Zum Beitrag „Energiewende auf dem Holzweg?“ aus dem GEB 01-2016 erreichte uns folgender Leserbrief von Energieberater Wolfgang Beck aus Berlin:

„Der Artikel von Matthias Hüttmann bemängelt zu Recht den Rückgang von Biomasse- Heizkesseln und führt hohe Investitionskosten als Bremse für die Bereitschaft zum Austausch bestehender veralteter Heizkessel an - nicht nur im Zusammenhang mit dem Wechsel des Energieträgers. Auffallend ist, dass in seinem Artikel ausschließlich der Austausch von Heizkesseln als Maßnahme zur Energieeinsparung angeführt wird, aber die energetische Sanierung der Gebäudehülle nicht in Zusammenhang gebracht wird, wie sie seit Einführung der Energieeinsparverordnung (2002) zur Optimierung der Wärmeerzeugung angestrebt wird. Das von den Nutzern argumentativ hinterlegte "Greifen zum Gewohnten" kann aus meiner Sicht als Energieberater zumindest im privaten EFH-Bereich nur bestätigt werden. Für fossil betriebene Heizkessel besteht angeblich kein Grund für einen Austausch, solange der Kessel "einwandfrei funktioniert" und die "Werte" in Ordnung sind. Das kann auch noch die nächsten 10 Jahre zutreffen, denn diese robusten Oldtimer sind im Gegensatz zu manch anderen Produkten der modernen Gebrauchstechnik nicht mit sogenannten Sollbruchstellen ausgestattet, die eine begrenzte Gebrauchsfähigkeit bewirken. Schaut man sich in der Garage allerdings das dazugehörige Automobil an, stellt sich heraus, dass es sich dabei um einen technisch durchaus aktuellen Ersatz des Vorgängermodells handelt, für dessen Anschaffung "Wirtschaftlichkeit" oder "Amortisation" kein Gegenargument selbst für zusätzliche Ausstattungsmerkmale waren - allerdings ohne Garantie für mehr Energieeffizienz! Es ist also zusammen mit dem fundierten Artikel von Matthias Hüttmann klar festzustellen, dass die emotional psychologische Komponente der Energiewende eine bedeutende Rolle spielt, die bisher in keiner DIN und mit keiner Verordnung abgebildet wird. Ähnliches kann auch aus dem Generationenverhalten herausgelesen werden: wenn die verbleibende Lebenserwartung der Bewohner abnimmt, besteht für die noch zu erwartenden Jahre kein Motiv mehr, eine Sanierung oder einen Austausch vorzunehmen. Hat die nachfolgende Generation aber ein Gebäude übernommen oder wurde es an diese verkauft, muss das trotz aller Anreizprogramme kein Grund für eine ausreichende Beteiligung energetischer Sanierungsmaßnahmen an der Gesamtinvestition sein. Die nach dem Erwerb der Immobilie verbliebenen Finanzmittel werden meiner Beobachtung zufolge zuallererst in die umfassende und meist sehr nötige Modernisierung des Innenraums gesteckt. Von außen wird die Sanierung dann oft gar nicht sichtbar. Auch in der jüngeren Generation stehen meines Erachtens Pragmatismus und Psychologie dem Erfolg der Energiewende als verpasste Chancen bisweilen deutlich im Wege - und es ist zu verstehen. Löbliche Ausnahmen bestätigen zum Glück diese persönlichen Erfahrungen und Eindrücke."

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