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Wie macht man die geförderte Vor-Ort-Beratung wieder attraktiver?

Im Top Thema des GEB 04/2014 "Was die Evaluierung der Vor-Ort-Beratung zeigt" wird klar: Berater finden zwar das geförderte Vor-Ort-Beratungsprogramm generell gut und Beratungsempfänger sind zufrieden, doch die Antragszahlen lassen schwer zu wünschen übrig. Wie kann dieses Programm wieder Aufschwung bekommen und für Berater und Beratene attraktiver werden?
Datum: 31.03.2014 10:44:36

Re: Wie macht man die geförderte Vor-Ort-Beratung wieder attraktiver?

Hallo Frau Großmann,

schön wäre es, wenn Sie zunächst einmal den Richtliniengeber zu einer Stellungnahme bewegen könnten. Immerhin sind die Antragszahlen zwischen 2009 und 2013 um fast 80 % (!) gefallen. Und das trotz der Gutscheinaktion Ende 2013 für 1000 Beratungen.

MfG
Heinz Pluszynski
Datum: 10.04.2014 14:29:08

Re: Wie macht man die geförderte Vor-Ort-Beratung wieder attraktiver?

Aus meiner Sicht liegt es an der BAFA selbst die einen viel zu starren Rahmen vorgibt. Die völlig festgeschriebenen Regeln für den Beratungsbericht sind nicht sinnvoll da der Bericht dadurch an Individualität verliert, auf jedes Thema eingegangen werden muss, ob es relevant ist oder nicht und der Zeitaufwand unnötig größer wird (und dadurch die Kosten). Der Bericht wird aufgebläht und der Kunde von dem dicken Pamphlet erschlagen. Was für den Kunden wichtig und passend ist kann man so gut wie immer kompakt in einem individuellen Bericht zusammenfassen. Ein kurzer, individualisierter Bericht bedeutet weniger Aufwand, behandelt nur die TThemen die den Kunden auch betreffen und kostet deshalb nicht mehr als der Eigenanteil bei der BAFA-Beratung.... und der Kunde blickt durch.
Nebenbei spart sich der Berater Zeit und geht nicht das Risiko ein wegen irgendwelcher "Fehler" den Förderanteil von der BAFA gestrichen zu bekommen.
Das Problem liegt im Konzept und in den Vorgaben der BAFA. Ich mache seit Jahren deshalb nur noch individualisierte Beratungsberichte und habe zufriedene Kunden, denen keinerlei Information fehlt, die in einem BAFA-Bericht wäre.
Beste Grüße,
Wolfgang Sojer
Datum: 13.04.2014 07:58:51

Re: Wie macht man die geförderte Vor-Ort-Beratung wieder attraktiver?

Hallo Frau Großmann,

Kollege Soyer hat den Nagel direkt auf den Kopf getroffen. Ich kann seinen Ausführung 100% beipflichten. Ich mache nachdem ich über 400 Vor-Ort-Beratung gemacht hatte seit nun über einem Jahr keine mehr. Die Anforderungen an den BAFA-Bericht entwickeln sich immer weiter weg von dem, was ein Kunde erwartet und was seinen Bedürfnissen entspricht. Er möchte eine für ihn passende Energieberatung und keinen dicken Bericht. Die Qualität der Beratung steigt nicht mit der Anzahl an Seiten des Berichts. Wenn ein Kunde beim ersten Ortstermin gleich unmissverständlich zum Ausdruck bringt, dass z. B. eine Solaranlage nicht gewünscht wird und man dies dann in den Bericht schreibt, hat man wieder einen "Fehler" gemacht und ist den Zuschuss los. Ohne den BAFA-Bericht ist eine qualifizierte Energieberatung ebenso möglich, vielleicht sogar besser. Wenn die BAFA nicht grundlegend etwas ändert werde ich auch künftig keine geförderten Vor-Ort-Bratungen mehr machen. Allerdings macht mir der Vortrag des BAFAs im Rahmen Deutschen Energieberatertag 2014 in Frankfurt am 02.04.2014 keine großen Hoffnungen.
Datum: 22.04.2014 07:39:42

Re: Wie macht man die geförderte Vor-Ort-Beratung wieder attraktiver?

