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"Dämmwahn", "zu Tode gedämmt", "Könnes kämpft", "Verdämmt in alle Ewigkeit"...

Hallo zusammen,
nachdem die Medien (WDR, NDR, ZDF, der Spiegelartikel heute...) offensichtlich nun endlich den Rückgang in das Zeitalter vor der Aufklärung für den einzig gangbaren Weg journalistischen Schaffens halten: wie geht man damit um? Wem nützt dieser Ausbruch tiefen Empörens darüber, dass man uns Jahrzente etwas vorgemacht hat: Dämmen funktioniert nicht, die Erde ist eben doch eine Scheibe!
Einfach warten darauf, das man gefragt wird, beraten und aufklären kann, reicht nicht mehr aus. Man wird nicht mehr gefragt!
Hier besteht dringender Handlungsbedarf!
Aber wie?
Andreas Deppe
Datum: 03.12.2014 22:02:15

Re: "Dämmwahn", "zu Tode gedämmt", "Könnes kämpft", "Verdämmt in alle Ewigkeit"...

Datum: 04.12.2014 07:58:08

Re: "Dämmwahn", "zu Tode gedämmt", "Könnes kämpft", "Verdämmt in alle Ewigkeit"...

Das Thema entzweit auch fachlich befasste Berufsgruppen,
anbei ein Link zu einem Artikel des DAB von 2013 - mit teils kontroversen Kommentaren:

http://dabonline.de/2013/06/01/dammungslos-hemmungslos-konrad-fischer

Datum: 05.12.2014 11:23:23

Re: "Dämmwahn", "zu Tode gedämmt", "Könnes kämpft", "Verdämmt in alle Ewigkeit"...

Na ja.-...wir wollen uns ja jetzt nicht auf das (unterste) Niveau eines K. Fischers herablassen.
Dieser Herr betreibt reine Polemik.
Datum: 05.12.2014 11:44:42

Re: "Dämmwahn", "zu Tode gedämmt", "Könnes kämpft", "Verdämmt in alle Ewigkeit"...

Die derzeitige mediale Darstellung von 'Dämmung' oder 'Sanierung' - der übrigens gerade in meiner örtlichen Tagespresse eine ganze Seite 2 spendiert wurde - bewegt sich leider oft im esotherischen Bereich.
Häufig werden Aussagen von Sachverständigen, also strenggenommen von Leuten die von der Sache etwas verstehen sollten, genau im oben beklagten Kontext getätigt.

Man muss sich also zwangsläufig mit dem Niveau und den diesbezüglichen Aussagen / Behauptungen / etc. auseinandersetzten da viele Kunden entsprechende Fragen stellen.

Datum: 05.12.2014 12:01:03

Re: "Dämmwahn", "zu Tode gedämmt", "Könnes kämpft", "Verdämmt in alle Ewigkeit"...

Naja. Grundsätzlich stimme ich den Berichten in einigen Punkten sogar zu. Aus meiner Beratererfahrung schafft man doch meist ca. 50 bis 70 Prozent der Einsparungen mit ca. 25 Prozent des Kapitaleinsatzes. Da stimmt das Paretoprinzip doch meistens...

Ein wesentlicher Kritikpunkt ist doch auch die Entsorgung. Wie das funktionieren soll weis ich auch noch nicht. Vielleicht irgentetwas mit Kernfusion, um etwas von der Welt als Scheibe wegzukommen.

Letztendlich sind einige Kritikpunkte an dem vorherrschenden Dämmwahn doch berechtigt. Ehr Abstrakt finde ich den Punkt Brandgefahr. Selbstenzündende WDVS-Systeme habe ich noch nicht gesehen. Hier Bedarf es schon einer ordentlichen Brandlast um diese zu enzünden.

MFG cb
Datum: 09.12.2014 22:03:42

Re: "Dämmwahn", "zu Tode gedämmt", "Könnes kämpft", "Verdämmt in alle Ewigkeit"...

