfällen habe ich dafür auch schon (natürlich an einer Stelle, wo es nicht schadet - am besten geht das im Zuge einer Kernsanierung) eine Mauerwerksprobe genommen, um deren Rohdichte festzustellen, um z.B. in den Herstellertabellen mit den historischen Wärmeleitfähigkeiten, den "richtigen" Mauerstein identifizieren zu können.

Klar muss man alles vom Kosten-Nutzen-Aufwand her abwägen, denn schließlich muss es ja irgendwie bezahlt werden...

Grüße

Datum: 23.10.2014 12:55:51

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