Hallo Frau Grossmann,

auch ich schließe mich den Ausführungen meiner Vorredner 100 % an. Nach über 250 gefördreten Beratungen die in der Vergangenheit immer die Zustimmung und Zufriedenheit meiner Kunden gebracht haben, muß ich feststellen, dass ich im Beratungsgespräch unmißverständlich von meinen Kunden aufgefordert werden bestimmte Teile zu "überblättern". Ich bereite mich vor und der Kunde will es einfach nicht. Wenn wir uns nicht mit unnötigem (weil von Berater und Empfängerseite) nicht gewollten Dingen aufhalten bleibt mehr Zeit für Sinnvolles. Eine Dame der KfW, die mich im Vorfeld der Evaluation besuchte habe ich mit dem "vollen Programm" des technischen Inhaltes konfrontiert,(was Sie sehr interessant fand) und Sie anschließend gefragt ob wir uns jetzt über Zinskonditionen in verschiedenen Szenarien unterhalten sollten. Dafür hatte Sie aber im Kopf keine Kapazitäten mehr..... und so geht es meinen Beratungsempfängern auch. Das Aufnahmevermögen ist begrenzt und sollte optimal den persönlichen Bedürfnissen entsprechend ausgefüllt werden. MEHR INHALTLICHE FREIHEIT für Energieberatungen!
Datum: 22.04.2014 08:43:38

Re: Wie macht man die geförderte Vor-Ort-Beratung wieder attraktiver?

Der Fehler liegt im System der Qualitätssicherung des BAFA : Es war die allergrößte Dummheit des BAFA einen "Musterberatungsbericht" zu veröffentlichen. Daraufhin haben sich alle Softwarehersteller auf diesen Musterbericht gestürzt und ihn 1:1 in die Beratungssoftware übernommen. Das Resultat sind nun wieder standardisierte 08-15-Berichte, die zwar formal den Vorgaben des BAFA entsprechen, die dem Kunden aber nicht helfen. Ich mache seid Jahren nur individuelle Beratungsberichte, das kostet dann zwar etwas mehr Zeit, bringt mir aber Empfehlungen und den Ruf ein "echter" Energieberater zu sein und nicht nur ein Knöpfchendrückerberater......
Datum: 22.04.2014 10:59:53

Re: Wie macht man die geförderte Vor-Ort-Beratung wieder attraktiver?

>Daraufhin haben sich alle Softwarehersteller
>auf diesen Musterbericht gestürzt und ihn 1:1
>in die Beratungssoftware übernommen.

Die Softwarehersteller reagieren schlicht auf Kundenwünsche. Die meisten Kunden fragen nach einem "förderfähigen" Beratungsbereicht mit dem geringsten Aufwand. Also wurde der Muster-Beratungsbericht mit größten Bauchschmerzen umgesetzt.
Zusätzlich stehen die Berichtsvorlagen aus der Zeit vor diesem "untauglichen" Musterbericht regelmäßig zur Verfügung. Das Interesse der Nutzer tendiert gegen Null. Die Berichte können - in allen Softwareprodukten - individuell mit Platzhaltern erstellt werden. Es gibt hier kein Grund die Fehler im Werkzeug zu suchen.

Aus meiner Sicht war die Wirtschaftlichkeitsbetrachtung eine reine Haftungsfalle. Wer "in die finanzielle Disposition" eines Dritten eingreift, darf sich nicht NUR zum Vertriebsmitarbeiter der KfW degradieren lassen.
Es gibt eine klare Unterschied zwischen "Einfach" und "Trivial". Ein "einfacher" Beratungsbericht ist die Königsdisziplin - mit den richten Worten und Grafiken komplexe Sachverhalte auf den Punkt bringen. Die Wirtschaftlichkeitsbetrachtung im Musterbericht war jedoch aufwendig/zeitraubend und im Ergebnis trivial.
Datum: 01.06.2014 21:48:28

Re: Wie macht man die geförderte Vor-Ort-Beratung wieder attraktiver?