Guten Abend,

einen Vorteil hat es ja: ich wurde letztes Wochenenede von komplett brachenfremden Freunden zu dem Thema angesprochen - sprich: das Thema bekommt Öffentlichkeit.
Was mir an der gesamten Diskussion jedoch aufstößt ist, dass keine Lösungen gezeigt werden. Die EPS-Dämmung wird ja u.a. verwendet, weil sie eine Preisvorteil gegenüber anderen Systemen hat. Die tauchen jedoch gar nicht auf. Wenn Bedenken hinsichtlich Brandschutz bestehen, na da gibt es doch mineralische Dämmstoffe. Entsorgung ist für den Entscheider ein Thema, dann soll er doch auf Zellulose gehen.
Wenn ich den Beruf des Energieberaters richtig verstehe, soll der doch u.a. beraten, wie mit welchen Maßnahmen auch der Heizwärmeverbrauch reduziert werden kann. Das den Endkunden die CO2-Einsparung weniger interessiert kann man doch verstehen.
OS
Datum: 16.12.2014 21:52:10

Re: "Dämmwahn", "zu Tode gedämmt", "Könnes kämpft", "Verdämmt in alle Ewigkeit"...

Im GEB-Newsletter 08-2015 hatten wir berichtet, dass laut dem Gesamtverband Dämmstoffindustrie (GDI) Der Spiegel vom 18. April 2015 mit dem Artikel zum Thema Fassadendämmung „Brennt wie Stroh“ bei seinen Lesern unnötig Angst schürt. Der GDI hatte noch am Tag der Veröffentlichung mit einer Pressemitteilung reagiert und darin das zugrunde liegende unscharfe Zahlenmaterial kritisiert und auf die Brandschutzlösungen der Industrie verwiesen. Außerdem hat der GDI Aussagen zur Kampagne „Dämmen lohnt sich“ richtiggestellt. Auch der Verein Qualitätsgedämmt hatte auf den Spiegel-Artikel reagiert.
Mehrere Energieberater haben sich daraufhin gemeldet. In den folgenden Beiträgen lesen Sie deren Kommentare.
Datum: 26.05.2015 15:18:05

Re: "Dämmwahn", "zu Tode gedämmt", "Könnes kämpft", "Verdämmt in alle Ewigkeit"...

Flammschutzmittel kritisch hinterfragt
„Eine Versachlichung der Diskussion ist immer sinnvoll. Leider fehlt in der bisherigen Diskussion ein wichtiger Aspekt: Mit welchen Mitteln / Zusätzen wird der Brandschutz der WDVS Dämmsysteme verbessert. Hierzu gibt es eine Anfrage und Antwort der Bundesregierung: www.bit.ly/geb1078
In dieser Stellungnahme wird auf das Flammschutzmittel HBCD hingewiesen, welches in allen Polystyroldämmstoffen vorzufinden ist. Bemerkenswert ist hierbei das HBCD als besonders Besorgnis erregender Stoff eingestuft wird (Seite 9ff)!!! Es gibt genügend alternative Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen!“
Ingo Kempa, Hamburg/Altusried
Datum: 26.05.2015 15:18:58

Re: "Dämmwahn", "zu Tode gedämmt", "Könnes kämpft", "Verdämmt in alle Ewigkeit"...