Sehr geehrte Frau Großmann,

vielleicht können sie sich erinnern, im Jahr 2009 hatte ich erkannt, dass ohne einen wirklichen Mehrwert für alle das System nicht dauerhaft funktioniert. Ich stellte 2010-2012 den verschiedensten Gremien das System unter dem Arbeitsnamen [S]CHECK vor.
Ziel ist es, dem €nergieberater seine zentrale Position als Vermittler der am Bau tätigen zuzuweisen. Unter Einbeziehung von Industrie, Finanzierern und Energieversorgern sollte so ein Cash-Back-System für nachgewiesen nachhaltige Investitionen etabliert werden - natürlich auf der Basis neutraler und wirtschaftlich unabhängiger Beratungsleistungen. Deutlicher Vorsprung des Systems wäre auch heute noch: die Höhe der Förderung an der Qualität der erzielten Ergebnisse zu bemessen - was sinnigerweise eine Kontrolle der Ergebnisse voraussetzt. Unsere wirtschaftliche Prognose sagte einen Markt von 100.000 Beratungen pro Jahr (bei einer Quote von 20%) aus ...
... und dafür gab es bereits 2009 eine Förderempfehlung des GIH an die DBU.

Was bleibt, ist die Idee und das Potential.

Mit freundlichen Grüßen
Ihr €nergiesparhelfer
Dirk Lind
Datum: 22.04.2014 08:52:47

Re: Wie macht man die geförderte Vor-Ort-Beratung wieder attraktiver?

Hallo,
da ich mich privat sehr stark für das "Große Ganze" interessiere und gern über den Tellerrand schaue, möchte ich gleich mal etwas weiter ausholen. Zunächst stimme ich meinen Vorrednern vollkommen zu. Es geht ganz eindeutig hin zu einer vereinheitlichten, unkreativen und letztlich sinnbefreiten Energieberatung. Geholfen werden kann dem Beratungsempfänger nur mit einer auf seine speziellen Gegebenheiten zugeschnittenen Beratung. Das Problem ist: hierfür gibt es keinen Zuschuss. Um kostendeckend arbeiten zu können, nimmt man als Berater aber dann i.d.R. mehr als die 400 Euro Eigenanteil für die BAFA-Beratung, sonst kann man es auch gleich sein lassen. Das will dann aber erstmal niemand haben. Der Kunde sieht zunächst nur, dass er vom Staat was kriegen kann - und nicht die Vorteile einer individuellen, zugeschnittenen Beratung ohne Firlefanz. Das bloße Vorhandensein der staatlichen Subvention blockiert also gewissermaßen ein kreatives, zielorientiertes Vorgehen. So etwas könnte man auch als Planwirtschaft bezeichen. Und leider reiht sich die Energieberatungsszene da nahtlos ein in mittlerweile so gut wie alle Lebensbereiche. Das scheint so gewollt zu sein und leider sehe ich überhaupt keine Chance auf Besserung, sondern eine stetige Verstärkung in diesem Trend. Meine einzige Hoffnung liegt darauf, dass der Kunde die individuelle (nicht geförderte) Beratung annimmt. Die Überzeugungsarbeit hierfür ist aber schwer (Absicht ?).
Wie macht man die Beratung wieder attraktiver ? Vielleicht würde eine Staffelung der Förderprämien helfen, anstatt sich auf einen Betrag von 400.-/450.- Euro zu fixieren. Man könnte z.B. auch 200.- für eine freie Beratung ohne KfW-Modus zuschießen.
Beste Grüsse
Datum: 23.04.2014 10:24:01

Re: Wie macht man die geförderte Vor-Ort-Beratung wieder attraktiver?

Im Gegensatz zu den Vorbeiträgen bin ich etwas anderer Meinung. Die Ausführungen zur Entwicklung der Anforderungen an die Vor-Ort-Beratung sind sicherlich richtig, aber in meinen Augen nur am Rande ursächlich für den Rückgang.


Zunächst einmal sollte man sich vergegenwärtigen, daß das Abknicken der Beratungszahlen zum einen einher ging mit der Wirtschaftskrise 2008/2009. Zum anderen ging sie aber einher mit dem Inkrafttreten der EnEV 2009 mit ihrer Anhebung der Anforderungen. Dies bedeutete gleichzeitig eine Verschlechterung der Wirtschaftlichkeit von Energiesparmaßnahmen wegen der damit verbundenen höheren Kosten.


Ich weiß nicht, welcher Aspekt schwerer wiegt, jedenfalls haben sich die Beratungszahlen seither nicht mehr erholt, wogegen sie vorher kräftig angestiegen sind.


Darüber hinaus muß man sich bewußt sein, daß die meisten der potentiellen Kunden noch nie etwas vom Vor-Ort-Programm gehört haben. Diejenigen, die nach KfW-Darlehen suchen, stolpern auf der Suche auf der KfW-Seite über die Empfehlung, im Vorfeld eine Vor-Ort-Beratung durchzuführen. Andere, die dort nicht suchen, werden wahrscheinlich auch nichts dazu finden und beauftragen natürlich auch keine Vor-Ort-Beratung.


Schließlich, denke ich, hat, seit es die KfW-Baubegleitung (Prog. 431) gibt, eine gewisse Kannibalisierung der Vor-Ort-Beratung stattgefunden. Die KfW-Baubegleitung bietet einen attraktiveren Fördersatz und ermöglicht eine freie Beratung ohne die Anforderungen des Bafa im Nacken zu haben. So kann flexibel auf die Bedürfnisse des Kunden eingegangen werden. Der Rest ist eine Frage der Rechnungslegung. Das Programm 431 kommt den Bedürfnissen der meisten Kunden einfach näher als die starre Vor-Ort-Beratung.


Abgesehen davon muß man die Thematik einmal aus Kundensicht betrachten. Die Vor-Ort-Beratung ist für jemanden interessant, der etwas an seinem Haus machen will, aber noch offen dafür ist, was genau. Die Vor-Ort-Beratung sagt ihm klar und deutlich, wo er am besten angreifen soll, was das ungefähr kostet und wie er das finanzieren kann.


Diejenigen, die sich im Vorfeld schon für eine Maßnahme entschieden haben, und das sind die meisten, sind über die Vor-Ort-Beratung hinweg. Abgesehen davon schreckt die große Masse vor der hohen Investition einer Komplettsanierung zurück und zwar so sehr, daß er sie nicht einmal in Erwägung zieht. Die Strategie der kleinen Schritte ist für viele Leute das Mittel der Wahl. Das kommt uns Energieberatern in Form von KfW-Baubegleitungen entgegen. Umgekehrt geht aber ein Teil derjenigen, die vielleicht trotzdem eine Vor-Ort-Beratung beauftragt hätten, verloren (siehe oben).


Was kann man tun?


Ich denke, man sollte das Vor-Ort-Programm und den Beratungsnutzen für den Kunden viel stärker bewerben. Es muß eine klare Abgrenzung des Nutzens der Vor-Ort-Beratung im Verhältnis zu anderen Förderprogrammen geben.


Auch sind die Fördersätze für die Leistung nach wie vor zu gering, außer vielleicht für die Kollegen, die Höhe des Zuschusses noch einmal als Eigenanteil vom Kunden nehmen, damit die Förderhöchstgrenze von 50 % eingehalten wird. In Anbetracht aller Kosten ist dieser Kurs für die Leistung in meinen Augen nicht auskömmlich. Deswegen sollten die Fördersätze angehoben werden, so daß man insgesamt auf eine Förderquote von deutlich über 50 % der Beratungskosten kommt. Dann gibt es auch keinen Grund zur Kannibalisierung durch die KfW-Baubegleitung mehr.


Grundsatz sollte sein, je abstrakter das Bauvorhaben noch ist, desto höher sollte die staatliche Zuschußquote sein, damit die Leute bereit sind, eine Vor-Ort-Beratung zu beauftragen.


Darüber hinaus sollte die Vor-Ort-Richtlinie dem Berater die Flexibilität lassen, die er benötigt, um auf die individuellen Kundenwünsche einzugehen. Hierbei sehe ich es nicht als schädlich an, ihm eine Variante z. B. zu Biomassenutzung und Solarthermie zu präsentieren, auch wenn es der Kunde nicht wünscht. Eine gute Beratung sollte immer auch über den Tellerrand hinausgucken, und sei es nur, um das Thema anschließend sofort ad acta zu legen.
Datum: 23.05.2014 00:46:00

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