Verarbeitungs-Mängel Grund für Brandrisiko
„Wie viele Dachstuhlbrände haben wir in jedem Jahr? Ich denke, es sind wesentlich mehr als Fassadenbrände, nur ist noch niemandem die Idee gekommen, Holz für die Dachkonstruktion zu verbieten. Daran erkennt man ganz deutlich, dass es sich hier bei den Fassadenbränden eindeutig um eine zielgerichtete Kampagne gegen Fassadendämmung handelt. Es gibt noch einen anderen wichtigen bisher unbeachteten Effekt: Die unsachgemäße WDVS-Montage. Was hat ein Feuerwehrmann als Kommentar zu einem Fassadenbrand sinngemäß gesagt: Ein Kamineffekt hinter der Dämmung hätte den Brand noch beschleunigt. Wie kommt denn ein Kamineffekt hinter der Dämmung zustande? Ganz einfach: das Punkt-Wulst-Verfahren beim Ankleben der Dämmplatten wurde nicht angewendet. Es wurde aus Gründen der Einsparung von Arbeitszeit und Material (Kleber) nur gepunktet - mit fatalen Folgen für die Dämmwirkung, die Tauwasserbildung hinter der Dämmung und der zusätzlichen Gefährdung im Brandfalle.
Ich behaupte sogar (auch anhand von Versuchen mit Nebelgas), dass ein sehr hoher Anteil der bisher verbauten WDVS auf Grund der punktweisen Plattenbefestigung mehr oder weniger stark hinterlüftet ist, was zusätzlich auch durch die verminderte thermische Kopplung der Dämmung an den Baukörper die Algenbildung befördern kann.
Woher schöpfen denn die Dämmungskritiker ihre Argumente? Aus meiner Energieberaterpraxis kann ich dazu ganz eindeutig sagen: Es sind Konzeptfehler, Planungsfehler, unvollständige oder gar keine Planungen, Fehler in der Bauausführung, Verwendung ungeeigneten Materiales, Unkenntnis der Bauphysik, Ignorieren des hohen Stellenwertes der  Wohnungslüftung usw. Die daraus resultierenden "Unfälle" werden dann benutzt, um das Thema hochkant zustellen.
Meine Erfahrung ist, dass gut geplante und fachgerecht ausgeführte energetische Sanierung nur Vorteile bringen und zu keinen Problemen führen.“
Heinz Schöne, Berlin
Datum: 26.05.2015 15:19:40

Re: "Dämmwahn", "zu Tode gedämmt", "Könnes kämpft", "Verdämmt in alle Ewigkeit"...

Energieberater müssen Orientierung geben
„Die überzogene Darstellung der angeblichen Gefahren von Fassadendämmungen in den Medien mit der Folge der Verunsicherung vieler Verbraucher hat viele Fachleute geärgert. Dennoch ist perspektivisch nur ein offener Umgang mit den Risiken hilfreich. Natürlich geht ein Fassadenbrand nicht vom Dämmmaterial selbst aus, das bedeutet aber nicht, dass es kein zusätzliches Gefahrenpotenzial gibt.  So hat die Branddirektion Frankfurt nach dem  häufig zitierten Brandereignis im Mai 2012 eine Sammlung von Fällen mit Fassadenbränden angelegt. Auch wenn die Sammlung nicht repräsentativ ist, fällt eine Häufung von Fällen auf, in denen die Brände durch Müllcontainer oder brennende Fahrzeuge verursacht wurden. Nun ist schon die Vermutung nahe liegend, dass sich ein Müllcontainerbrand besonders gut auf die Fassade ausbreiten kann, wenn diese mit Polystyrol gedämmt ist.
Eine erste Reaktion darauf ist bereits vollzogen. In künftigen bauaufsichtlichen Zulassungen wird das DiBt konstruktive Vorgaben einarbeiten, die den Brandschutz verbessern sollen.  Unter anderem sind zusätzliche gebäudeumlaufende Brandriegel vorgesehen. Gut, damit wird der Brandschutz zukünftiger Bauvorhaben verbessert.
Aber was ist mit bereits gedämmten Fassaden? Hier wird zunächst nach Möglichkeiten gesucht, Risiken zu verringern. Im Gespräch sind dabei eben auch Empfehlungen zum Abstand von Müllcontainern oder mögliche Parkverbote.  Da hat der Spiegel wieder einmal unnötig dick aufgetragen, wahrscheinlich allerdings nicht das letzte Mal.
Dass die Dämmstoffindustrie an dieser Stelle dieselbe Stoßrichtung einschlägt wie viele Fachleute, die seit Jahren Fassadendämmungen empfehlen, ist klar. Dass aber eine von Herstellern oder Verbänden getragene Kampagne genauso fachlich aufklärt, "wie es beispielsweise die Verbraucherzentralen tun", ist dann doch ein bisschen weit hergeholt. Dafür sind die Interessen dann doch zu unterschiedlich.
Mehr als bisher sind Energieberaterinnen und -berater dazu aufgefordert, verunsicherten Verbrauchern Orientierung zu geben. Dazu gehört heute in vielen Fällen das Widerlegen unsinniger Aussagen selbst ernannter Dämmkritiker. Dazu gehört aber auch eine realistische Einschätzung möglicher Risiken, genauso wie eine Abwägung möglicher Alternativen zu Polystyrol.
Martin Brandis, Rietberg
Datum: 26.05.2015 15:20:26

Re: "Dämmwahn", "zu Tode gedämmt", "Könnes kämpft", "Verdämmt in alle Ewigkeit"...

Zur Orientierung der Verbraucher bzw. natürlich auch als Argumentationsleitfaden gibt es von der KEA-BW eine Argumentationshilfe -  diese ist m.E. auch für den Nicht-Fachmann sehr gut lesbar.

Titel: 'Über den Sinn von Wärmedämmung'

Die Investitionskosten liegen im unteren einstelligen Bereich ;-)

 

 

PS

Das Druckstück ist im redaktionellen Teil des GEB 05/15 S.65 bereits erwähnt.

Datum: 26.05.2015 16:58:46

Re: "Dämmwahn"

"Wie viele Dachstuhlbrände haben wir in jedem Jahr? Ich denke, es sind wesentlich mehr als Fassadenbrände, nur ist noch niemandem die Idee gekommen, Holz für die Dachkonstruktion zu verbieten."

Klasse Argument, danke dafür. Das verringert unseren Beratungsaufwand erheblich und der Kunde wird zum Denken angeregt.

MfG
Datum: 26.05.2015 19:16:22

Re: "Dämmwahn"

Meine Kunden dämmen auf meine Empfehlung hin in 90% aller Fälle entweder mineralisch (Multipor u.ä.) oder mit Holzweichfaser, manchmal auch mit gedämmter Vorsatzschale (Holzweichfaser auf Holzunterkonstruktion, mit Zellulose ausgeblasen).

Wer aus Kostengründen mit EPS oder Mineralwolle dämmen will, dem rede ich es natürlich nicht aus. Jedes Dämmsystem hat seine Berechtigung.

Die meisten Argumente gegen das Dämmen von Außenwänden kommen nicht von Sanierungswilligen oder -interessierten, sondern eher von unbeteiligten Dritten.

Deren Bedenken basieren auf einer völligen Unkenntnis der bauphysikalischen Gegebenheiten und lassen sich nach meiner Erfahrung i.d.R. recht schnell widerlegen.

Meistens kommen sie mit Dingen wie "im gedämmten Haus schimmelt es", alternativ auch "im gedämmten Haus ist das Raumklima schlecht" oder schlichtweg "bringt doch nichts". Dinge wie Veralgung oder Brandschutz, von denen man meinen möchte, sie wären die großen Aufreger, spielen - zumindest in meinem Umfeld - eine untergeordnete Rolle.

Die Vielfalt an guten und geeigneten Dämmstoffen ist heute so groß wie nie. Aber die Medien tun immer so, als sei "Dämmen" ein Synonym für "Styropor", was sich natürlich auf das Meinungsbild entsprechend auswirkt. Meist hilft es schon, darüber aufzuklären, dass es auch viele andere Möglichkeiten gibt, auch wenn die meistens ein bisschen teurer sind. Das Aha-Erlebnis ist dann groß...

Grüße
Frank-Stefan Meyer

Datum: 26.05.2015 20:52:41

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